Green & Sustainability Der Veggie-Pionier aus  Nigeria hat eine Klima-Mission

Der Veggie-Pionier aus Nigeria hat eine Klima-Mission

Text: Jonas Gerding

Als Hakeem Jimo in Nigeria, dem Heimatland seines Vaters, ein Startup für veganen Fleischersatz gründete, merkte er, wie abseitig sein Vorhaben auf andere wirken dürfte. Denn das zweite Investment stand an. Keine große Summe, aber schon ein wichtiger Schritt für Veggie Victory, seine Firma – zumal Ryan Bethencourt angebissen hatte, Gründer der US-amerikanischen Hundefuttermarke Wild Earth. „Ein echter Rockstar der veganen Szene“, wie Jimo es formuliert. Und gerade der wollte Jimo Geld geben – dafür, dass er aus seinem veganen Restaurant einen Hersteller veganer Ersatzprodukte für traditionelle nigerianische Zutaten entwickelt. Nur: Das Geld kam erst mal nicht bei Jimo an.

„Wer überweist schon Geld nach Nigeria?“, fragt Jimo, 50, groß, schlank, kurz geschorene Haare, schwarzes Shirt. „Als Ryan das gemacht hat, hat sich erst mal die Bank gemeldet und wollte das Konto sperren, weil sie dachten, er …“ – vor lauter Lachen bringt Jimo den Satz nicht zu Ende.

Bethencourt vervollständigt später die Anekdote: „Sie dachten, ich wäre auf einen Scam hereingefallen: auf den berüchtigten nigerianischen Prinzen!“

Ein neues Unternehmen zu gründen ist immer ein Wagnis, klar, umso mehr, wenn die Branche wie im Falle von veganem Fleischersatz so jung wie volatil ist. Und wenn man dann, wie Jimo, dieses Wagnis auch noch in Nigeria eingeht, dann hat man meist beides: die Chance und das Risiko, den Spielraum und die Probleme.

Gegen eine scheinbar universelle Korrelation

Jimos Vision war so simpel wie ambitioniert, nicht nur für Bethencourt: Er wollte mit Veggie Victory eine Korrelation außer Kraft setzen, wie sie Ökonom:innen überall auf der Welt beobachteten – dass nämlich der Fleischkonsum mit wachsendem Wohlstand zunächst einmal massiv ansteigt.

Konkret bedeutet das: Im Jahr 2050 werden allein in Nigeria voraussichtlich 400 Millionen Menschen leben, mehr als doppelt so viele wie heute. Das Bruttoinlandsprodukt könnte sich dabei auf etwas mehr als 7 000 Dollar pro Kopf verdreifachen. Das wiederum würde den Fleischkonsum vervielfachen, Grünflächen vernichten, sie in Acker und Weideland verwandeln, den CO₂-Ausstoß durch die Tiere erhöhen, ihnen ein vermutlich nicht gerade angenehmes Leben bescheren und Menschen die Gesundheit ruinieren, fürchtet Jimo: „Das, was sie im Westen in Sachen Fleischkonsum zu verringern versuchen, wird mit dem Anstieg woanders doppelt und dreifach wieder wettgemacht.“

Für Jimo ist die Frage, ob sich das verhindern lässt, letztlich eine Frage der Innovation. „Wir müssen das leapfroggen“, sagt Jimo. So wie in Ländern wie Nigeria und Kenia das Festnetztelefon schlicht – wie durch einen Froschhüpfer – übersprungen wurde und die Menschen direkt Mobiltelefone nutzen, müsse auch der Ernährungsmarkt einen Sprung machen. „Wir dürfen gar nicht erst auf Fleisch setzen“, sagt Jimo. „Wir müssen den Proteinbedarf gleich über andere Quellen decken.“

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