Verkehrsbetriebe in Schweden verteilen Stoffbeutel, um Nachbarsitze freizuhalten

Wer mit den Öffis unterwegs ist und seinen Rucksack zum Sitznachbarn macht, muss den Platz beim ersten verstohlenen Blick freimachen – das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Man will ja nicht arschig sein.

Zu Coronazeiten ist das anders. Es gelten Abstandsregeln. Da kann es unangenehm werden, wenn eine Person das missachtet. Schnell kommt man in Erklärungsnot, dass sie so zu weit in die eigene Komfortzone vorrückt. Vorausgesetzt, man traut sich überhaupt etwas dagegen zu sagen.

Gimmick für mehr Sicherheit

Die schwedische Agentur Forsman & Bodenfors hat sich mit dem Verkehrsverbund Västtrafik etwas einfallen lassen, um solche Situationen in den Öffentlichen angenehmer zu gestalten: eine Stofftasche namens „No Douche Bag“.

Was das soll? Auf der Tasche steht übersetzt, dass man liebend gerne neben der Person sitzen wollen würde, nur nicht jetzt. Danach folgt ein „Danke fürs Abstandhalten“. Sie zeigt, dass man gerne jemanden den Platz anbieten würde, dies aber riskant sei – für einen selbst, aber auch für andere.

Bisher wurden 1.000 dieser Stofftaschen in Gothenburg am Hauptbahnhof umsonst verteilt. Mehr sollen folgen.

Erinnerung an Eigenverantwortung

Der Umgang mit dem Coronavirus in Schweden war im Sommer Gegenstand medialer Diskurse, da es dort keine Maskenpflicht gibt. Es wird hingegen stark an die Eigenverantwortung der Bewohner*innen appelliert. Das ist auch der Grund für die Aktion mit den Stofftaschen.

„Diese einfache Erinnerung ist eine weitere Möglichkeit, jede*n zur Eigenverantwortung zu ermutigen, die das Fundament der schwedischen Strategie bildet. Mit dieser Tasche wollen wir unsere Reisenden daran erinnern, dass wir weiterhin Abstand halten müssen“, sagt Lars Backström, CEO von Västtrafik, gegenüber Adweek.

Das ist doch mal ein sinnvoller Marketing-Move der Verkehrsbetriebe, der beim Fahren mit den Öffentlichen hoffentlich für mehr Sicherheitsgefühl sorgt.


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