DriveStyle „Für Normalverdiener gibt es keine Alternative zum batteriegetriebenen Auto“ 

„Für Normalverdiener gibt es keine Alternative zum batteriegetriebenen Auto“ 

Ellen Enkel leitet seit dem 1. März 2020 den Lehrstuhl ABWL und Mobilitätan der Universität Duisburg, der sich insbesondere mit Innovationen in den Mobilitätsindustrien beschäftigt. Die Professorin beobachtet die Bemühungen zum Umstieg auf E-Mobilität genau. Aus ihrer Sicht führt kein Weg daran vorbei. Allerdings fehlen ihr bislang wirklich innovative Mobilitätskonzepte. 

Hi Ellen, bei den Europawahlen haben die Konservativen leicht zugelegt. Und die sind es auch, die das Aus vom Verbrenneraus fordern. Halten Sie so einen Vorschlag für realistisch? 

Ich komme gerade von einer Konferenz der EU-Kommission, bei der es ums Thema Mobilität ging und am Rand natürlich auch ums Verbrenneraus. Und ich muss sagen: Die politische Diskussion führt in die Irre. Ich will mal versuchen sie vom Kopf auf die Füße zu stellen: Es gibt keinen Beschluss auf EU-Ebene die Herstellung von Motoren, die mit Diesel oder Benzin angetrieben werden, zu verbieten, lediglich die Zulassung in Europa soll ab 2035 auf klimaneutrale Antriebe beschränkt sein. Es gibt die Klimaziele, von denen sich feste Vorgaben für die CO2-Emmissionen ableiten. Daran wird die EU-Kommission festhalten. Aus Sicht der deutschen Automobilwirtschaft wäre ein längeres Verbleiben beim Verbrennungsmotor natürlich wünschenswert, denn die Automobilindustrie macht noch immer 80 bis 90 Prozent ihrer Umsätze mit der Verbrennertechnologie. Die Gesetzgebung schreibt aber gar nicht vor, ob die in der EU nach 2035 zugelassenen PKW batterieelektrisch sein müssen, sondern dort steht ausdrücklich, dass der Weg zu Nullemissionen technologieoffen bleibt. 

Das mag ja sein. Aber in Wahrheit gibt es doch dann zum Elektroauto keine brauchbare Alternative. 

Eine brauchbare Alternative wird die Brennstoffzelle in zehn Jahren oder mehr sein, weil die Technologie noch nicht weit genug entwickelt ist. E-Fuels sind auch eine brauchbare Alternative – aber nur für Wohlhabende, da diese in der Herstellung sehr teuer sind. Richtig ist: Für Normalverdiener wird in absehbarer Zeit nur das batteriegetriebene Auto eine Alternative sein, wenn er auf emissionsfreie individuelle Mobilität setzt.  

E-Fuels bleiben zu teuer? Gibt es da keine Skaleneffekte? 

E-Fuels sind tankbare flüssige Energieträger, die aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt werden. Soja oder Raps können da die Grundstoffe sein. Der Prozess ist aber teuer und sehr energieaufwendig. E-Fuels wird es nie zu Preisen wie jetzige Kraftstoffe geben. Außerdem stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, Lebensmittel in den Tank zu füllen und mit nicht erneuerbarer Energie herzustellen. Da kann man die Energie auch gleich zum Laden von Batterien im E-Auto verwenden und hat eine größere Energieausbeute für das Fahren. 

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