Life & Style Mein Dienstwagen, mein Jobrad, mein Jobticket

Mein Dienstwagen, mein Jobrad, mein Jobticket

Weshalb die Mobilitätswende längst da ist und was Mitarbeitende von ihren Arbeitgeber erwarten können

Ein Gastbeitrag von René Braun, CEO und Co-Founder von Navit ehemals Rydes

Natürlich ist es immer noch eine schöne Geste, wenn einem als Mitarbeitender ein Dienstwagen angeboten wird. Das hat etwas von Wertschätzung und Prestige, aber eben auch ein bisschen etwas von Gestrigkeit. Als Statussymbol hat der Dienstwagen jedenfalls bei vielen ausgedient. Die neue Luxusklasse ist maximale Flexibilität bei größtmöglicher Nachhaltigkeit. Das zeigt auch eine repräsentative Studie des Digitalverbands Bitkom: 96 Prozent der befragten Menschen in Deutschland geben an, dass sich ihr Mobilitätsverhalten in den letzten Jahren deutlich geändert hat.

Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Über die Hälfte aller Befragten (55 Prozent) gibt an, sich aufgrund der Klimakrise jetzt anders und nachhaltiger fortzubewegen. Rund ein Drittel der Befragten (30 Prozent) nennt hingegen eher finanzielle Gründe. Ihnen ist der stetig steigende Benzinpreis einfach zu teuer geworden, weshalb sie begonnen haben, sich für Alternativen zum eigenen Auto zu öffnen. Genauso hat natürlich auch New Work einen Einfluss auf das neue Mobilitätsverhalten. Dank flexibler Home-Office-Regelungen pendeln viele nicht mehr jeden Tag ins Büro, sondern laufen manchmal auch einfach von der Küche mit einem Kaffee an ihren Arbeitsplatz. Der Dienstwagen steht in dieser Zeit herum und verliert auch deshalb an Bedeutung.

Was aber ersetzt den Dienstwagen?

Laut der Studie haben vor allem Fahrräder (39 Prozent) sowie Ride-Hailing-Dienste, wie Uber & Co (25 Prozent), an Beliebtheit gewonnen und werden jetzt häufiger genutzt. Das passt zum Zeitgeist. Immer weniger Menschen möchten im eigenen Auto ins Büro fahren, denn das bedeutet vielfach eben auch morgens schon von Stau und Parkplatzsuche gestresst zu sein und diese Zeit nicht anders nutzen zu können.

Wer mit dem Rad kommt, hat immerhin schon etwas für seine körperliche Gesundheit getan. Aber dieser Benefit ist je nach Arbeitstag und Wetterlage nicht immer entscheidend. Ich persönlich kenne niemanden, der gerne bei starkem Regen oder Blitzeis mit dem Fahrrad zu einem wichtigen Meeting fährt. In diesem Fall lieber entspannt und trocken mit einem Ride oder Carsharing ankommen. Es kommt also darauf an. 

René Braun ©Navit

Deshalb ist Flexibilität so wichtig geworden. Die Mobilität muss zur Lebenssituation, zum Arbeitstag und ein bisschen auch zur Lust und Laune passen. Das bestätigt unter anderem eine Umfrage des TÜV-Verbandes: Flexibilität, Schnelligkeit und Verlässlichkeit landeten da als wichtigste Kriterien für die eigene Mobilität auf den ersten drei Plätzen. Das lässt auch vermuten, weshalb E-Bikes immer beliebter werden. 

Vor allem ist man damit schnell: Im Wegevergleich des Umweltbundesamtes ist das E-Bike innerhalb der Stadt und auf Strecken von bis zu 7,5 Kilometern die beste Wahl, um zeitsparend ans Ziel zu kommen. Wenn man bedenkt, dass die Hälfte aller Autofahrten kürzer als fünf Kilometer ist, werden wohl zukünftig noch mehr Menschen umsteigen.

Was kann ich von meinem Arbeitgeber erwarten?

Ganz klar Aufgeschlossenheit für die veränderten Bedürfnisse einer individuell flexiblen Mobilität. Einige DAX-Konzerne, Mittelständler und Startups machen auch bereits vor, wie das aussehen kann. Statt Dienstwagen verteilen sie ein Mobilitätsbudget an ihre Mitarbeitenden. Je nach Wohnort und Lebenssituation können diese dann selbst entscheiden, wie sie es einsetzen möchten.

Manche wählen das Jobrad oder Jobticket, entscheiden sich also für gemietete oder geleaste Bikes, E-Bikes oder den ÖPNV. Andere Mitarbeitende, vor allem diejenigen, die im ländlichen Raum mit schlechter Verkehrsanbindung wohnen, können sich weiter für den Dienstwagen entscheiden oder das eigene Auto behalten und die Tank- oder Ladekarte wählen. Es geht also nicht darum, etwas ersatzlos zu streichen, sondern die Möglichkeiten zu erhöhen. So dass es für jede:n am besten passt. 

Mit welchen Argumenten kann ich überzeugen?

Die wenigsten Arbeitnehmenden wissen, dass sie sogar die EU in dieser Sache auf ihrer Seite haben. Ab 2024 sind größere Unternehmen dazu verpflichtet, auch indirekte Emissionen entlang der eigenen Wertschöpfungskette zu erfassen. Damit ist gemeint, dass beispielsweise auch die Pendlermobilität für die Nachhaltigkeitsberichterstattung eine Rolle spielt und Unternehmen darauf achten werden, diese entsprechend zu reduzieren.

Warum also nicht jetzt schon mal damit beginnen? Ist ja auch für die Arbeitgebermarke sehr viel attraktiver, wenn sich Unternehmen bereits freiwillig auf die Verschärfung der “Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)” vorbereiten. Alternativ müssen sie ab nächstem Jahr hektische Maßnahmen ergreifen oder sie riskieren maue Werte und damit schlechte Nachhaltigkeitsrankings. Ich meine, das sind harte Argumente, mit denen man sich als Mitarbeitender Gehör und Respekt verschaffen kann.

Ich glaube außerdem, dass viele Arbeitgeber, insbesondere die HR-Abteilungen, dankbar sind, wenn Mitarbeitende klar äußern, welche Benefits sie wirklich sinnvoll finden. Vor ein paar Jahren tauchten in einigen Büros Tischkicker und Obstkörbe auf, dann waren große und teure Kaffeemaschinen angesagt, es kamen vielleicht Sportangebote, Mental-Health-Trainings, Lunch-Gutscheine, freie Tage für ehrenamtliche Tätigkeiten oder unbegrenzter Urlaub dazu. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. 

Das sind alles gute und sinnvolle Unterstützungen im Arbeitsalltag, nur glaube ich, dass nicht alle Mitarbeitenden gleichermaßen davon profitieren. Das Mobilitätsbudget hingegen, ist ein sehr demokratischer Benefit. Die Frage, wie man am besten heute ins Office kommt und wie wieder nach Hause, treibt die Meisten um und das fast täglich. Schön wäre doch, wenn dann jede:r die freie Wahl hat.

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