Leadership & Karriere Was wurde eigentlich aus der Luca-App? Gründer Patrick Hennig im Interview

Was wurde eigentlich aus der Luca-App? Gründer Patrick Hennig im Interview

Die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung war ein Produkt aus der Corona-Pandemie. Zuerst galt sie als Erfolg, dann wurde Kritik laut bezüglich Lücken im Datenschutz und mangelnder Nutzung für Gesundheitsämter. Anfang 2022 entschieden sich mehrere Bundesländer, die Lizenzverträge für die Luca-App nicht zu verlängern.

Damit ist die Luca-App aber nicht offline. Es gibt sie noch, nur mit anderen Funktionen. Ihr CEO und Co-Gründer Patrick Hennig will mit ihr weiterhin die Gastro-Szene digitalisieren. Was die Luca-App jetzt kann, warum er die nächsten Schritte nicht als Neuanfang sieht und wieso der Name geblieben ist, darüber spricht er im Interview.

Patrick, wenn man die Luca-App googelt, ist eines der ersten Suchvorschläge: „Luca-App noch notwendig“. Was sagst du dazu? 

Klar ist die Luca-App noch notwendig, aber nicht mehr in der Form wie zu Corona-Zeiten. Wir haben damals mit der App angefangen, um in der Gastronomie die Prozesse zu vereinfachen, weil die Kontaktnachverfolgung zu Beginn reine Zettelwirtschaft war. Wenn ich sehe, wo wir heute in Deutschland mit der Digitalisierung stehen, sind Projekte wie unseres, mehr nötig als jemals zuvor. 

Welche Funktionen hat die App jetzt?

Man kann nach Restaurants suchen und Tische reservieren, digital bestätigen, dass man wirklich kommt oder Reservierungen auch wieder absagen. Die Reservierung ist direkt mit dem Tisch und dem Kassensystem verbunden. Man kann einen QR-Code scannen, über die App mit der hinterlegten Karte oder Apple Pay zahlen und gehen. Rechnungen lassen sich auch ganz einfach splitten. 

©Luca

Wenn das Reservierungssystem mit dem Kassensystem verbunden ist, können Bars und Restaurants auch anzeigen, ob sie voll sind. Es gibt ja nichts Blöderes, wenn man ausgehen will und die Lokale haben alle keinen Platz mehr. Da verliert man viel Zeit nur mit der Suche. Das ist die Experience, die wir schaffen.

Wie hebt ihr euch von Open Table ab? 

Mir geht es darum, dass es ein Interface für alle Vorgänge gibt. Wenn das später mit anderen Reservierungssystemen integriert ist, ist das für mich fein. Ich glaube Open Table nimmt ungefähr 4,50 Euro pro Sitzplatz. Das heißt, Restaurants können schon mal bis zu 1.000 Euro pro Monat für die Nutzung bezahlen. Dann kommen ja noch Kassensysteme hinzu. Da integrieren wir auch die verschiedensten in der Luca-App. Bei uns kommt alles aus einer Hand, da sind wir kompetitiver. 

Wie verdient ihr daran?

Wir erhalten eine Transaktionsgebühr. Die Restaurants bezahlen beispielsweise 0,9 Prozent für die Nutzung der Bezahlfunktion. Das kann mit anderen Zahlungsanbietern mithalten. Wir liegen da in der mittleren Range. Für die Reservierungsfunktion kommt  eine weitere Gebühr obendrauf. 

Die App hat jetzt eine anderen Fokus. Wie geht man einen Neuanfang an?

Es ist kein Neuanfang, sondern ein konsequentes Weiterführen. Wir haben zu Beginn der Luca-App einfach eine Lösung anbieten wollen, wie die Ämter an die Daten kommen, ohne dass wir als Macher der App Zugriff darauf haben. Das war die technische Herausforderung. Und uns technischen Herausforderungen anzunehmen, dem sind wir treu geblieben. Dass Angestellte in der Gastro mit Kreditkartenterminals durch die Gegend rennen und im schlimmsten Fall noch nach Empfang suchen müssen, während die Kundschaft am Tisch warten muss, um zu bezahlen, sind Prozesse, die man vereinfachen kann. Daran knüpfen wir jetzt an. 

War das von Anfang an euer Plan nach der Corona-Nutzung?

Es war nicht so, dass wir uns von Anfang an dachten, dass wir aus Luca eine Bezahl-App machen wollen. Digitalisierung dreht sich mittlerweile viel um virtuelle Welten, wir wollten aber am realen Leben dran sein und weiterhin das Erlebnis in der Gastro verbessern. So kamen wir schnell auf das Thema Payment.

Wie nimmt die Gastronomie euer Angebot derzeit an? 

Ich würde gerne sagen, dass es uns bereits in ganz Deutschland gibt. Die Realität ist aber, dass jedes Restaurant unterschiedlich ist. Deswegen konzentrieren wir uns erstmal auf Berlin-Mitte. Da müssen wir erstmal alle Use-Cases abdecken, damit die Luca-App 50 bis 60 Prozent der Bezahlvorgänge ausmacht, bevor wir in die Breite gehen. Dann gewöhnen sich die Mitarbeitenden und die Kundschaft daran und wollen den Service überall haben. Deswegen glaube ich fest daran, dass man ein Interface für alles braucht, um sich in der Gastro digital bewegen zu können. 

Wie setzt man sich auf so einem riesigen Markt durch? 

Mit einem langen Atem und Funktionalität. Die Gastronomie muss den Mehrwert erkennen und das dauert. Wir setzen jetzt erst mal auf den Hyperlocal-Ansatz, haben jetzt aber auch schon in Hamburg und München angefangen, die Luca-App in die Restaurants zu bringen. Wir wollen am Ende des Jahres bei 1.000 Restaurants sein. Dann wird man unsere Präsenz am Markt bestimmt spüren. 

©Luca

Geht ihr in die Restaurants und pitcht oder habt ihr noch die Kontakte aus der Corona-Zeit? 

Beides. Wir haben noch Kontakte in dem Sinne, dass Restaurants noch einen Account bei uns haben. Das hilft aber nur bedingt. Wir müssen vor Ort sein und mit den Inhaber:innen sprechen. Die wissen ja gar nicht, was wir heute machen. Ich glaube es hilft, dass sie wissen, dass wir schon mal was für die Gastro gemacht haben. 

Wieso habt ihr nicht eine komplett neue Marke geschaffen? 

Wir haben es uns überlegt. Letztendlich hat die Luca-App aber eine große Bekanntheit gehabt und wurde auch in meinem Heimatort mit 10.000 Einwohner:innen genutzt. Ansonsten sind digitale Tools urbane Phänomene. Bei einer neuen Marke hätte ich auch eine Geschichte erzählen müssen. Wir haben während Corona proaktiv viele Features entwickelt. Wir müssen uns nicht verstecken und wollen weiter vorwärts gehen. Deswegen haben wir uns dafür entschieden, den Namen zu behalten und das war die richtige Entscheidung. Wir nehmen die Vorteile und Nachteile unserer Geschichte. 

Wie willst du die App wieder auf die Smartphones der Menschen holen? 

Es ist immer noch bei vielen drauf. Vor allem bei der Zielgruppe 50+ von der ich das niemals gedacht hätte. Die Daten von der Kontaktnachverfolgung haben wir komplett alle aus dem System gelöscht, sie waren ohnehin nicht einsehbar. 

Für uns ist es wichtiger, dass die Restaurants uns nutzen. Weil bezahlen kann man auch via Luca ohne die App auf dem Handy installiert zu haben. Wenn man sie hat, hat man einen Account und es macht das Bezahlen einfacher. 

Wie stellt man wieder Vertrauen her? 

Das ist gar keine Frage für uns. Es sind Dinge schief gelaufen, das gehört aber dazu. Die Polizei in Mainz konnte sich nur anhand der Daten bedienen, um einen Tötungsdelikt aufzuklären, weil die Staatsanwaltschaft einen Mitarbeitenden im Gesundheitsamt dazu gebracht hat, einen Coronafall zu simulieren, um 22 Personen kontaktieren zu können. Und auch wenn das nicht in unserem Sinne war, hat die App in dem Fall so funktioniert, wie sie sollte. Wie oft wir mit Polizei und Staatsanwalt telefoniert haben… Das muss Gang und Gäbe sein bei anderen Kommunikationsanbietern. Da glaube ich können wir trotz allem sagen, dass die Luca-App ein erfolgreiches digitales Projekt war in Deutschland. 

Wie schaust du rückblickend auf die Shitstorms, die ihr hattet?

Es war eine sehr intensive Zeit. Wenn Fehler passiert sind, dann hat man natürlich immer viel Druck auf uns aufgebaut. Wir sollten sogar offenlegen, welche Mitarbeiter:innen das waren. Das haben wir nie gemacht. Das hat schon gereicht, dass mein Gesicht da draußen war. Wenn man bei Digitalprojekten immer durch so einen Sturm gehen muss, dann verstehe ich, dass nicht viele darauf Lust haben. Dann wundert es auch nicht, dass wir in der Digitalisierung da stehen, wo wir stehen.

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