Innovation & Future Fünf Zukunftsthemen zum Thema Health-Tech in 2022

Fünf Zukunftsthemen zum Thema Health-Tech in 2022

Ein Gastbeitrag von Christian Weiss, Gründer von Heal Capital

Health-Tech ist heute da angekommen, wo Fintech noch vor fünf Jahren stand. Riesen wie Google und Apple investieren massiv in die Branche. Höchste Zeit, dass auch der deutsche Markt aufwacht. Welche fünf Themen in Zukunft eine Rolle spielen? Die hier:

Longevity: Länger leben

Können wir das Altern hacken? Die Forschung weiß zumindest immer mehr, was ein langes und gesundes Leben ausmacht. Ob Genanalysen oder das Monitoren von altersbedingten Krankheiten – das Feld ist weit und entwickelt sich rasant. Peter Diamandis, Mitbegründer der Singularity University, geht deswegen davon aus, dass wir bald über 120 Jahre alt werden. Da stellt sich die Frage: Sind wir wirklich so alt, wie es in unserem Ausweis steht?

Mental Health im Mittelpunkt

Die schlechte Nachricht vorweg: Das Stigma rund um Mental Health ist auch 2021 noch nicht verschwunden. Nächster Dämpfer: Bisher reagiert das Gesundheitssystem erst, wenn wir schon krank sind. Zu spät also. Dabei würde es viel Zeit und Geld sparen, wenn wir erst gar nicht krank werden. Wer hat aber Lust, sich um ein Problem zu kümmern, das es noch gar nicht gibt? Digitale Lösungen bieten hier einen niederschwelligen Zugang – vor allem im Bereich Mental Health. Das ist in Corona und Lockdown-Zeiten besonders wichtig. Helfen lassen können sich Betroffene auch auf der Couch zu Hause: Verschiedene Anbieter:innen bieten online Hilfe bei Depressionen, bis ein Offline-Therapieplatz verfügbar ist. Auch für Arbeitgeber:innen gibt es entsprechende Lösungen an ihren Mitarbeiter:innen “Mental Well-Being” Angebote zur Verfügung zu stellen. 

Direct-to-Consumer-Plattformen: Die Arztpraxis der Zukunft ist online

Hier hat Corona die Entwicklung auch ordentlich angefeuert: Was sollen wir tun, wenn wir nicht zum Arzt können? Oder es schlicht keinen Arzt in der Nähe gibt? Das ist besonders auf dem Land ein Problem. Die Telemedizin will solche räumlichen – aber auch zeitlichen – Distanzen überbrücken. Hier knüpfen sogenannte VIMPROS (Vertically Integrated Micro Providers) an.

Eingesetzt wird die Technologie bereits beispielsweise in der Dermatologie – von der Diagnose bis zur Therapie – um etwa Akne zu behandeln. Die Ärzt:innen erfassen den Behandlungserfolg digital und optimieren ihn fortlaufend. Auch bei chronischen Erkrankungen kann Telemedzin den Alltag erleichtern. Der Vorteil: Es gibt eine geringe Hemmschwelle das Angebot zu nutzen, der Gang zum Arzt und lange Wartezeiten entfallen.

KI für Diagnosen

“Es ist nicht Lupus.” Stellt euch Diagnose-Genie Dr. House als Computer vor. Genau wie der TV-Arzt kann künstliche Intelligenz (KI) Krankheiten schnell erkennen und Diagnosen samt Behandlungen genau abstimmen. In vielen Bereichen hat KI schon Einzug erhalten. Durch konkrete Health-Tech-Anwendungen kann sie Leben retten. Eine große Rolle spielt da zum Beispiel, dass man direkt den richtigen Arzt findet. Auch hier erleichtern Unternehmen bereits mit Symptom-Checkern die Vordiagnose (geeignet vor allem für alle Dr. Google Fans) und unterstützen bei der Weiterleitung von Patient:innen an die richtigen medizinischen Einrichtungen.  

Digitalisierung der Pflege

Wir haben ein Problem: Bis 2030 werden Schätzungen zufolge weitere 500.000 Menschen auf Pflege angewiesen sein. Dazu kommt, dass der Pflegeberuf nicht gerade beliebter wird. Lösungen, die die Arbeit der Pflegenden leichter machen, sind also dringend notwendig. 

Health-Tech Unternehmen verwenden Machine Learning-Algorithmen, die Risiken wie Fehldosierungen bei Medikationsplänen von Patient:innen erkennen. Das ist besonders dann wichtig, wenn Pflegebedürftige mehrere Medikamente auf einmal einnehmen. Außerdem kommen Pflegeberater:innen zu Hause vorbei, um die Versorgung zu überprüfen und Pfleger:innen zu schulen. So können sie auch die nötigen Daten erheben, um die Verpflegung zu optimieren.

Schlank, einfach, digital: Das ist die neue Vision des Gesundheitssystems. So wird es auch den Anforderungen gerecht, die die Corona-Pandemie an uns stellt. Sicher ist, dass das System sich in den nächsten Jahren weiter stark verändern wird. In welche Richtung, zeigen die Finanzierungen von Startups schon jetzt.

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