Leadership & Karriere „Ziele sind der Motor unseres Lebens“ – Katja Porsch im Interview

„Ziele sind der Motor unseres Lebens“ – Katja Porsch im Interview

Pleiten machen stark – und erfolgreich: Autorin und Motivationsrednerin Katja Porsch über Lektionen aus Niederlagen und das Prinzip Eigenverantwortung.

Frau Porsch, Sie haben bereits sechs Bücher veröffentlicht, alle autobiografisch. Was steckt dahinter?

Alle Bücher sind zu hundert Prozent aus meinem Leben und erzählen von den Erfahrungen, die ich in meiner Laufbahn selbst gemacht habe. Der Unterschied ist der Schwerpunkt. In meinen ersten beiden Büchern ging es noch ums Verkaufen und um Akquise. Das dritte Buch hat dann meine persönliche Geschichte erzählt.

Wo beginnt denn Ihre Geschichte?

Mit meinem Studium, obwohl ich nie studieren wollte. Ich wollte nach der Schule raus aus dem Bildungssystem. Aber ich komme aus einem gutbürgerlichen Haushalt, studieren war das Wichtigste. Also habe ich BWL studiert und es doch später abgebrochen.

Was hat Sie zu dem Schritt bewegt?

Ich wollte genug Geld verdienen, damit ich nicht den gleichen Kummer und die Sorgen haben müsste wie meine Mutter. Nie war genug Geld da. Also habe ich neben der Uni erfolgreiche Promotion-Jobs gehabt. Dann habe ich mich für die Immobilienbranche entschieden.

Wie sind Sie dort gestartet?

Ich hatte anfangs keine Ahnung von Immobilien, Verkauf oder Akquise. Ich habe morgens um 9 Uhr das Telefonbuch in die Hand genommen und hoch- und runtertelefoniert. Bis 20 Uhr am Abend. Nach und nach habe ich mir alles angeeignet.

Klingt nach viel Klinkenputzen.

Vor allem am Anfang habe ich richtig auf die Klappe bekommen. Ich habe noch nie so viele Neins gehört wie zu dieser Zeit in meinem Leben. Erst nach zwei Monaten hatte ich meinen ersten Erfolg.

Und direkt danach kamen die Pleiten?

Es gibt immer einen rationalen Grund, warum etwas nicht funktioniert. Der bei meinen Pleiten war, dass ich nicht bezahlt wurde. Erst kam meine Provision schleppend, dann kam sie irgendwann gar nicht mehr. Nach meiner ersten Pleite hatte ich mich noch mal aufraffen können, bis ich wieder bankrott war.

Was haben Sie nach der zweiten Pleite anders gemacht als nach der ersten?

Ich habe endlich den Schlussstrich gezogen, raus aus der Branche. Anders wäre ich dem Hamsterrad nicht entkommen. Ich wusste nicht mehr, wer ich war, hatte diese Leere in mir. Ich habe mich gefragt: Was kann ich gut? Und das war, Menschen für etwas zu begeistern.

Also sind Sie Motivationsrednerin geworden.

Ich habe mir mit einem einfachen Baukastensystem eine Website gebaut. Sie war hässlich, weil ich kein Geld hatte, aber ich musste irgendwie anfangen zu akquirieren. Ich habe mich mit kleinen Schritten sukzessiv in den Markt eingearbeitet. Denn das Wichtigste ist: Loslaufen, kleine Schritte machen, dann wirst du den Weg finden.

Ein zentrales Learning aus Ihrer Karriere?

Träume und Ziele sind der Motor unseres Lebens. Sie können groß sein. Doch man muss kleine Schritte nehmen. Was kann ich heute tun, um meinem Ziel etwas näher zu kommen?

Und dazu gehört dann auch, offen über seine Niederlagen zu sprechen?

Ich habe am Anfang versucht, zu verheimlichen, dass ich zweimal bankrott war. Aber irgendwann wurde ich als Speakerin genau für diese Erfahrungen gebucht. Das war auf einer Bühne in Nürnberg vor 800 Menschen. Ich hatte Angst, dass man mich ablehnt. Aber die Menschen haben keine Lust mehr auf die klassische Erfolgsstory, sie waren dankbar für meine.

Ihre Geschichte teilen Sie auch in Ihrem neuesten Buch „Wecke den Macher in dir“. Das erschien 2019 bereits im Eigenverlag. Welche Geschichte steckt dahinter?

Das Exposé zu diesem Buch hat damals kein einziger Verlag bekommen. Das war eine bewusste Entscheidung. Ich habe vorher meine anderen Bücher in Verlagen veröffentlicht, wodurch ich nicht so frei war, wie ich sein wollte. Ich wollte die Möglichkeit haben, auf meinen eigenen Events Menschen das Buch einfach zu schenken.

„Wecke den Macher in dir“
Midas Verlag, 160 Seiten

Und warum jetzt doch die Neuauflage?

Es sind immer mehr Buchhandlungen auf mich zugekommen, die mein Buch aufnehmen wollten. Doch ich konnte es nicht handeln. Also habe ich mir überlegt, es zu überarbeiten. Die Neuauflage kommt jetzt über den Verlag, damit das Buch die Chance hat, Menschen auch auf anderem Wege zu erreichen.

Also: Wie wecke ich denn den Macher in mir?

Es gibt genau eine Frage, die man sich dafür immer stellen muss. Die mir auch damals den Impuls gegeben hat, aus meiner Pleite herauszukommen: Bist du der Busfahrer oder der Passagier in deinem Leben?

Das müssen Sie erklären.

Wir haben immer die Entscheidung, ob wir hinten oder vorne im Bus sitzen. Wenn du vorne am Steuer sitzt, dann kannst du agieren, Prioritäten setzen und reagieren. Es sind nie die Umstände, die entscheiden, sondern das, was wir aus den Umständen machen.

Warum neigen wir oft eher zum Passagier?

Gerade in Deutschland haben wir diesen typischen Problemfilter. Bei jeder Entscheidung könnten ja tausend Sachen schiefgehen. Deshalb verschieben wir immer alles auf übermorgen. Das müssen wir ändern.

Ganz nach dem Motto „Einfach machen“?

Wir lernen in der Schule viele Dinge, aber nicht, wie wir umsetzen. Was bringt uns das beste Wissen und Talent, wenn wir nichts aus all dem machen? Wir Menschen haben eigentlich alles in uns, um unseren Lebensweg zu gehen. Wir müssen es nur wissen und machen.

Den ganzen Text lest ihr in unserer Ausgabe 2/22. Außerdem: Krypto-Art-Dossier. Big-Wave-Surfen in Portugal. Der CEO der Online-Uni Coursera. Und Cannabis aus Sachsen. Am Kiosk oder hier.

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