Für einen guten Zweck: Vier Hamburgerinnen wollen über den Atlantik rudern

Was macht man, wenn einem ein klassisches Sabbatical zu langweilig ist? Man rudert 5 500 Kilometer über den Atlantik – von La Gomera bis nach Antigua. Also einmal von den Kanareninseln bis in die Karibik. Wer glaubt, dass sich kaum jemand so etwas freiwillig antut, der irrt: Bei der „Talisker Whisky Atlantic Challenge“ sind insgesamt 28 Mannschaften aus 13 Ländern weltweit erst vor Kurzem ins Ziel gerudert – oder noch dabei. Die Teilnehmer rudern aber nicht nur, um sich einen sportlichen Wettkampf zu leisten. Jedes Team sammelt auch Geld und spendet es an eine Wohltätigkeitsorganisation ihrer Wahl. Hier ein kleiner Eindruck:

Vier Frauen aus Hamburg haben sich zusammengetan, um in einem kleinen Boot, das die Ruderplätze sowie eine Schlaf-und Technikkapsel Inne hat, im Dezember bei der Challenge als Team „RowHHome“ an den Start zu gehen. Für drei Monate kehren Catharina Streit, Meike Ramuschkat, Stefanie Kluge und Timna Kluge, ihrem Alltag den Rücken. Sie sind das erste deutsche Team, das im Dezember an der Ruderregatta teilnimmt. Girl Power – im wahrsten Sinne des Wortes, wer schon ein Mal gerudert ist, weiß wie anstrengend das ist. Wie man auf so eine Idee kommt? Wir haben mit Meike Ramuschkat darüber gesprochen.

Meike, wie kommt man auf die Idee, tausende Kilometer in einem Boot auf dem Atlantik zurückzulegen? 

Meine beste Freundin Catharina, die mit im Team ist, hat eine Dokumentation über vier Mütter aus England gesehen, die 2017 an der Ruder-Challenge teilgenommen hatten und hat mir davon erzählt. Ich fand das zwar cool, aber weder Catharina noch ich konnten zu dem Zeitpunkt rudern. Deswegen war das Thema für mich erst mal erledigt. Aber 2017 war ich zufällig im Urlaub auf La Gamora, und habe den Start von dem Rennen mitbekommen. Seither bin ich Feuer und Flamme.

Was ist deine Motivation dahinter?

Weil ich Bock auf die Herausforderung habe, ich bin von Beruf Ärztin. Und weil ich mich selbst in Extremsituationen besser kennenlernen möchte. Um mir zu beweisen, dass man sowas als Team gemeinsam durchstehen und schaffen kann.

Wie bereitet ihr euch auf die Ruder-Challenge vor? 

Zum einen trainieren wir das Rudern, das machen wir momentan viel auf dem Ergometer. Ab April wollen wir dann Trainingsfahrten auf der Alster und später dann auch auf Nordsee machen. Dann machen wir noch Krafttraining, Stabilisation- und Mobilisationsübungen. Aktuell sind wir bei sechs Trainingseinheiten die Woche.

Und abgesehen vom Sport?

Wir machen mit einer Sportpsychologin Mentaltraining in der Gruppe und jeder einzeln. Da behandeln wir Themen wie Gruppendynamik und Teamvereinbarung zum Beispiel. Wir wollen die Psychologin auch mit aufs Boot nehmen, um zu lernen, kritische Situationen erst mal zu erkennen und um Lösungsansätze an die Hand zu bekommen, wie wir uns beruhigen können und mögliche Konflikte lösen. Außerdem haben wir eine Ernährungsberaterin, die uns betreut. Wir versuchen auch gerade unseren Fettstoffwechsel zu trainieren, weil wir auf dem Atlantik ungefähr 6 000 Kalorien am Tag zu uns nehmen müssen.

Die vier Hamburgerinnen beim Training. ©Guido Weihermüller & Daniel Bendig, Close Distance Productions/Wellenbrecherinnen

Wie kann man sich den Tag auf dem Boot dann bei euch vorstellen?

Wir werden zwei Stunden rudern und zwei Stunden schlafen oder Pause machen und das 24 Stunden, bis wir am Ziel sind. Ansonsten müssen wir uns um das Boot kümmern und um uns selbst. Die Haut pflegen, wegen des Salzwassers und damit keine Blasen und offenen Wunden entstehen und die Ernährung ist auch ganz wichtig. Zwischendrin müssen wir dann versuchen, nicht verrückt zu werden, weil es in solchen Extremsituationen auch dazu kommen kann, dass man Halluzinationen bekommt.

Wovor hast du am meisten Angst bei der Aktion? 

Dass wir extrem schlechtes Wetter haben könnten. Die vier Mütter aus England hatten während ihres Rennens einen Hurricane, sowas möchten wir natürlich nicht erleben. Davor hatte ich Respekt. Aber Angst habe ich erst, wenn es passiert. Respekt habe ich vorher.

Um das Ganze zu finanzieren, habt ihr zum einen Hauptunterstützer, aber ihr habt auch ein Crowdfunding-Projekt gestartet. Wieso? 

Das Rennen ist sehr teuer. Allein das Startgeld kostet uns als Team 23 500 Euro, das Boot kostet 60 000 Euro. Insgesamt müssen wir ein Budget von 120 000 Euro zusammenbekommen, damit wir auch so Dinge wie das Equipment und das Essen für die Challenge bezahlen können. Bei großen Firmen wurde uns immer Wind aus den Segeln genommen. Oft haben wir das Feedback bekommen, dass wir nicht die einzigen seien, die Geld bräuchten, das Rennen niemand kenne, und man ja nicht sehen könne, was wir auf dem Atlantik so machen. Aber das stimmt nicht. Wir sind mit Kameras ausgestattet und man kann unsere Challenge mitverfolgen.

Alle Teams sammeln ja Geld für einen guten Zweck. An wen geht euer Erlös?

Wir wollen das Geld an zwei Charities für Kinder spenden. Einmal an Zeit für Zukunft – Mentoren für Kinder e.V. und Kinderlachen e.V. Die setzen sich für Kinder mit ungleichen Chancen ein.

Die Hamburgerinnen lassen sich während der „Talisker Whisky Atlantic Challenge“ von einem Filmteam begleiten. Das Filmprojekt „Die Wellenbrecherinnen“ ist bereits in der Mache. Auf der Homepage kann man in Mini-Episoden den Frauen bei der Vorbereitung einen Blick über die Schulter werfen.  Wer die Crowdfunding-Kampagne unterstützen möchte, hier entlang. Noch bis zum 04.02. läuft das Projekt. 


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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