Random & Fun Kolumne: Warum man beim Gründen nie die Naivität verlieren sollte

Kolumne: Warum man beim Gründen nie die Naivität verlieren sollte

Unser Kolumnist Dominic Czaja hat neben der Werbeagentur DOJO noch die Produktionsfirma PUMP, das Label Muschi Kreuzberg, eine Stiftung und kürzlich auch die Künstleragentur A Million ins Leben gerufen. Ein echter Anfänger also.

von Dominic Czaja

Aller Anfang ist schwer, sagt man. Aber warum eigentlich? Warum tun wir uns so schwer, Dinge zum ersten Mal zu tun? Diese Kolumne schreiben zum Beispiel. Hab ich vorher noch nie gemacht, hatte ich mir aber immer vorgenommen.

Und jetzt drängelt der Chefredakteur. Puh. Vor mir ein komplett weißes Dokument, nur ein streng blinkender Cursor füllt die Leere. Egal, ich mach das jetzt einfach: Hallo, liebe Leserin, hallo, lieber Leser. Ich bin Dominic, ich bin neu hier, aber ab jetzt nehme ich auf dieser Seite das Heft in die Hand. Okay, gut. Ein erster Schritt. Persönliche Ansprache und leicht holpriger Einstieg für die Auf-Anhieb-Sympathie, gleichzeitig selbstbewusst aufgetreten und direkt mit Wortwitz gepunktet. War doch gar nicht so schwer. Zugegeben: Es ist easy, einen Essay anzufangen, der vom Anfangen handelt.

Aber wie easy ist es mit dem Anfangen eines Unternehmens?

Ich selbst bin kein Kind der New Economy und kein Gründer im neu-klassischen Sinn. Als ich mit meinem Partner vor 13 Jahren DOJO gegründet habe, hatte ich keinen Plan von Businessplänen, KPIs und Finanzierungsrunden. Ich war damals 23 und dachte, „Startup“ wäre ein neues Spiel von Mattel. Mir war das auch alles egal. Ich erinnere mich noch an einen frechen Garfield-Spruch-Sticker aus meiner Kindheit: „Egal wohin – Hauptsache, die Richtung stimmt.“ Garfield, die prähistorische Grumpy Cat, hatte es mir in die Wiege gelegt:

Wer etwas Neues will, muss erst mal starten.

Zum Glück haben wir uns nie gefragt, ob es ein strategisch kluges Ziel ist, die zehntausendste Werbeagentur in Deutschland zu gründen. Ob ich das heute noch genauso leicht könnte?

Diese Frage stellte sich mir im letzten Jahr häufiger. Inzwischen habe ich – neben DOJO – auch ein paar andere Firmen mit anderen Partner*innen gegründet. Während der Aufbauzeit haben mich meine unbefangenen Neu-Partner*innen häufig beeindruckt, wenn sie (jetzt kommt eine Metapher) furchtlos ins Auto eingestiegen sind und in den zweiten Gang hochgeschaltet haben, während ich noch am Sicherheitsgurt rumfummelte. Natürlich fährt man nie ohne Gurt, aber in den schönsten Autos aus den Sechzigern gab es noch keine Gurte. Spaß beiseite.

Das eigentliche Learning ist doch, dass man ein bisschen loslassen muss, wenn man loskommen will. Egal, in welche Richtung man fährt. Apropos losfahren: Eine unternehmerisch motivierende Wahrheit findet sich auch in einem Werk der Absoluten Beginner aus ihrer (Achtung!) Anfangszeit: „Ich bin Beginner, Mann. Irgendwas fang ich immer an.“ Die Jungs haben damals schon die Subversivität ihres Bandnamens dafür genutzt, sich von jeglicher Erwartung zu befreien. Beginner dürfen alles. Und genau diese Naivität, diesen naiven Jungen, gilt es sich zu bewahren. Druck raus, Flow rein. „Hör niemals auf anzufangen!“

Dieser Spruch eignet sich nicht nur gut als Wandtattoo über dem Futonbett, sondern auch als Smartphone-Bildschirmhintergrund aller Unternehmer*innen.

Ein Fachmagazin der Werbebranche bat mich vor zwei Jahren um ein Interview. Die Redakteurin wollte ein Porträt einer Newcomer-Agentur schreiben – elf Jahre nach unserer Gründung. Anfangs war ich verstört, wieso sie ausgerechnet uns dafür ausgewählt hatte. Inzwischen sehe ich dieses Interview als Meilenstein. Denn seitdem habe ich ein neues Ziel: Ich will jedes Jahr Newcomer des Jahres werden.

Freunde, die neue Ausgabe von BUSINESS PUNK ist da! Oh yeah! Wir haben uns umgesehen und festgestellt: Mag in der kommenden Rezession der freundliche New-Work-Coach mit seinen Ideen aus dem Meeting gelacht werden, das Green Biz hingegen ist mittlerweile zu weit fortgeschritten, als dass sich Konzerne und Startups erlauben könnten, auch in schweren wirtschaftlichen Zeiten Begriffe wie Sustainability oder Corporate Social Responsibility nicht ernsthaft zu besetzen. JETZT AUSGABE SICHERN!

Das könnte dich auch interessieren

Zwölf Frisuren, mit denen man im Call definitiv auffällt Random & Fun
Zwölf Frisuren, mit denen man im Call definitiv auffällt
Ihr seid mit euren Geschenken unzufrieden? Es geht noch schlimmer Random & Fun
Ihr seid mit euren Geschenken unzufrieden? Es geht noch schlimmer
Falsche Nummer bekommen? Zehn absurde Textnachrichten an Fremde Random & Fun
Falsche Nummer bekommen? Zehn absurde Textnachrichten an Fremde