Investor Frank Thelen: „Sorry, aber Staatshilfe für Adidas – das geht doch gar nicht!“

Frank Thelen hat ein neues Buch über die Zukunft geschrieben. Gerade in der Krise, so seine These, müssen wir weiter in sie investieren. Deswegen stellt er vieles in Frage und regt sich auf – wie Staatshilfen oder „Blödsinnsdiskussionen“ über Tracing-Apps.

Frank Thelen kann sich schnell und leidenschaftlich aufregen, über Menschenmassen ohne Atemschutz, zu lange Schlangen vor IKEA nach dem Shutdown – oder auch den Crashpropheten Dirk Müller, der nun tönt, er habe alle vorhergesagt. Aber vor allem beschäftigt den Investor, ob Deutschland jetzt aufhört, über die Zukunft nachzudenken und weiter in sie zu investieren – und stattdessen Milliarden für womöglich falsche Rettungsaktionen ausgibt.

„Sorry, aber warum bekommt denn Adidas Kredite vom Staat?“, fragte Frank Thelen in dem Podcast „Die Stunde Null“ (Capital, stern, n-tv). „Warum müssen wir denn als Steuerzahler ein Unternehmen finanzieren, das 2019 zwei Milliarden Gewinn gemacht hat? Sorry, das geht doch gar nicht!“ sagte er. Man hätte Adidas „challengen“ müssen, dass sich das Unternehmen auf andere Weise Geld besorgt. Das müsse er auch, wenn er leichtsinnig gewesen sei. Auch auf mögliche Staatshilfen für die Lufthansa kam er zu sprechen – wenngleich er bekannte, kein Luftfahrtexperte zu sein. „Aber wir müssen uns jetzt die Frage stellen: Investieren wir zehn Milliarden in die Lufthansa oder vielleicht auch mal zehn Milliarden in ein deutsches Softwarecluster?“

Der Capital-Podcast „Die Stunde Null – Deutschlands Weg aus der Krise“ mit Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar stellt essentielle Fragen an die Menschen, die durch die Krise steuern: Unternehmern, Wissenschaftlern, Managern, Philosophen und Ökonomen.

Auch in dieser Krise will Frank Thelen sich nicht unterkriegen lassen – und er ruft dazu auf, trotz der Corona-Krise weiter in Zukunftstechnologien zu investieren. „Wir haben die größte Dealpipeline überhaupt“, sagte der Investor in dem Podcast. Er glaube weiter an die „großen technologischen Sprünge“, Künstliche Intelligenz oder 3-D Druck bringen. „Deshalb geben wir Vollgas.“ Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass seine 2017 gegründete Gesellschaft Freigeist in das bulgarische Space-Startup Endurosat investiert – mit der größten Summe, die Freigeist bisher locker gemacht hat.

Seit einigen Jahren ist Frank Thelen, der lange Jahre einer der Investoren in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ war, mit einer großen Mission unterwegs: Er möchte ein Bewusstsein schaffen für Technologien wie Robotik, Quantencomputing oder Blockchain, und dass Deutschland und Europa den Anschluss nicht verpassen. Diese Mission ist natürlich nicht ganz selbstlos, weil Thelen just in solche Technologien investiert. Aber es ging ihm immer mehr als um ein Portfolio, sondern immer auch um die Zukunft an sich – und darum hat er jetzt ein neues Buch geschrieben, es heißt „10X DNA – Das Mindset der Zukunft

Hat er die Befürchtung, dass dieses Buch mit seinen Disruptionsthesen mitten in der Krise nicht untergeht? Nein, sagt Thelen, die Umwälzungen, die uns diese Technologien brächten, seien nachhaltiger und wesentlich tiefgreifender.Natürlich ist Covid sehr dramatisch, das Virus hat unser Leben stark beeinträchtigt – und das möchte ich auf keinen Fall klein reden“, sagte Thelen. Und wenn jemand andere Sorgen habe, habe er dafür Verständnis. Man müsste aber immer einen kleinen Schritt zurücktreten und weiter nachdenken, wann „das Orchester dieser Technologien anfängt zu spielen“.

Das komplette Interview hört ihr in der neuen Folge von „Die Stunde Null – Deutschlands Weg aus der Krise“.


Business Punk Redaktion

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