Frauenquote: Wie wir den “Thomas-Kreislauf“ durchbrechen können

Seit dem Jahr 2015 gilt für die Aufsichtsräte aller großen Börsenunternehmen Deutschlands eine Frauenquote von 30 Prozent. Doch, wie eine Studie der AllBright Stiftung hervorbrachte, bringt die Quote allein nicht den gewünschten Effekt. Immer noch geben 53 von 160 Unternehmen eine geplante Steigerung des Frauenanteils in Vorständen bis zum Jahr 2022 von null Prozent an. Nochmal zum Mitschreiben: Über ein Viertel der börsennotierten Unternehmen in Deutschland setzen sich das Ziel bis 2022 keine Frauen in ihre Vorstände zu rekrutieren. Immerhin lässt sich sagen, dass der Frauenanteil seit 2015 in den Aufsichtsräten durchschnittlich auf 30 Prozent gestiegen ist, nun jedoch bei den 30 Prozent stagniert.

Der „Thomas-Kreislauf“

Einer der Gründe, weshalb immer noch so wenig Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten sitzen ist die hohe Prozentzahl an männlichen Aufsichtsratsvorsitzenden (94 Prozent) und männlichen CEOs (97,5 Prozent) in deutschen börsennotierten Unternehmen. Denn in der Regel schlägt der Aufsichtsratsvorsitzende in Absprache mit dem CEO dem Aufsichtsrat die Kandidaten für den Vorstand und Aufsichtsrat vor. Diese sind – selbstverständlich – meist männlich, da die Verantwortlichen sich auf Grund des gleichen Geschlechts und oft ähnlichem Lebenslauf besser mit ihnen identifizieren können.

Wer nicht glaubt, dass Ähnlichkeiten von potentiellen Kandidaten zu Mitgliedern und Vorsitzenden eine Rolle spielen, sollte die Häufigkeit der Vornamen in den Räten und Vorständen betrachten. Immerhin gibt es 53 Michaels, 36 Thomasse und 34 Stefans als Mitglieder in den deutschen Aufsichtsräten. Und auch in deutschen Börsenvorständen sind die Namen Michael und Thomas am häufigsten vertreten.

Aus dem „Thomas-Kreislauf“ ausbrechen

Um in Zukunft weniger Thomasse und Michaels und mehr Sophies und Leonies in den deutschen Aufsichtsräten und Vorständen zu finden, muss trotz der Frauenquote noch einiges getan werden. Die AllBright Stiftung schlägt in der Studie verschiedene Maßnahmen vor, die zu einem höheren Frauenanteil in Aufsichtsräten führen sollen.

Aufsichtsratsvorsitzende sind demnach dazu gehalten mehr Frauen in die Besetzungsausschüsse zu rekrutieren und bei Vorstandsrekrutierungen auf eine Liste mit mehreren Frauen zu bestehen. Frauen, die bereits Mitglied in einem Aufsichtsrat sind, sollen auch stärker auf eine weibliche Besetzung für den Vorstand pochen und sich selbst um einen Sitz im Besetzungsausschuss bemühen. Außerdem darf kein Vorstand mehr der vorher genannten „Zielgröße Null“ zustimmen. Zu guter Letzt können auch Großinvestoren die Policy der Räte und Vorstände mitbestimmen, indem sie feste Vorgaben für den Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen in ihren „Voting-Guidelines“ festhalten und bei den Hauptversammlungen ihr Stimmverhalten danach ausrichten. Damit solche Fauxpas nicht mehr passieren:


Michael Gnahm

Michael studiert Marketingkommunikation, weil er es mit klassischen Studiengängen wie Wirtschaftswissenschaften einfach nicht so hat. In den Journalismus ist er zufällig reingestolpert und mittlerweile voll in Love. In seiner Freizeit hört er gerne musikalische Kunstwerke aus dem Bereich des deutschen Sprechgesangs. Also komm ins Café, wir müssen reden!

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