Productivity & New Work Mit Sexappeal und Stil: wie eine Agentur ihre Mitarbeiter:innen aus dem Homeoffice zurückgewinnen will

Mit Sexappeal und Stil: wie eine Agentur ihre Mitarbeiter:innen aus dem Homeoffice zurückgewinnen will

Ein Gastbeitrag von Thorsten Beckmann, Geschäftsführer der internationalen Kommunikationsagentur ACHTUNG!

Mit dem Ende der Homeoffice-Pflicht stehen Unternehmen vor vielen Fragen: Wie arbeiten wir weiter – hybrid oder in Vollpräsenz? Und wie gewinne ich Mitarbeitende zurück, die das Arbeiten in den eigenen vier Wänden schätzen gelernt haben und nun dem Büro vorziehen?

Dreiviertel aller Führungskräfte wünschen sich wieder überwiegend Präsenz im Büro, fast die Hälfte sogar ausschließlich (Quelle: The Future Form). Sie versprechen sich davon mehr Produktivität, soziale Einbindung von Mitarbeitenden, mehr Zusammenhalt im Team, den Nutzen spontaner Treffen und persönlicher Begegnungen.

Doch längst nicht jede:r Mitarbeitende ist gewillt, die Freiheit und Flexibilität heimischen Arbeitens aufzugeben. Ein Schlüssel zur Motivation für die Rückkehr in den Schoß des Unternehmens ist deshalb die Attraktivität des Arbeitsplatzes.

Ein großartiges Arbeitsplatzerlebnis beflügelt Präsenzbereitschaft und Kreativität

Das Gensler Forschungsinstitut fand bei seiner Arbeitsplatzumfrage unter den leistungsstärksten Unternehmen in den USA im vergangenen Sommer heraus: Wenn Unternehmen ein großartiges Arbeitsplatzerlebnis bieten, das die Kultur ihrer Organisation und ihrer Mitarbeitenden zum Ausdruck bringt, dann treibt das nicht nur Kreativität und Innovation voran, sondern ist ein überzeugendes Argument für die Belegschaft, um bevorzugt im Büro zu arbeiten.

Das hat Thorsten Beckmann, Geschäftsführer der Hamburger Kommunikationsagentur Achtung!, schon früh erkannt. Bereits während des ersten pandemiebedingten Lockdowns 2020 war für ihn klar: Wenn Homeoffice Teil des Alltags wird, laufen wir als Unternehmen Gefahr, einen Teil unserer Kultur zu verlieren. Denn wenn Mitarbeitende frei entscheiden können, ob sie ins Büro gehen oder lieber zu Hause bleiben, bleiben sie künftig eher zu Hause, weil es bequemer ist. Was also tun?

Um die rund 200 Mitarbeitenden mit Blick aufs Pandemieende am Standort Hamburg wieder im Büro begrüßen zu können, setzte der Agenturchef auf eine radikale Umgestaltung der Agenturräume. Sein Leitgedanke: Wie wird ein Büro sexy? Beckmann: „Ich wollte einen Ort erschaffen, der noch viel schöner ist als das eigene Zuhause, um unsere Mitarbeitenden nach zwei Jahren Pandemie aus dem Homeoffice zurückzugewinnen.“

Mehr noch: Die Räume sollten zum Flaghshipstore der Arbeitgebermarke Achtung! werden, die Agentur hat weitere Büros in Berlin, Düsseldorf und Köln. „Die Räume sollten anziehend, gleichzeitig überraschend und inspirierend werden, mit dem, was in ihnen passiert“, erklärt Beckmann, „wie im Flagship-Store einer Marke, wo es ein besonderes Sortiment gibt, ab und zu DJs auflegen, Happenings stattfinden, die Architektur bemerkenswert ist und all das die Marke erlebbar und greifbar macht.“

Die Hamburger Kreativagentur ACHTUNG!

„Persönliche Begegnungen sind der Schmierstoff zwischen Menschen“

Thorsten Beckmann beschäftigte sich mit den Themen Möbel, Bar und Küche intensiv, ließ sich dabei von Designer:innen und Hotels inspirieren. Und schuf eine völlig neue Arbeitswelt: Wer die Agentur seit diesem Frühjahr betritt, glaubt, sich in der Lobby eines coolen, stilvollen Clubs wiederzufinden. Komfortable Loungesessel mit Beistelltischen auf kreisrunden Teppichen bilden einladende Sitzinseln, geometrische Bogenleuchten im Industrial Look sorgen für dezentes warmes Licht.

Das Entrée erschafft ein Gefühl von stilvoller Behaglichkeit und eleganter Entschleunigung. Würde nicht gelegentlich jemand mit seinem Laptop am tischler- und schlossergefertigten Manufaktur-Hochtisch vor der Fensterfront auf einem der drehbaren, samtbezogenen Hocker Platz nehmen, erschiene das Arbeiten in weiter Ferne. Während die Sitzinseln tagsüber von Mitarbeitenden gern für kleine Meetings genutzt werden, dienen sie zum Tagesende auch fürs gemütliche Beisammensein beim gemeinsamen Feierabenddrink.

Denn das Highlight des großzügigen Raumes ist die neue Hausbar, Schmuckstück und Statement zugleich. Beckmann: „Persönliche Begegnungen sind der Schmierstoff zwischen Menschen. Die Möglichkeit, sich hier locker auch nach Feierabend zu treffen, kommt sehr gut an.“

„Das neue Setting macht es leichter, zueinanderzufinden“

Neben der Bar gestaltete die Geschäftsführung insgesamt fünf Küchen neu, schuf ein Bistro und großzügig Sitz- und Speisemöglichkeiten mit langen Tafeln. Dafür wurde auch ein Teil der Bürofläche geopfert, die Büros der Mitarbeitenden blieben indes erhalten. „Letzte Woche hatten wir hier ein Spargelessen. Das fing um 17 Uhr an und dauerte bis 4 Uhr am nächsten Morgen“, so Beckmann, für den Bar und Bistro gewissermaßen als Magnet und Bühne für Mitarbeitende und Gäste fungieren.

Jeden Donnerstagabend gibt es ein Angebot für Mitarbeitende mit einem bestimmten Motto – Lesungen, Essen, Spieleabende, Cocktail-Tastings, Vorträge, Alumni-Abende usw. Freitagabend begrüßt man das Wochenende gemeinsam mit dem ersten Drink noch in der Agentur. Beckmann: „Nach zwei Jahren Pandemie und Homeoffice kennen sich die Mitarbeitenden gar nicht mehr richtig oder haben neue Kolleginnen und Kollegen noch nie persönlich getroffen. Das neue Setting macht es leichter, zueinanderzufinden. Art und Text treffen sich endlich wieder auch für den direkten Austausch.“

Der Achtung! Flagshipstore erfüllt dabei gleich mehrere Funktionen: Neben Employer Branding und der Bindung von Mitarbeitenden sorgt das neue Konzept für branchenweite Beachtung in der Hansestadt. Im War for Talents spielen Atmosphäre, Angebote und Anreize wie diese eine nicht zu unterschätzende Rolle – und auch die Kund:innen von Achtung! genießen das neue Look & Feel ihres kreativen Dienstleisters.

„Drei Stunden zusammen in lockerer Lounge-Atmosphäre zu verbringen, ohne Powerpointpräsentation, sondern ganz entspannt im direkten Austausch, erzeugt eine andere Art von Nähe und Kontakt“, so Beckmann. Wie viel er in die Umgestaltung investiert hat, mag er nicht verraten, aber er ist überzeugt: „Es ist eine gute Investition in unser wertvollstes Gut, unsere Mitarbeitenden.“

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