Das Startup „Legendary Vish“ arbeitet an pflanzlichem Lachs aus dem 3D-Drucker

Während uns Fleischersatzprodukte im Supermarkt mittlerweile aus jedem Kühlregal entgegen springen und einen regelrechten Wirtschaftsboom erleben, sieht die Lage bei planzenbasiertem „Fisch“ noch ziemlich dünn aus.

Das Startup „Legendary Vish“ möchte das ändern. Die drei jungen Wissenschaftler*innen produzieren ein pflanzliches Lachs-Imitat. Hergestellt wird das Produkt mit einem 3D-Drucker. Im Interview spricht CEO Robin Simsa über Lebensmitteldruck und erklärt, wie ihr „Legendary Vish“ entsteht.

Robin, was fasziniert dich an 3D-Bioprinting?

3D-Food-Printing erlaubt die flexible Produktion von neuen Produkten, die es so noch nicht am Markt gibt. Man denke an pflanzenbasierte Fisch-Fillets oder Steaks. Nicht nur die Wiedergabe von herkömmlichen Formen sind denkbar, sondern auch völlig neue Produkte. Etwa spiralförmige Sushi-Stücke oder „personalisierte“ Produkte, zum Beispiel der Name einer Person essbar ausgedruckt. 

©„Legendary Vish“

Wieso ausgerechnet Lachs?

Lachs ist der Fisch, der am zweithäufigsten gegessen wird. Leider wird er unter umwelt- und gesundheitsbedenklichen Bedingungen hergestellt. Da wären zum Beispiel der Einsatz von Antibiotika und Wachstumshormonen in der Aquakultur oder die Akkumulierung von Mikroplastik und Schwermetallen im Fleisch von Fisch. Unsere Produkte richten sich an Konsumierende, die nicht auf den tollen Geschmack von Lachs verzichten wollen, jedoch ohne die Umweltproblematik und gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe.

Bei welcher Brainstormingaktion seid ihr auf den Namen gekommen?

Legendärer Geschmack, in einem veganen „Vish“.

Was ist eure Motivation?

Bisher werden Fleisch und Fisch auf eine völlig nicht-nachhaltige Weise produziert. Hier muss sich schnell etwas ändern, wenn wir in 50 Jahren nicht auf einem leeren und kaum mehr bewohnbaren Planeten leben wollen.

Wie entsteht euer Produkt genau?

Die Inhaltsstoffe sind ähnlich wie bei den klassischen Veggi“ Burgern, jedoch erlaubt unser Produktionsverfahren die feine Strukturierung, wie sie zum Beispiel bei einem Lachsfillet vorkommt. Dies wird mit 3D-Food-Printern erreicht, die genau die Formen nachdrucken, die wir im Computer designt haben.

©„Legendary Vish“

Wie nahrhaft ist euer „Vish“?

Der Nährwert unserer Produkte ist uns wichtig. Sie haben nicht nur einen hohen Proteingehalt, sondern geben auch den Vitamingehalt und den Omega-3-Fettsäuregehalt von konventionellem Fisch wieder.

Die Vorstellung, dass unser Essen aus dem 3D-Drucker kommt, hat schon noch irgendwie etwas von einem SciFi-Film: Ist die Gesellschaft überhaupt schon so weit euer Produkt anzunehmen?

Bestimmt. Wir arbeiten mit hoher Transparenz und freuen uns, den Menschen mehr über den 3D-Lebensmitteldruck zu erklären. Dahinter verbirgt sich keine „Hexerei“. Vielmehr werden Verfahren einfach anders angewandt, die schon seit Jahrzehnten in der Lebensmittelproduktion zum Einsatz kommen.

Das unterscheidet uns von den klassischen Fleischproduzenten, die mit hohen Sicherheitsauflagen unbedingt verhindern wollen, dass Menschen Bilder oder Videos von den unnatürlichen Bedingungen in einem Schlachthof machen können. Das steht weiter unter hohen Strafen, um die Fleischproduzenten bei ihrer Praxis zu schützen. Zu uns ist jedoch jeder eingeladen, der mehr über unsere Produktionsmethoden erfahren will.

Fleischersatzprodukte wie Veggie-Wurst erleben derzeit einen Boom in den Läden. Seht ihr für Plantbased-Fisch auch so einen großen Markt?

Absolut. Der Markt für pflanzenbasierten Fisch wächst gerade stark, da hier viele Menschen nach einer nachhaltigeren und gesünderen Alternative suchen.

Wann wird euer Produkt zu kaufen sein?

Ab 2022 wollen wir den Markt für pflanzenbasierten Fisch erobern.

Was denkst du: Wie werden nachkommende Generationen reagieren, wenn sie erfahren, dass unsereins Fisch oder Fleisch von echten Tieren gegessen hat?

Hoffentlich mit Unverständniss, da pflanzenbasierte oder zellbasierte Produkte schon deutlich besser und gesünder sein werden als tierisches Fleisch.

Was steht bei euch in naher Zukunft an?

Die Entwicklung unseres Prototyps für Lachs-Sushi.

Was ist das erste Gericht, das du dir mit eurem Produkt zubereiten wirst? 

Lachs-Sushi und Räucherlachs-Streifen.


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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