Onlinehändler*innen entsorgten voriges Jahr 20 Millionen Retouren

Schon mal beim Zurückschicken eines Pullovers ein schlechtes Gewissen gehabt, weil ihr ihn in drei verschiedenen Größen bestellt habt und eben zwei nicht braucht? Ihr fühlt euch völlig zu recht schlecht! Wirtschaftswissenschaftler*innen der Universität Bamberg haben nämlich ermittelt, dass 2018 Onlinehändler*innen in Deutschland schätzungsweise 20 Millionen zurückgeschickter Artikel entsorgt haben, davon 7,5 Tonnen überflüssigerweise. Eine „unnötige Verschwendung“, wie der Leiter der Forschungsgruppe, Björn Asdecker, kritisierte. Die Zahlen wurden durch eine Umfrage von 139 deutschen Onlinehändler*innen ermittelt.

Bei den Retouren geht es um Kleidung, Elektro- und Freizeitartikel, Möbel, Haushaltswaren und Produkte des täglichen Bedarfs. Warum werden diese nicht wiederverwertet? Weil das teurer wäre, als sie einfach für durchschnittlich 85 Cent pro Artikel zu entsorgen. Bei Amazon kostet es sogar nur 25 Cent, und das, obwohl der Konzern die Summe erst im September 2019 von 10 Cent angehoben hatte.

Kleinere Händler*innen wüssten laut den Ergebnissen der Forscher*innen oftmals nicht, wohin genau sie spenden sollten oder wie viel die Waren noch wert seien. Die meisten der weggeworfenen Artikel kosten weniger als 15 Euro, sind somit qualitativ minderwertig und meist nicht wieder aufzubereiten oder schlicht defekt.

Wie kann das Entsorgen verhindert werden?

Die Forschungsgruppe hat eine Reihe von Vorschlägen, wie sich das massehafte Wegschmeißen der Retouren vermeiden ließe. So müsse das Entsorgen an sich teurer werden, ein Nachhaltigkeitssiegel könne Anreize zum Wiederverwerten geben und ein Verzeichnis von Spendenempfänger*innen könnte helfen, die Waren gezielt zu verteilen. Aber auch die Marken- oder Patentinhaber*innen müssten ihre Vorschriften ändern, schreiben sie doch oftmals eine Entsorgung im Falle einer Retoure vor.


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