Female Entrepreneurship Diese zwei Gründerinnen mischen den Intimate Wellness-Markt auf

Diese zwei Gründerinnen mischen den Intimate Wellness-Markt auf

Bei Intimate Wellness geht es um Wohlbefinden und Wohltuendes im Bezug auf den eigenen Körper beziehungsweise Intimbereich. Dazu gehört auch Aufklärung und Gesundheit. Zwei Gründerinnen aus Berlin wollen diesen Bereich aufmischen und haben viel vor.

Anna Kössel und Katharina Trebitsch haben nevernot gegründet – ein Startup, das als erstes Produkt Softtampons herstellt. Das sind Menstruationsschwämmchen ohne Rückholbändchen, die man ihren Worten zufolge für „Sex, Spa und Sport“ verwenden kann. Was sie neben buntem Packaging und der Funktionalität so besonders macht? Sie richten sich nicht nur an Frauen, sondern an alle Menstruierenden. Im Interview haben die beiden verraten, wie es war, während Corona zu gründen und welche Tipps sie für zukünftige Gründer*innen haben.

Woher kam die Idee, ein Startup für Softtampons zu gründen? 

Katharina: Not macht neugierig. Ich habe mir vor einigen Jahren die Frage gestellt: Was macht eine Pornodarstellerin oder Prostituierte während ihrer Periode? Eine Woche Arbeitsausfall im Monat ist da nicht drin. So bin ich auf Softtampons gestoßen und war begeistert vom Produkt. Aber auch verwundert, dass kaum jemand sie kennt und wie unansprechend sie vertrieben werden. Fast ohne Aufklärung zur Anwendung und mit einem Branding, das meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß ist. Da entstand die Idee und die Suche nach der perfekten Partnerin. Zum Glück sind Anna und ich uns ein paar Jahre später über den Weg gelaufen.

Anna: Als Katha mir von Softtampons erzählt hat, wusste ich auch nicht, was das ist. Aber nachdem ich mich nur kurz damit beschäftigt habe und gesehen habe wie viele Vorteile sie auch außerhalb des Schlafzimmers mit sich bringen, musste sie mich nicht mehr überzeugen. Man merkt einfach nicht, dass man einen Tampon verwendet. Egal, ob beim Sport oder auf dem Sofa. Cups, Binden, Baumwolltampons – vom Tragekomfort kenne ich kein besseres Produkt. Wir wollen, dass alle Menstruierenden das herausfinden. Denn bisher ist das hauptsächlich unter Profi-Sportler*innen und in der Sexindustrie bekannt. 

Was war euch dabei besonders wichtig?

Katharina: Inklusive Kommunikation von Tag eins. nevernot ist eine Brand für alle Menstruierenden und nicht nur für Frauen. Unsere zehnteilige Launch-Kampagne besteht aus diversen Charakteren, einer von ihnen ist ein Transmann. 2021 sollte das selbstverständlich sein, nicht nur alle Menschen zu respektieren, sondern ihnen auch eine Plattform zu geben, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Wir sind seit einem Jahr online auf Instagram und stolz darauf, wie divers und liebevoll unsere Community ist.  

Anna: Nicht den Humor verlieren. Feminismus, Diversity, Menstruation oder Sex Positvity gehören zu unserer Identität und die ernsthafte Auseinandersetzung damit ist unsere Pflicht. Aber auch Ringelnatz sagte schon: Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt. 

Ihr habt während Corona gegründet – was war dadurch noch schwerer und was ging vielleicht sogar leichter? 

Anna: Wir sind eben nicht so flexibel, was Meetings und Reisen betrifft, wie es vor Corona der Fall war. Und diese allgemeine Unsicherheit ist natürlich in vielen Bereichen belastend. Aber wir sind absolut überzeugt von nevernot und auch in der Krise wird menstruiert. Außerdem sind wir als Team sehr kreativ was Problemlösungen angeht und haben es bisher immer wieder geschafft, schwierige Situationen in Chancen zu verwandeln. Das hat sicherlich auch mit einem gesunden Optimismus zu tun, den mal als Gründer*in einfach braucht. Trotzdem erleben wir natürlich täglich, was die Pandemie für die meisten Menschen bedeutet. Viele unserer Freund*innen kommen aus der Gastronomie oder haben Schwierigkeiten den Spagat zwischen Homeschooling und Homeoffice zu meistern. Wir sind sehr dankbar, dass wir trotz Krise positiv in die Zukunft schauen.

Bis jetzt scheint das Feedback auf eure Softtampons extrem gut zu sein. Was hofft und plant ihr für die Zukunft? 

Katharina: Wir sind unglaublich dankbar und überrascht über das großartige Feedback, dass wir zu nevernot erhalten und hoffen, dass das so bleibt. Denn entgegen vieler Erwartungen, ist es nicht unser Ziel den Tampon-Markt auf den Kopf zu stellen.

Anna: Das haben andere Firmen bereits großartig gemacht. Wir haben einige Produkte in der Pipeline, die mit dem Thema Menstruation absolut nichts zu tun haben.

Welchen Tipp habt ihr für zukünftige Gründer*innen, der euch am Anfang auch geholfen hätte? 

Katharina: Fehler gehören zum Gründen. Wir machen sie täglich, aber sie bringen uns weiter. Lieber eine Entscheidung treffen, die man korrigiert, als auf der Stelle stehen bleiben. 

Anna: Genau, einfach machen und nicht zu viel zögern. Angst ist ein schlechter Berater. Ein gutes Beispiel ist das Thema Nachhaltigkeit. Wir haben Monate damit verbracht, um herauszufinden, wie wir den Softtampon biologisch abbaubar machen können. Das ist derzeit wirklich schwierig. Aber anstatt die Gründung immer weiter nach hinten zu schieben, haben wir uns entschlossen zu launchen und auf dem Weg weiter zu forschen, wie wir unsere Produkte ökologischer machen können. Das war auch im Nachhinein die richtige Entscheidung. 

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