Influencer*innen im Job: „Wir brauchen weniger Super-Women, sondern echte Vorbilder“

Mit Themen influencen

Um die Sichtbarkeit von Frauen zu erhöhen, könnten Unternehmen für Themen aus der Berufswelt einstehen, die für alle Arbeitnehmenden relevant sind, die aber durch Influencerinnen besetzt werden. „Es kommt immer häufiger vor, dass man für Unternehmen einzelne Köpfe sieht, die das Why hinter einem Unternehmen nach vorne bringen und die Unternehmenswerte verkörpern. Unter anderem durch Personal Branding werden Mitarbeiter*innen zu einem Sprachrohr des Unternehmens, mit dem man sich leicht identifizieren kann“, erklärt Mol-Wolf.

Katarzyna Mol-Wolf, Geschäftsführerin des Emotion-Verlags © Emotion Verlag

Influencer*in: Eine Aufgabe der CEOs?

Das Unternehmen nach außen hin zu repräsentieren, ist keine Aufgabe, die automatisch den CEOs, Gründer*innen oder Führungspositionen zugeschrieben wird. Viel mehr muss abgewogen werden, welche Person aus der Firma genügend Expertise über das Thema hat, mit dem man sich in der Öffentlichkeit repräsentieren möchte. Dennoch müssen gewisse Eigenschaften gegeben sein.

„Die Person muss auf jeden Fall kommunikationsstark sein und Lust auf Engagement haben. Das Thema, das man repräsentiert, sollte einem schon am Herzen liegen“, so Mol-Wolf. Denn nicht immer erhalte man positives Feedback. Je nach Angelegenheit müsse man auch mit einem Shitstorm rechnen.

Da man die eigene Persönlichkeit nach Außen trägt wird man auch angreifbar. Damit muss man umgehen können. Daher muss auch das Unternehmen abwägen, wer geeignet für die Influencer*innen-Rolle sein könnte.

„Frauen“-Themen sind auch „Männer“-Themen

Nicht immer sind Influencer*innen aber auch vom Unternehmen gesteuert. Natürlich kann man auch als Angestellte*r Plattformen nutzen, um seine Stimme für berufliche Themen zu erheben. Gerade darin liegt nämlich die Chance Belange, die vorwiegend Frauen betreffen, auf die öffentliche Agenda zu setzen und so in die Debattenkultur einzugreifen und durch verschiedene Perspektiven zu bereichern. Das betrifft Themen wie Rückkehr in den Job nach der Elternzeit, Karriere trotz Kind und Altersarmut.

Als Beispiel für eine starke Influencerinnen-Rolle mit einer hohen Engagementrate nennt Mol-Wolf Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft. Sie spricht auf verschiedenen Plattformen zu den Themen Vereinbarkeit von Job und Familie und New Work.

„Wichtige Wirtschaftsthemen, die oft als Männer-Themen angesehen werden, sind natürlich auch super wichtig für Frauen“, sagt Weber. Ihrer Meinung nach müssen Frauen selbstbewusster werden, sich in Diskussionen in der Öffentlichkeit einklinken und sich von dem Glauben verabschieden, auf jede Frage sofort eine Antwort parat haben zu müssen. „Wir bei Linkedin sind immer auf der Suche nach tollen Frauenstimmen. Wirtschaftsdebatten sollen nicht aussehen wie die Führungsetagen großer deutscher Konzerne, wo alle CEOs im DAX bis vor kurzem männlich waren.“

Echte Vorbilder, statt viele Super-Women

Weibliche Rollenvorbilder, die nicht zögerlich sind, und schnell bei Debatten mitmischen, indem sie beispielsweise Artikel veröffentlichen, sind da das A und O. Irgendwas zu schreiben, Hauptsache, man hat sich dazu geäußert, ist natürlich nicht drin. Laut Weber sei es wichtig, dass klar wird, warum man gerade über das Thema schreibt und warum ausgerechnet zu dem ausgewählten Zeitpunkt. „Man muss seinen Beitrag persönlich machen, damit andere sehen, dass es einen Grund gibt, warum man das schreibt und das Geschriebene nicht nur eine Plattitüde ist, die man irgendwo mal aufgegriffen hat und wiedergibt“, so Weber.

Das Schlüsselwort lautet hierfür wohl Authentizität. Viele Frauen hätten nach Mol-Wolf den ehrlichen Austausch untereinander gesucht. Kein Wunder, dass Frauennetzwerke wie Pilze aus dem Boden schießen. „Wir brauchen weniger Super-Women, sondern echte Vorbilder. Also weniger Frauen, die so tun, als wäre alles easy und super und anderen Frauen damit Angst machen. Sondern Frauen, die sagen, es geht, aber es ist auch manchmal verdammt anstrengend.“


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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