Green & Sustainability Das Startup Wundertree liefert Weihnachtsbäume aus und pflanzt sie nach dem Fest wieder ein

Das Startup Wundertree liefert Weihnachtsbäume aus und pflanzt sie nach dem Fest wieder ein

Der Weihnachtsbaum zur Adventszeit ist in vielen Haushalten ein Eyecatcher. Ihn zu schmücken, gehört zur Tradition. Von schlicht elegant bis hin zu überladen kitschig, Jahr für Jahr erstrahlt er in unterschiedlichen Variationen.

Und nach Weihnachten? Klingen die Lobgesänge à la „Oh Tannenbaum“ rapide ab. Was viele wahrscheinlich nicht wissen, in der dritten Strophe heißt es in dem Lied: „Dein Kleid will mich was lehren: Die Hoffnung und Beständigkeit.“ Beständig ist allerdings nichts daran, wenn der Weihnachtsbaum nach dem Fest auf die Straße gesetzt wird und anschließend im Müll landet.

Gut für die Umwelt, gut für den Baum

Das Startup Wundertree aus Berlin zeigt: Der Umgang mit Tannen geht auch nachhaltig. Das Prinzip dahinter ist simpel. Man kann online einen Baum im Topf bestellen, Wundertree liefert ihn aus, holt ihn nach Weihnachten ab und pflanzt ihn anschließend in Brandenburg im Wald ein.

Im Rahmen eines Waldumbauprojekts werden die Bäume strategisch mit anderen heimischen Arten wieder eingepflanzt. Deswegen setzt das Startup auf die Eiche. Ziel von Wundertree ist es, ein Ökosystem zu schaffen, in dem Flora und Fauna ein neues Zuhause finden – The Circle of Life.

Wie das Startup auf die Idee gekommen ist? Durch den Klimawandel. „Mir wurde schnell klar, dass es an zwei Fronten Arbeit gibt: Reduzierung der Emissionen, aber auch die Extraktion des Kohlenstoffs, der bereits in der Atmosphäre ist. Technologie kann viel, aber Bäume sind ein leistungsstarker und erprobter Weg, um Emissionen zu reduzieren“, sagt Andrew Green, Co-Gründer von Wundertree und Mitbegründer der Greentech Alliance.

„Die Schaffung vielfältiger Wälder ist nicht nur wichtig, um die Luft zu reinigen und CO2 zu reduzieren, sondern auch, um die Wälder widerstandsfähiger gegen weitere Klimaveränderungen zu machen.“

Milan Hänsel (links) und Andrew Green (rechts) von Wundertree. ©Wundertree

Dass Weihnachten ein Fest des Konsums ist, dürfte klar sein. Die Verschwendung der Tannen ist offensichtlich, der Preis den die Umwelt dafür zahlt, nicht. Green sagt: „Was die Weihnachtsbäume betrifft, so werden in Deutschland jedes Jahr etwa 30 Millionen Bäume gefällt, in Haushalten aufgestellt und der Großteil danach eingesammelt und verbrannt. Dabei entstehen etwa 300.000 Tonnen CO2-Emissionen. Das entspricht in etwa dem gesamten CO2-Fußabdruck von 20.000 deutschen Bürger*innen in einem Jahr.“

Damit die Bäume weiterleben

Es muss diesbezüglich also etwas getan werden. Klar kann man sich auch selbst einen Baum im Topf kaufen und ihn nach Weihnachten im eigenen Garten wieder einpflanzen. Nur dürfte da irgendwann der Platz ausgehen. Sie eigenhändig in Parks oder Wäldern wieder in die Erde zu buddeln, ist ohne Erlaubnis in Deutschland nicht möglich.

Greens Geschäftspartner, Milan Hänsel, ist Förster und hat Waldökologie studiert. Er ist der Experte im Team und weiß, wie man die Überlebenschancen der Bäume erhöht. Die Wundertrees werden erst gepflanzt, wenn sie sich an das kühlere Wetter in einem Lagerort akklimatisiert haben. Dann kommen sie an Standorte mit günstigen Boden- und Lichtverhältnissen. Zäune halten Rehe davon ab, die Bäume zu fressen. Das Team von Wundertree verwaltet den Wald das ganze Jahr über. Kund*innen werden über die Ergebnisse auf dem Laufenden gehalten.

Ein rundum nachhaltiger Service

Um auch die Lieferung und Abholung der Weihnachtsbäume möglichst nachhaltig zu gestalten, ist Wundertree dieses Jahr eine Kooperation mit der Mercedes-Benz Niederlassung Berlin eingegangen. Das Automobilunternehmen hat nämlich neue E-Sprinter auf den Markt gebracht. Green hat sich anschließend um eine Kooperation bemüht – mit Erfolg. Die Transporter werden mit erneuerbarer Energien betrieben. Die Logistik von Wundertree bleibt in diesem Jahr somit emissionsfrei.

©Robert Lehmann

„Hinzu kommt, dass unsere Bäume 100 Prozent weniger Emissionen haben als ein gefällter Baum, der dann tot ist und verbrannt wird. Wir sind also bereits auf einem guten Weg zu einem komplett nachhaltigen Unternehmen“, sagt Green.

So wird Weihnachten nachhaltiger

Die Nachfrage der Wundertrees ist hoch und spiegelt sich auch in den Zahlen des Startups wieder. War Wundertree letztes Jahr noch ein Pilotprojekt mit 200 Menschen aus Berlin, kann das Startup dieses Jahr 2000 Kund*innen zählen. Was diese 2000 Bäume bewirken? „Sie haben das Potenzial, ein Viertel des CO2 zu absorbieren, das von den 400.000 gefällten toten Weihnachtsbäumen freigesetzt wird, die dieses Jahr in Berlin aufgestellt werden“, erklärt Green. Für nächstes Jahr plant das Startup in weitere deutsche Städte zu expandieren und um das Zehnfache zu wachsen.

Was man noch aktiv tun kann, um das Weihnachtsfest nachhaltiger zu gestalten? Green hat da drei Tipps. Erstens: vegane Gerichte. Zweitens: Weniger kaufen, dafür aber qualitativ hochwertig. Und drittens: „Sagt nein zu Plastik und bastelt eure eigene Deko. Wenn ihr das im Voraus zusammen mit eurer Familie oder Freund*innen macht, entstehen bestimmt tolle Erinnerungen.“

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