„Deutschland ist beim digitalen Lernen definitiv ein Nachzügler“

Digital lernen? Kommt im Zeitlupentempo schön langsam auch an Deutschlands Universitäten an. Das Berliner Startup charly.education will den Prozess durch eine digitale Plattform ein wenig beschleunigen und bittet Student*innen um Feedback. Gegründet haben das Unternehmen Cecil von Croy und der kürzlich verstorbene Charly Bagusat – nach dem die neue Plattform statt PlusPeter jetzt benannt wurde. Im Interview erzählt von Croÿ, wieso die Universitäten in Deutschland scheinbar immer noch Nachhilfe in Sachen digitales Lernen brauchen – und was sich durch den Tod seines Mitgründers für ihn verändert hat.

Ihr habt gerade die neue digitale Lernplattform charly.education auf den Markt gebracht, die Studierende miteinander vernetzen soll. Ist das digitale Lernen in Deutschland noch nicht so etabliert?

Im Vergleich zu Skandinavien oder der Schweiz ist Deutschland definitiv ein Nachzügler. Hierzulande sind Universitäten und Schulen zu bürokratisch und umständlich organisiert. Man muss beispielsweise Bachelorarbeiten immer noch händisch, sprich offline, abgeben oder mit der Post verschicken. Studierende brauchen aber mehr Optionen. Deswegen wollen wir digitales Lernen in Deutschland etablieren.

Und wie soll das mit eurem neuen Tool funktionieren? Immerhin gibt es doch auch vonseiten der Universitäten ziemlich viel Learning-Management-Plattformen wie Blackboards und so weiter.

Viele Studierende sind bereit, deutlich online-affiner zu arbeiten. Sie verwenden beispielsweise den Adobe-Reader oder PDF-Viewer. Das sind aber Tools, die nicht explizit für das Lernen gemacht sind. Hier setzen wir an und geben ihnen verschiedene Instrumente an die Hand, mit denen sie gemeinsam effizienter lernen können. Studierende stellen uns dafür ihre Unterlagen zur Verfügung, die sie beim Lernen für eine Klausur erstellt haben und sonst einfach wegwerfen würfen. Da steckt aber unfassbar viel Wissen drin, das auch andere beim Lernen unterstützen kann.

Cecil von Croÿ © Privat

 

Aber so richtig Bock macht Lernen grundsätzlich ja nicht unbedingt, auch wenn man es digitalisiert.

Das stimmt. 30 Prozent der Studierenden brechen ihr Studium ab. Das liegt einerseits am Druck, an Angst und Unsicherheit. Andererseits werden sie aber auch das ganze Semester nie wirklich für ihre Mühen belohnt. Deswegen versuchen wir, Studierende zu motivieren. Das funktioniert nach einem Belohnungsprinzip: Bei uns können sie durch Markieren oder Teilen von Notizen Punkte sammeln. Die können dann gegen kleine Preise wie einen Kaffee in der Uni-Caféteria oder einen kostenlosen Gutschein von Lieferando eingelöst werden.

Euer Name hat sich geändert, von PlusPeter zu charly.education. Damit ehrt ihr Karl „Charly“ Bagusat, den kürzlich verstorbenen Mitgründer. Wie bist du mit seinem Tod umgegangen?

Charly war elementarer Bestandteil der Vision des digitalen Lernens und hat in den letzten eineinhalb Jahren das Tool mitaufgebaut. Die Namensänderung ist auch eine Hommage auf ihn. Auf Panels rate ich immer: Gründet auf jeden Fall zu zweit und findet dafür jemanden, der komplementär zu euch ist und mit dem ihr Freud und Leid teilen könnt. Charly und ich haben uns perfekt ergänzt, waren sehr enge Freunde und sind alle Täler und Höhen gemeinsam gegangen, was ungemein wichtig war. Auch für meine persönliche Entwicklung.

Gab oder gibt es so etwas wie einen gemeinsamen Trauerprozess bei euch im Startup?

Durch den Namen des Tools ist Charly auch weiterhin in jedem Meeting präsent. Das war und ist für das Team ungemein wichtig, um seinen Tod verarbeiten zu können. Wir hatten intern den Eindruck: Jetzt erst recht. Damit meine ich: Jetzt machen wir das Tool nicht nur als Mitarbeiter*innen oder Unternehmen, sondern wir machen das auch gemeinsam für Charly, um ihn weiterleben zu lassen. Meiner Meinung nach sieht man auch, dass das Team enger zusammengerückt ist. Ich bin dankbar für die Unterstützung, die ich von den anderen bekomme.

Wie schaut ihr mit charly.education in die Zukunft?

Das Ding ist: Die Studentin in Indien lernt so ähnlich wie der Student in den USA. Da sehen wir ein Riesenpotenzial und Möglichkeiten, Studierende zu connecten. Das ist neben Education die Idee. Darüberhinaus bemerken wir, dass viele Studierende direkt nach ihrem Abschluss nach Jobmöglichkeiten suchen. Wir wollen darüber intensiv nachdenken, wie wir sie mit ihrer Zukunft zusammenbringen können.


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