Leadership & Karriere Rechtsanwältin Janina Möllmann: „Studien belegen: Diverse Teams sind erfolgreicher“

Rechtsanwältin Janina Möllmann: „Studien belegen: Diverse Teams sind erfolgreicher“

Janina Möllmann ist Rechtsanwältin für Gesellschaftsrecht und M&A bei der Berliner Kanzlei PXR, die sich auf die Beratung von Startups in der Technologiebranche spezialisiert hat. In diesem Jahr gründete sie zudem das Legal-Tech-Startup Gaia Technologies. Mit Gaia entwickelt Möllmann eine Software-as-a-Service Lösung für kleine und mittlere Unternehmen, mit der diese eigenständig ihre rechtlichen Prozesse managen können.

In einer noch überwiegend männlich geprägten Branche begleitet sie das Thema Gleichberechtigung schon seit Beginn ihrer Karriere. Im Interview erzählt uns Möllmann, wie sie sich für mehr Gleichberechtigung in der Rechtsbranche einsetzt und was Kanzleien jetzt ändern sollten.

Gleichberechtigung ist noch längst nicht in allen Berufsgruppen angekommen. So auch in der Rechtsbranche. Wie extrem ist es dort?

Der Frauenanteil unter Anwält:innen liegt aktuell bei etwa 36 Prozent. Diese Zahl schrumpft aber nochmal gewaltig, wenn man einen Blick auf höhere Positionen bzw. Führungsrollen in der Rechtsbranche wirft. So zeigt eine aktuelle Studie von JUVE und der London School of Economics aus diesem Jahr, dass nur 16 Prozent aller sogenannten Equity Partner:innen weiblich sind. Die Equity Partnerschaft ist zumeist die einzige Möglichkeit der Teilhabe am Unternehmenserfolg und der unternehmerischen Mitsprache.

„Der Frauenanteil unter Anwält:innen liegt aktuell bei etwa 36 Prozent“

Während also bei Berufseinsteiger:innen der Frauenanteil nach oben gegangen ist, haben diese weiterhin deutlich geringere Chancen als ihre männlichen Kollegen, in den Kanzleien aufzusteigen. Dieses Ergebnis ist umso irritierender, weil Frauen die von Wirtschaftskanzleien geforderten Top-Examensnoten, sogenannte Prädikatsexamina, häufiger als Männer mitbringen.

Wie erlebst du in deinem Arbeitsalltag als Anwältin fehlende Gleichberechtigung?

Die fehlende Gleichberechtigung hat sich für mich vor allem zu Beginn meiner Karriere gezeigt. Ich habe mich dazu entschieden, als Transaktionsanwältin einzusteigen und war damit fast immer die einzige Frau im Raum. Auch gab es in den ersten drei Kanzleien, in denen ich als Anwältin tätig war, jeweils keine einzige weibliche Partnerin in meinem Bereich. Für mich gab es also schlichtweg weder wirkliche Orientierung noch waren besondere Fördermöglichkeiten vorhanden.

Und außerhalb deines Berufsalltags?

Außerhalb der Arbeitszeit kamen meine männlichen Kollegen zusammen und bildeten Netzwerke, von denen ich ausgeschlossen blieb. Ein häufiges Argument: Es gäbe doch sicherlich Gerüchte, wenn eine weibliche, junge Kollegin dabei wäre. Gleichzeitig wurde mir von männlicher Seite durchweg unterstellt, ich hätte es als Frau doch wesentlich leichter, Karriere zu machen. Überall sei doch jetzt Frauenförderung gewünscht. Jegliche beruflichen Erfolge wurden so auch direkt auf mein Geschlecht und nicht auf meine Fähigkeiten zurückgeführt.

Hast du im Laufe der Jahre eine Veränderung wahrgenommen?

Die Zahlen zeigen hier leider recht deutlich, dass es bisher keine signifikante Verbesserung der Karrierechancen von Frauen in klassischen Wirtschaftskanzleien gegeben hat. Noch immer ist bei fast jeder jährlichen Partnerwahl die Mehrheit der neu ernannten Partner männlich – und das obwohl auf Einstiegslevel mittlerweile Frauenquoten von 50 % erreicht werden. Dass einfach nicht genügend weibliche Kandidatinnen in den Kanzleien anfangen, ist also kein gültiges Argument mehr.

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