Random & Fun Unser Kolumnist wünscht sich hochwertigere Spam-E-Mails

Unser Kolumnist wünscht sich hochwertigere Spam-E-Mails

Peter Wittkamp fühlt sich betrogen – von Betrügern, die ihm langweilige Spam-E-Mails schicken. Hilfe naht!

Wenn ich in den Junk-Ordner meines Postfachs schaue, bin ich immer wieder enttäuscht. Was ist bloß aus dem ehrbaren Handwerk des Spams geworden? Einfach nur traurig! Ich sehe vor allem Werbung für zweifelhafte Pillen und schnelle Methoden, viel Geld zu verdienen oder zumindest weniger zu arbeiten, sowie Sofortkredite. Alles wie vor 15 Jahren – Reichtum und Medikamente.

Wie kann denn eine Branche, die das Ziel hat, den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, über Jahre hinweg so unkreativ sein? Wo sind Innovationsfreude und Mut? Das Einzige, was ich da an Neuem entdecken konnte, waren einige Mails zu Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Und eine, die mir Treppenlifte andrehen wollte. Also doch wieder die klassischen Themen der Branche: Geld und Gesundheit – nur leicht anders verpackt.

Das ist so, als würde ein Heiratsschwindler immer wieder dieselbe Frau mit immer wieder derselben Masche ansprechen – und sich wundern, dass die Dame kein Interesse zeigt. Doch wer betrügen will, muss kreativ sein. Dabei gibt es doch auch geeignete Vorbilder in der Branche: Vor fast 100 Jahren verkaufte der Hochstapler Victor Lustig den Eiffelturm an den Pariser Schrotthändler André Poisson. Diesem war die Sache so peinlich, dass er auf eine Anzeige verzichtete. Klasse! So geht Betrug!

Crime: Graf Victor Lustig verkaufte alles – auch den Eiffelturm. Die ganze Geschichte.

Gefälschte Amazon-Mails sind das einzig Kreative, das die Spam-Versender in letzter Zeit zu bieten hatten. Ab und an bekomme ich die Info, dass mein Konto belastet wird, weil ich angeblich einen teuren Artikel bestellt habe. Natürlich nur, um so meine Zugangsdaten abzufangen und tatsächlich teure Artikel zu bestellen. Da die Mail aber gut gefälscht ist und der Schreck über angeblich geordertes Gerät für 500 Euro erst mal kurz sitzt, gehört sie zu den wenigen Mails, bei denen ich zwar nicht anbeiße, aber doch zumindest mal den Köder genauer prüfe.

Trotzdem zeigt die Amazon-Mail, wo ein Spam-Versender, der es 2018 noch zu etwas zu bringen möchte, operieren sollte: nah am Umfeld des Opfers. Mit Informationen, die sich zwar ein bisschen verrückt anhören, aber auch wahr sein könnten. Auf die Zielgruppe abgestimmt und gut erzählt. Targeting und Storytelling nennt man das im Marketing.

Victor Lustig konnte den Eiffelturm nur verkaufen, weil es damals, im Jahr 1925, Gerüchte gab, dass er abgerissen werden sollte. Das heutige Wahrzeichen war baufällig und sollte ursprünglich ohnehin nur zehn Jahre stehen. Und in dieser Information liegt das Geheimnis soliden Betrugs: Die Menschen wollen eine Geschichte, die sie glauben können.

Spam-Versender müssen sich anschauen, was den Leuten fehlt, die sie übers Ohr hauen möchten. Den Kunden kennenlernen. Zuhören. Auch heute lassen sich noch Leute über den Tisch ziehen – nur muss der Tisch eben mit viel Handarbeit liebevoll aus fair gehandeltem Bioholz in einer schwäbischen Kleinmanufaktur gefertigt sein und trotzdem nur 199 Euro kosten.

Ich habe im Folgenden ein paar E-Mail-Betreffzeilen gesammelt, auf die Menschen anspringen könnten, und lasse sie hier zur freien Verwendung. Macht was draus, liebe Spammer. Liefert uns Angebote, die uns staunen lassen! Erzählt uns Geschichten, die wir glauben möchten. Verkauft uns den Eiffelturm – und wir zeigen euch danach nicht an. Versprochen.

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Der Beitrag stammt aus unserer aktuellen Ausgabe 05/18. Im Titel erzählen wir von Bitcoin-Wunderkind Marco Streng, der den globalen Krypotowährungsgiganten Genesis Mining aufgebaut hat. Außerdem: In unserem Dossier „Streaming“ widmen wir uns der Technologie, die die Entertainment-Branche einmal komplett umgekrempelt hat. Weitere Infos gibt es hier.

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