Business & Beyond Besser geht’s nicht: Warum ich Trump diesmal feiere und Deutschland alte Narrative überdenken muss

Besser geht’s nicht: Warum ich Trump diesmal feiere und Deutschland alte Narrative überdenken muss

Was beim Gipfel von Trump und Putin herausgekommen ist, wird gerade mit den Europäern abgestimmt. Besser hätte der US-Präsident kaum vorgehen können. Er hat der Welt vorgemacht, wie sich ein Teufelskreis, in dem sich die Diplomatie verfangen hatte, durchbrechen lässt.

Seit zwei Tagen lese ich das, was sogenannte Experten zum Treffen von Donald Trump und Wladimir Putin so alles einfällt, und was dann millionenfach nachgebetet wird. Zum Beispiel diese beiden Sätze eines bedeutenden Politologen: „Es war ein neuer Tiefpunkt der US-Diplomatie. Trump hat sich komplett diskreditiert.“

Und jetzt platzt mir der Kragen. Denn was ich erlebt habe, war das Gegenteil. Es war der Urknall der Diplomatie. In der Nacht zu Samstag haben wir in Alaska einen Wendepunkt im Bemühen um einen Frieden in der Ukraine erlebt, den wir in Europa seit dreieinhalb Jahren herbeisehnen, aber bislang nicht erreicht haben. Etwas Besseres konnte gar nicht passieren.

US-Präsident Donald Trump, den niemand mögen muss, will vieles: Ruhm, Deals, unter anderem will er aber auch das tausendfache Sterben in der Ukraine beenden. Dazu holt er Wladimir Putin auf die Weltbühne zurück. Er hat erkannt: Wenn er den einstigen Spion aus der Kälte, die ihn umgibt, befreit und auf dem roten Teppich empfängt, gibt es eine Chance. Wenn er den Aggressor, der Putin unzweifelhaft ist, mit Respekt und nicht wie einen Aussätzigen behandelt, ist das Gespräch eröffnet. Wir Europäer haben das nie gewollt. Vielleicht sind wir zu nah dran am Kriegsgeschehen, um so einen Schritt zu unternehmen. Vielleicht sind wir aber auch zu sehr in unseren Denkmustern gefangen.

Trump hat es getan und damit einen Anfang gemacht. Bisher weiß keiner ganz genau, was dabei herausgekommen wird. Auf jeden Fall ist aber das „Kein-Deal“-Getöse, das jetzt enttäuscht und anklagend von allen Seiten und vor allem aus Deutschland das Ergebnis des Gipfels vorwegnimmt, an Heuchelei fast nicht zu überbieten: Da habt ihr, liebe Kollegen von rechts und links, hierzulande tagelang gefordert, es dürfe ohne den ukrainischen Präsidenten Selensky und ohne die Europäer in Alaska keinen Deal geben. Und nun gibt es noch keinen, aber das ist auch wieder falsch? Da ist der amerikanische Präsident so überraschend feinfühlig, dass er nichts nach außen dringen lässt, bevor er sich nicht mit Selensky, mit EU-Vertretern und mit seinen Freunden aus Großbritannien abgestimmt hat – aber das darf dann auch nicht sein?

Die Wahrheit hinter dieser widersprüchlichen Haltung ist die: Den Europäern entgleiten gerade zwei Narrative. Es sind zwei Legenden, die einen wahren Kern enthalten, aber darum herum, sich jede Menge Hokuspokus rankt. Das erste Narrativ ist das vom völlig grundlosen Überfall Putins auf die Ukraine. Es stimmt, es war ein Überfall und Putin hat alle Regeln gebrochen. Aber es ist eben auch etwas an der Erkenntnis: Russland fühlte sich bedroht vom Westen. Hinter dieser Einsicht steckt nicht Verständnis für Putins Vorgehen, sondern das Bemühen, die Motivlage eines Gegners zu erkennen, um einen Krieg zu beenden.

Das zweite Narrativ ist das des Verrückten auf dem US-Präsidenten Sessel. Was daran stimmt: Trump ist unberechenbar. Seine Zollpolitik macht die Welt nicht besser. Aber manchmal führt Unberechenbarkeit dazu, einen Teufelskreis aufzubrechen. Und genau das könnte jetzt geschehen sein.

Mindestens zwei Stimmen – nicht mehr von der vordersten Regierungsbank – sehen das übrigens auch so: Armin Laschet, der mir seit der misslungenen Kanzlerkandidatur als Mann der leisen Töne in der CDU auffällt, sagt, der Gipfel habe eine „neue Dynamik“ im diplomatischen Prozess entfacht. Und Ralf Stegner, der bei der SPD offiziell nichts mehr zu sagen hat, sagt trotzdem:  Das Gespräch der beiden sei „die bis dato größte Hoffnungsperspektive dafür, dass der Krieg in der Ukraine mit all den täglichen Opfern zeitnah endlich enden könnte“. Bravo, ihr beiden!

Wahrscheinlich habt ihr so wie ich die Originalbilder aus Alaska angeschaut. Vielleicht habt ihr auch den Satz des russischen Machthabers im Ohr, den ich nirgends in der Berichterstattung gefunden habe. Mit Blick auf den Ort des Geschehens sagte Putin: „Wir sind hier in der Nähe der Datumsgrenze. Lasst uns gemeinsam einen Schritt vom Gestern ins Morgen machen.“ Mich hat der Satz optimistisch gestimmt.

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