Das Insur-Tech Startup Coya will Versicherungen für Millennials sexy machen

Wie vertickt man Versicherungen an Millennials, die sich für alles interessieren – außer Versicherungen? Das Insur-Tech-Startup Coya glaubt, einen Weg gefunden zu haben, diese Zielgruppe zu knacken.

Von Luisa Jabs.

Neulich haben Andrew Shaws Mitarbeiter ihrem Chef zum Geburtstag das Berghain geschenkt. Die mannshohe Pappkartonversion des Technoclubs samt aufgeklebtem Foto der grimmigen Türsteherlegende Sven Marquardt steht noch immer im Kreuzberger Büro des Insur-Tech-Startups. So konnte Shaw endlich mal in den berühmten Club gehen. Denn eigentlich hat er derzeit Besseres zu tun, als sich vor dem Berghain in die Schlange zu stellen. Im Laufe des Frühjahrs geht seine App live. Und die soll ein Problem lösen, das mindestens eine so harte Nuss ist wie die Berghain-Tür: Coya will Millennials dazu bringen, Spaß am Abschließen von Versicherungen zu haben.

Am Anfang von Coya stand Frust, den Shaw mit seinem eigenen Anbieter hatte. Er war auf Reisen und wurde krank. Zwar hatte er eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, doch die deckte nicht alle Kosten ab. Welche genau, hatte Shaw nicht im Kopf, verzweifelte aber beim Versuch, das beim Versicherer in Erfahrung zu bringen. Es blieb das Gefühl, im Stich gelassen worden zu sein.

IT-Architektur aus den 90er-Jahren

So weit, so tragisch. Aus dieser Negativerfahrung heraus begann Shaw, die Idee für Coya zu entwickeln, eine „zugängliche, kundenzentrierte Versicherung“, wie Shaw es nennt. Der Kernpunkt ist, logisch, die Erreichbarkeit. Die Taktik dafür lautet: mobile first. Der Hauptteil der Kommunikation läuft bei der App, an der er seit Juni 2016 arbeitet, über das Smartphone und nicht über Telefonate – außer im Notfall. Coya-Kunden sollen sich komplett online versichern können, wann und wo sie wollen. „Als Millennial will ich keine Filiale aufsuchen müssen“, sagt Shaw.

Mit diesem Ansatz greift Coya zugleich das Businessmodell der Branche an. „Ein Großteil der Einnahmen von Versicherern wird heute über ein riesiges Netz von Vermittlern generiert“, so Shaw. Die leben von ihren Provisionen und haben natürlich wenig Interesse daran, dass ihre Gatekeeper-Position überflüssig wird. Hinzu kommen technische Beschränkungen der Versicherer. „Oft stammt die IT-Architektur aus den 90er-Jahren“, sagt Shaw. Und die sei „nicht gemacht für das digitale Zeitalter, in dem alles on demand verfügbar sein muss“.

Parkettversicherung für die Dauer der WG-Party

Für Coya bedeutet das: weg mit Mittelsmännern und verzahnten Vorgängen, keine ewigen Warteschleifen in der Hotline und Besuche in muffigen Versicherungsvertreterbüros. Shaw will Kommunikation auf Augenhöhe ermöglichen und so das vielleicht größte Imageproblem der Versicherungsbranche angehen, die sich schwertut, passgenaue Angebote für eine junge, auf Transparenz, Fairness und Flexibilität bedachte Kundschaft zu bauen. Darum wird die Coya-App Produkte leicht verständlich aufbereiten, die Kommunikation findet per Chat statt, auch mal mit Emojis. Versicherungen sollen genauso unkompliziert zu kündigen sein, wie man sie abschließt.

Zum Launch will Coya die Klassiker anbieten: Hausratsversicherungen und Fahrrad-Schutzpolicen. Doch Shaw denkt bereits über mögliche Ausbaustufen nach: Warum zum Beispiel gibt esv keine Zusatzversicherung, über die man das Parkett seiner Wohnung für die Dauer der WG-Party absichern kann? Warum nutzt keiner die technischen Möglichkeiten von Smartphone und Social Media, um so ein Angebot dem Kunden in dem Moment vorzuschlagen, in dem er es benötigt? Nur Ideen bislang. Aber sollte Coya es schaffen, die Millennials zu knacken, werden die ihrem neuen Versicherungsbuddy schon erzählen, wovor sie gerne beschützt werden möchten.

Dieser Beitrag stammt aus der aktuellen Ausgabe 02/2018. Darin porträtieren wir Lea-Sophie Cramer, Gründerin von Amorelie. Nach der Übernahme durch ProSiebenSat.1 soll sie die Konzerntochter zu einer Lifestylemarke ausbauen. Außerdem: Quiz-App HQ Trivia, Schauspieler Bryan Cranston, DJ-Gott David Guetta und wie immer viele weitere Geschichten. Mehr Infos gibt es hier.


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