Personal Finance Kolumne: Was Europa China bei Krypto voraushat

Kolumne: Was Europa China bei Krypto voraushat

von Philipp Sandner

China zieht die Zügel bei der Regulierung an. Das hatte auch die Kurse der Kryptowährungen absacken lassen. Kolumnist Philipp Sandner lobt stattdessen die europäische Lösung.

Ende September ging es bei Bitcoin deutlich abwärts. Was war passiert?

China hat Transaktionen mit Kryptowährung komplett verboten. Die exakte Auslegung dieses Verbots muss man noch analysieren, aber man kann davon ausgehen, dass China damit Bitcoin und Co vermutlich unter ein Generalverbot stellt. China war in den letzten Jahren für den Betrieb des Bitcoin-Netzwerks ein wichtiges Land.

Daher haben sich bei dieser Ankündigung sicherlich viele Bitcoin-Besitzer erschreckt, sie haben ihre Bestände verkauft. So kam es zu dem Abrutsch um bis zu acht Prozent. Inzwischen hat sich gezeigt, dass die Ankündigung zwar für chinesische Besitzer von Kryptowährungen tatsächlich schädlich ist. Die Kryptomärkte haben sich aber an den Tagen nach der Ankündigung schnell wieder beruhigt. Jetzt sind Transaktionen von Kryptowährungen in China eben verboten.

Hat China im Frühsommer nicht auch schon das Mining von Bitcoins verboten?

Im Frühsommer hatte China das industrielle Mining von Bitcoins verboten. Dabei handelte es sich um große Rechenzentren, die einen Großteil der Rechenkapazität des Bitcoin-Netzwerks bereitstellten. Natürlich verbrauchten die viel Strom. Sie wurden verboten. Dem Netzwerk hat das aber nicht geschadet. Obwohl die Rechenkapazität teils fast halbiert wurde, zeigte sich das Netzwerk sehr resilient und rechnete einfach weiter.

Inzwischen weiß man, dass diese Mining-Anlagen an anderen Orten der Welt wieder auftauchen. Zum Beispiel in Osteuropa oder Südamerika. Bitcoin ist eben dezentral, sodass die Rechner im Netzwerk einfach weiterrechnen und unbeschadet Transaktionen durchführen. Eigentlich ein Meisterwerk der Technik.

Kryptowährung
Philipp Sandner, der Wirtschaftswissenschaftler und Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, ordnet für Business Punk alle zwei Monate die Lage am Kryptomarkt ein.

Wenn China Transaktionen von Kryptowährung verbietet, was werden dann andere Länder machen?

Während in China in der Tat viele Bereiche rund um Kryptowährungen nun verboten sind, erleben wir hier in Europa einen neutralen bis leicht progressiven Staat: In Deutschland hat die Bundesregierung vor mehr als anderthalb Jahren bereits die sogenannten „Kryptoverwahrregeln“ eingeführt. Danach ist es Banken und Börsen erlaubt, Bitcoins für Dritte zu verwahren. Jetzt in 2021 zeigt sich, dass erste Banken dieses Gesetz zu nutzen beginnen, indem sie für ihre Kunden entsprechende Kryptodienstleistungen aufsetzen.

Weiterhin wurde hierzulande das „Fondsstandortgesetz“ erlassen, wonach bestimmte Fonds aus Deutschland nun bis zu 20 Prozent ihrer Mittel in Kryptowährungen investieren dürfen. Das ist fast schon revolutionär. Wir sehen in Deutschland also zahlreiche Gesetze, die recht genau regeln, wie mit Kryptowährungen umgegangen werden soll. Natürlich werden kriminelle Machenschaften untersagt und geahndet; so auch Steuerbetrug.

Aber ansonsten ist es jedem in Deutschland erlaubt, mit Kryptowährungen zu hantieren – ja sogar unterstützt von diversen Gesetzen, die einen guten Anlegerschutz bieten. Kryptobörsen wie Coinbase, die Börse Stuttgart mit Bison und Nuri unterliegen alle der Bafin-Regulierung. Zusammengefasst gilt also: Es ist quasi das Gegenteil der Situation in China.

Und andere Länder in Europa?

Die haben einen ähnlichen Ansatz. Bitcoin und Kryptowährungen werden grundsätzlich erlaubt, aber natürlich werden bestimmte Machenschaften unterbunden – wie etwa Steuerbetrug oder Geldwäsche. Damit können sich Kryptowährungen in Europa zunehmend verbreiten. In Spanien ist zu erkennen, dass bereits drei Prozent der Bevölkerung Kryptowährungen besitzen. In Deutschland sind es vermutlich noch unter zwei Prozent. Spannend wird auch das kommende Jahr.

Dann tritt die sogenannte MiCA-Regulierung in Kraft. Sie wird Kryptofragen für alle EU-Bürger einheitlich regeln. Während im Finanzbereich und anderswo in der EU noch Flickenteppiche von Regeln existieren, wird der Bereich der Kryptowährungen vereinheitlicht. Auch das ist beeindruckend. Übrigens: Weder bei der Europäischen Kommission noch in Berliner Ministerien oder anderen deutschen Behörden steht ein Generalverbot von Kryptowährungen auf der Agenda. Bemerkenswert, angesichts der Geschehnisse in China.

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