Innovation & Future Die Startup-Szene in Zeiten der Krise: Ein Blick auf Herausforderungen und Chancen mit Oliver Weimann

Die Startup-Szene in Zeiten der Krise: Ein Blick auf Herausforderungen und Chancen mit Oliver Weimann

Oliver, worin siehst du aktuell die größten Herausforderungen für Startups?

Im B2B-Umfeld sehe ich zwei wesentliche Herausforderungen für Startups. Erstens ist Investmentkapital zwar weiterhin vorhanden, dieses wird aber deutlich selektiver vergeben. In der Frühphasenfinanzierung kommen zum Beispiel Business Angel langsamer zu erfolgreichen Exits über Secondaries & Co und investieren dementsprechend auch wieder verzögert in neue Teams und Ideen. Und auch im VC-Umfeld nehme ich wahr, dass die Geschwindigkeit einfach abnimmt. 

Gleichzeitig handeln B2B-Kundinnen und -Kunden risikoaverser. Das heißt, erste Projekte oder sogenannte Proof-of-Concepts, die vor 12 bis 18 Monaten kurzfristig gestartet worden sind, haben jetzt eine deutlich längere Anlaufphase. Häufig liegt der Fokus momentan primär auf Projekten, welche Kosteneinsparungen versprechen, und nicht denjenigen, welche zusätzliche Daten oder zukünftige Geschäftsmodelle in Aussicht stellen. Diese Situation ist für einige Startup-Branchen ausgesprochen schwierig und stellt eine temporäre Gefahr für vielversprechende Geschäftsmodelle dar. 

Dies gilt augenscheinlich nicht für alle Branchen. Ist das aktuelle Krisen- und Inflationsrisiko für Cybersecurity, DefenseTech oder GreenTech in der Realität wirklich deutlich geringer?

Selbstverständlich gibt es Krisengewinnerinnen und -gewinner, aber die gibt es ja immer. Wenn die Energiesicherheit des Landes in Frage gestellt wird, dann helfen Lösungen, die entweder Energie erzeugen oder Energie einsparen – egal ob von Startups oder etablierten Unternehmen. Ebenso verhält es sich im Kontext der Cybersecurity. Wirtschaftlich oder politisch motivierte Cyber-Angriffe haben mit einem Faktor von über zehn zugenommen – und zwar quasi über Nacht. Beispiele wie „Sandstorm“ von russischen Hackerinnen und Hackern auf das ukrainische Stromnetz zeigen auch in DACH, wie sehr unsere kritischen Infrastrukturen gefährdet sind. 

Allerdings kommt es ganz erheblich auf die Phase des Unternehmenszyklus an, in welchem sich ein Startup, auch aus diesen Gewinnerbranchen, befindet. Wichtig für erfolgreiche Teams ist, recht schnell und solide mit den technischen Lösungen erste erfolgreiche Anwendungsfälle aufzuzeigen, dann funktioniert es sowohl mit Kundinnen und Kunden als auch mit Investorinnen und Investoren. Praktische Forschung wird in unserer Wahrnehmung eher wieder internalisiert, zurückgestellt oder in Kooperationen mit Hochschulen durchgeführt. Also ganz wichtig ist es, gut dokumentierte Projekte mit klaren KPI durchzuführen und mit den Ergebnissen an einer Erweiterung der Zielgruppe zu arbeiten. 

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