Office-Hack: Wie überzeuge ich meinen Chef?

Oft haben Mitarbeiter grandiose Ideen. Bleibt nur eine Hürde: Wie überzeugt man den Chef davon?

Ein Gastbeitrag von Anja Niekerken

Die Chefetage ist für viele Angestellte tatsächlich eine fremde Galaxie. Nicht nur räumlich sehr weit entfernt, sondern auch im Sinne von „Was geht da eigentlich vor?“. In großen Unternehmen gibt es sogar verschiedene Chef-Galaxien bis hin zur obersten Vorstandsgalaxie und alle funktionieren anders. Auch wenn die Lebensformen, die die Führungsgalaxien bevölkern, die gleichen sind, so sind sie doch extrem unterschiedlich: Von Klingonen bis zu Vulkaniern ist alles dabei. Und sie wollen nicht zwingend das Gleiche.

Wer da einfach locker, flockig, motiviert durchstartet, der kann schnell von der „Entdecker Folge“ in der „Lost-in-Space Folge“ landen. Und das ist vor allem eines: mega frustrierend. Fragen wie: „Warum mache ich das überhaupt?“, „Macht das eigentlich Sinn sich zu engagieren?“ und „Was ist das denn für ein Vollidiot?“, sind oft die Folge. Erleiden wir mehr als einmal Schiffbruch in der Chefgalaxie, dann entsteht nicht nur Frustration, auch der Wunsch nach Veränderung lässt dann nicht lange auf sich warten. Das muss nicht sein.

Perspektiven hat, wer Perspektiven wechselt

Du hast sich engagiert und dein Chef hat sich darüber nicht gefreut. Das ist schon doof. Die Frage ist aber: Hast du mit deinem Engagement die richtige Frage beantwortet? Hast du ein Problem deines Chefs gelöst oder hast du eines deiner Probleme gelöst? Deine Probleme sind nicht zwangsläufig auch die Probleme deines Chefs. Sind sie doch? Okay. Aber die nächste Frage ist: Sieht dein Chef das genauso?

Mein Problem ist nicht gleich sein Problem

Das klingt zugegebenermaßen alles noch sehr klingonisch in menschlichen Ohren. Hier ein Beispiel aus der Praxis: Du hast die großartige Idee, dass in ihrem Bereich ein weiterer Mitarbeiter, die Arbeit eines externen Dienstleisters übernehmen könnte. So würden die ganzen Abstimmungen mit dem externen Dienstleister entfallen und du und deine Kollegen könnten in dieser Zeit andere Dinge erledigen. Außerdem würden die Briefingzeiten auf ein Minimum reduziert, da der neue Kollege ja Teil des Teams wäre und die meisten Inhalte kennen würde. Dein Chef hört sich das Ganze an, nickt zustimmend und sagt nein.

Du hast also weiter den begriffsstutzigen externen Dienstleister am Hacken, ebenso die Kollegen und das Zeitproblem ist auch noch da. Ganz ehrlich: Dein Chef konnte nur nein sagen, denn bisher hattest du das Ganze doch auch alles geschafft. Für ihn gibt es also kein Problem. Und hey, dein Chef ist auch nur ein Mensch, der erst ins Handeln kommt, wenn er selbst ein Problem hat. Das ist völlig normal.

Der Wurm muss dem Fisch schmecken

Die Lösung: Rechne deinem Chef vor, was der externe Dienstleister und wieviel weniger der neue Kollege kostet. Dabei kannst du deine gesparten Stunden und die deiner Kollegen gern mit einbeziehen. Wenn die gesparte Summe groß genug ist, dann bist du in der Galaxy ihres Chefs angekommen. In seiner Galaxy sind nämlich „Kosten“ ein Problem. Das erstaunliche an dieser Lösung ist: Deine Lösung, beziehungsweise Idee ist immer noch dieselbe. Du hast sie nur in einer anderen Sprache adressiert. Nämlich in der Sprache, die in der Chef-Galaxy gesprochen wird. Oder wenn dir ein anderes Bild lieber ist: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

Der Chef: eine fremde Spezies?

Und eines noch zum Abschluss: Wir alle arbeiten vor allem für Anerkennung und Wertschätzung, dein Chef auch. Wir sind immer so schnell beleidigt, wenn wir nicht ausreichend gelobt werden oder wenn man uns nicht genügend zuhört. Der Witz ist: Das ist bei Führungskräften nicht anders. Allerdings werden diese eher selten gelobt. Mitarbeiter beschweren sich bei ihnen oder wollen Anerkennung für die eigene Arbeit. Die Etage darüber – und es gibt immer eine Etage darüber, selbst der Vorstand muss dem Aufsichtsrat oder den Aktionären Rede und Antwort stehen – gibt den eigenen Druck weiter und lobt oft nur in Form von Bonifikationen. Menschliche Anerkennung ist aber etwas anderes.

Wer mal zu seinem Chef gegangen ist, sich bei ihm bedankt hat und ihm gesagt hat, was für einen Wahnsinnsjob er immer wieder macht, der steht plötzlich vor einem Menschen, der nach erster Irritation anfängt zu strahlen. Denn selbst die größten Schleimer, die jede Möglichkeit zum Schleimen nutzen, loben in der Regel nicht. Schleimer bestätigen und überhöhen nur das, was die Führungskraft gerade tut. Sie gehen aber nicht in einer ruhigen Minute einfach mal hin, zum „Danke“ sagen. Ein ehrliches „Danke“ und ein Lob hinter dem du wirklich stehst, hat eine ganz andere Wirkung. Und keine Angst: Wenn du das einmal im Monat machst, wenn es gerade passt, dann ist man noch lange kein Speichellecker.

Anerkennung und Wertschätzung sind keine Einbahnstraßen. Das Prinzip funktioniert in beide Richtungen. Wenn es also mal wieder an Wertschätzung mangelt, dann mache den ersten Schritt. Und bleibe dran. Die Enterprise ist auch nicht nach der ersten Mission wieder zurückgekehrt mit der Botschaft: Am ersten Tag Nichts gefunden. Dann finden wir auch später Nichts mehr. Im Gegenteil.


Anja Niekerken ist Managementtrainerin und beschäftigt sich in Büchern, Seminaren und Vorträgen mit dem Thema Natural Leaders.  


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