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450 Mio. Dollar: Europas teuerste Wette gegen SpaceX

SpaceX vor den Quartalszahlen
Unsplash SpaceX vor den Quartalszahlen
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The Exploration Company sammelt 450 Mio. Dollar ein, die größte Series C eines europäischen Weltraumunternehmens. Das Geld soll Europas Antwort auf SpaceX bauen, bevor die Konkurrenz noch weiter davonzieht.

Hélène Huby hat für ihre Raumfahrtvision gerade 450 Mio. Dollar eingesammelt, ohne dafür einen Kunden-Vertrag mit einer bemannten Crew-Kapsel vorweisen zu müssen. Die Series-C-Runde ihres deutsch-französischen Start-ups The Exploration Company (TEC) ist laut TechCrunch die größte, die je ein europäisches Raumfahrtunternehmen aufgestellt hat. Angeführt wird sie von Bessemer Venture Partners, Atomico und dem EQT-verwalteten Scaleup Europe Fund.

Damit steigt das insgesamt eingesammelte Kapital von TEC auf rund 680 Mio. Dollar, wie aus den vorliegenden Informationen hervorgeht. Politisch bekam die Runde prominente Rückendeckung: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach vom „deutsch-französischen Motor“ hinter dem Unternehmen, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte sie einen starken Moment für Europas Raumfahrtindustrie.

Nyx soll SpaceX Konkurrenz machen

Im Zentrum der Finanzierung steht die Kapsel Nyx, ein wiederverwendbares, im Orbit betankbares Transportsystem für bis zu 3.000 Kilogramm Rückfracht. Sie soll zunächst an der Internationalen Raumstation andocken und sicher zur Erde zurückkehren, laut Huby bis November 2028.

Ein erster Testflug namens „Mission Possible“ verlief 2024 größtenteils planmäßig, die Kapsel ging jedoch kurz vor der Wasserung verloren, TEC selbst sprach von einem Teilerfolg. Kommerziell verweist das Unternehmen laut TechCrunch auf mehr als zwei Milliarden Dollar an Aufträgen und Zusagen, darunter zehn gebuchte Nyx-Missionen sowie Verträge mit der ESA und ein Space Act Agreement mit der NASA, das erste eines europäischen Raumfahrt-Start-ups überhaupt.

Storm-Triebwerk kopiert SpaceX-Technologie

Der zweite Teil des Kapitals fließt in Storm, ein Hochschub-Triebwerk mit flüssigem Sauerstoff und Biomethan, das auf einem Full-Flow-Staged-Combustion-Kreisprozess basiert. Dieses Verfahren hat bislang fast ausschließlich SpaceX mit seinem Raptor-Triebwerk industrialisiert. Laut TEC ist es das erste Mal, dass in Europa ein derart hoher Betrag in ein wiederverwendbares Triebwerk dieser Klasse investiert wird.

Storm soll die Antriebsbasis für eine europäische Schwerlastrakete liefern, die wiederverwendbar bis zu 40 Tonnen in den niedrigen Erdorbit bringen kann. Huby begründete den Bedarf gegenüber TechCrunch damit, dass in den kommenden Jahren ein wachsender Anteil von Breitbandkommunikation und Rechenzentren aus dem All kommen könnte, was massive Raketenkapazität und hohe Startfrequenz erfordere.

Wettbewerb wird global und teuer

TEC steht nicht allein da: Der deutsche Anbieter Isar Aerospace startete kürzlich erstmals eine eigene Rakete aus Norwegen, während der US-Rivale Stoke Space laut TechCrunch gerade eine Milliarde Dollar in einer Series E einsammelt.

Huby lobte Isars Erfolg als gut für das gesamte Ökosystem, betonte aber, TEC wolle eine deutlich größere Rakete als Isars Spectrum bauen. Die Finanzierung reiht sich zudem in weitere große Spacetech-Deals ein, etwa Isar Aerospace mit 270 Mio. Euro und Iceye mit rund einer Milliarde Euro, wie aus den vorliegenden Informationen hervorgeht.

Business Punk Check

Fakt ist: TEC hat die größte Series-C-Runde eines europäischen Raumfahrtunternehmens abgeschlossen, mit prominenter politischer Unterstützung aus Paris und Brüssel. Fakt ist auch, dass die technischen Meilensteine, ISS-Andockung und erste Storm-Zündtests, noch bevorstehen und der erste Testflug bereits einen Teilverlust brachte.

Interpretation: Das Kapital zeigt, dass Investoren bereit sind, europäische Souveränität im Orbit querzufinanzieren, auch als Antwort auf SpaceX‘ faktisches Monopol. Offen bleibt, ob TEC seinen selbst als ambitioniert bezeichneten Zeitplan hält, während Stoke Space mit einer Milliarde Dollar noch aggressiver skaliert.

Auf einen Blick

  • The Exploration Company hat 450 Mio. Dollar in einer Series-C-Runde eingesammelt, der größten eines europäischen Raumfahrtunternehmens.
  • Das Kapital fließt in die Nyx-Transportkapsel und das Storm-Triebwerk, das dieselbe Full-Flow-Staged-Combustion-Technologie wie SpaceX nutzt.
  • TEC verweist auf Aufträge und Zusagen von mehr als zwei Milliarden Dollar, darunter Verträge mit ESA und NASA.
  • Konkurrenten wie Isar Aerospace und Stoke Space treiben den globalen Wettbewerb um wiederverwendbare Raumfahrzeuge parallel voran.

Quellen: TechCrunch, Trendingtopics, KI-unterstützt

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.