Tech & Trends KI gegen den Kollaps

KI gegen den Kollaps

Warum Künstliche Intelligenz unsere letzte oder große Chance gegen den Fachkräftemangel ist.

Deutschland 2025: Die Wirtschaft tritt auf der Stelle, die Industrie schwächelt – und trotzdem fehlt es an Menschen, die die Arbeit machen. In Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Automotive, Pflege, Logistik und IT fehlen über 1,5 Millionen qualifizierte Arbeitskräfte. Und es kommt noch dicker: Die Babyboomer verabschieden sich reihenweise in den Ruhestand. In vielen Betrieben gehen innerhalb der nächsten zehn Jahre rund 30 Prozent der Mitarbeitenden in den Ruhestand.

Deutschland 2025: Jobs gibt’s genug – nur wer soll sie machen?

Das Problem: Ausbildung und Zuwanderung reichen vorne und hinten nicht, um die Lücke zu füllen. Die Folge? Stillstand. Erst schleichend – in Form sinkender Produktivität – dann spürbar, weil die Wettbewerbsfähigkeit leidet. Aber es gibt Hoffnung: Künstliche Intelligenz, richtig eingesetzt, kann helfen, den Fachkräftemangel zu bremsen, Wirtschaftlichkeit zu erhöhen und Wohlstand zu sichern.

Und die Nutzung?

Klar, von KI hat man schon gehört. Wird politisch gefeiert, Unternehmen sprechen darüber, für manche ist es ein Hype, der hoffentlich bald vorbeigeht. Aber in der Praxis passiert wenig. Besonders im Mittelstand herrschen Ratlosigkeit, Unwissenheit und Widerstand. Kein Know-how, keine passende IT, keine Führungskräfte, die das Thema überhaupt anpacken können. KI bleibt oft eine gute Idee – die aber nicht in Bewegung kommt.
Noch immer tragen in vielen mittelständischen Unternehmen IT-Verantwortliche der ersten Stunde die Last der Digitalisierung – oft engagierte Industriekaufleute, die in den 1980ern und 1990er-Jahren da so reingerutscht sind. Mit der heutigen Komplexität sind viele überfordert. Spätestens mit der Digitalisierung hätte man die IT auf neue Beine stellen müssen – mit Know-how, Ressourcen und Unterstützung. Stattdessen: Projekte auf die lange Bank, bei KI sieht man vor allem Risiken – aber nicht die Chancen.

Veraltete IT – der unsichtbare Bremsklotz

Dazu kommt die Infrastruktur: Viele Mittelständler arbeiten noch mit stark fragmentierten Systemen, alten ERP- oder CRM-Lösungen oder sogar Excel-basierten Workflows. Diese Systeme sind nicht cloud-fähig, schwer integrierbar und liefern keine Echtzeitdaten – also genau das, was KI für Analysen, Prognosen und Automatisierung braucht. Bevor KI sinnvoll eingesetzt werden kann, muss eine digitale Basis geschaffen werden: moderne ERP-Systeme, saubere Daten, standardisierte Schnittstellen. Und natürlich braucht es flächendeckendes Glasfasernetz. Die BREKO-Marktanalyse (Bundesverband Breitbandkommunikation) geht davon aus, dass bis 2030 etwa 76 bis 86 Prozent des Ausbaus geschafft sind – was viel zu langsam ist.

Weniger Leute, mehr Output – AI macht es möglich

Weniger Personal und trotzdem mehr Output – klingt unmöglich? War früher auch so. Aber mit KI und Automatisierung geht das heute. Ob Produktionsplanung, Qualitätskontrolle oder Wartung: KI kann Prozesse smarter, schneller und stabiler machen. Sie entlastet die Belegschaft, bringt Effizienz und Skalierbarkeit.
Die erfolgreichsten Beispiele setzen KI nie isoliert ein, sondern kombinieren sie mit moderner Automatisierung und IoT-fähiger Infrastruktur. Predictive Maintenance, Qualitätskontrolle, Produktionsplanung, Robotik – das sind die häufigsten Anwendungsfelder. Unternehmen wie Trumpf, Bosch Rexroth, Sick und andere machen es vor. Gerade für Mittelständler lohnt es sich, gezielt anzufangen – zum Beispiel mit KI-gestützter Qualitätsprüfung. Das entlastet Fachkräfte und reduziert Ausfälle.

KI killt keine Jobs – sie schützt sie

Wer sie clever einsetzt, killt nicht Jobs – sondern rettet sie. Unternehmen, die durch sie effizienter arbeiten, bleiben wettbewerbsfähig, zahlen bessere Gehälter und investieren in neue Geschäftsmodelle. Und die Fachkräfte? Die müssen nicht mehr repetitive, regelbasierte Tätigkeiten erledigen, die Maschinen inzwischen übernehmen können. Stattdessen können sie sich auf wertschöpfende Aufgaben konzentrieren, die Kreativität, Urteilsvermögen und soziale Kompetenz erfordern.
KI schafft Zeit und Freiräume, um neue Geschäftsmodelle zu denken und umzusetzen. Das Potenzial ist riesig – vor allem, wenn Unternehmen Weiterbildung und Prozessanpassungen ernst nehmen.

Vom Maschinenbauer zum Softwareunternehmen – ein Beispiel

Ein Beispiel aus der Praxis: Die Veigel GmbH, ein deutscher Maschinenbauer mit über 100 Jahren Geschichte, spezialisiert auf Fahrschultechnik (z. B. Doppelpedale), richtete sich per KI und Digitalisierung neu aus – und ist heute auch Softwareanbieter. Gemeinsam mit dem IPAI in Heilbronn entwickelte man eine KI für Fahrschulen, die den Fahrlehrer unterstützt und die Qualität der Ausbildung verbessert. So entstehen neue Geschäftsfelder, die das Kerngeschäft stützen – und die Zukunft des Unternehmens sichern.

Deutschland steht an der Kreuzung

Mit dem Novum zu mehr Wohlstand oder Rückschritt ins letzte Jahrhundert? Während Länder wie die USA, China oder Südkorea längst massiv in KI und Automatisierung investieren, zögert Deutschland noch. Das Problem: Wer zögert, verliert. Denn im globalen Wettbewerb gewinnt, wer effizient, innovativ und skalierbar ist.
Wir stehen an der Kreuzung. Der eine Weg: Verzicht auf KI. Klingt nach „alles bleibt beim Alten“, führt aber direkt in die Sackgasse. Maschinen stehen still, Fachkräfte werden unbezahlbar, Umsätze brechen weg. Gewinne? Wenn überhaupt, nur durch Outsourcing – das aber löst das Problem nicht, es verschiebt es nur.
Der andere Weg: die Technologie reinholen, Prozesse smarter machen, die Belegschaft entlasten. Wer das schafft, kann mit weniger Menschen mehr erreichen, Fachkräfte halten, besser zahlen und neue Ideen realisieren. Sie wird zum Motor – nicht nur für Effizienz, sondern für echte Zukunftsfähigkeit. Trotz Krisen und Fachkräftemangel lässt sich durch KI und Digitalisierung die Wirtschaftlichkeit steigern. Genau das ist der Gamechanger in schwierigen Zeiten.
KI steigert Wirtschaftlichkeit durch Automatisierung, Effizienz und gezielte Entscheidungsunterstützung. Mit weniger oder nicht voller Personaldecke lassen sich mindestens gleiche Ergebnisse erzielen. Der Schlüssel: KI ergänzt Menschen, ersetzt sie punktuell bei Engpässen und verstärkt die Wirkung jeder einzelnen Arbeitskraft. Damit wird jene zum Tool für mehr Wirtschaftlichkeit – und zum Garant für Wohlstand.

Birgit Heinermann, CEO Heinermann Consulting, ist ausgewiesene Expertin für komplexe Transformation und Kulturwandel im Mittelstand und begleitet Unternehmen bei der Entwicklung zukunftsfähiger Strategien rund um Digitalisierung, KI und Leadership. Ihre Mission ist es, Technologieverständnis mit einem tiefen Gespür für Menschen, Prozesse und unternehmerische Realität zu verknüpfen. www.heinermann-consulting.de

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