Business & Beyond Merz’ Pflicht-Offensive für 80.000 neue Soldaten: Sicherheit first, Wirtschaft second

Merz’ Pflicht-Offensive für 80.000 neue Soldaten: Sicherheit first, Wirtschaft second

Kanzler Merz plant ein verpflichtendes Dienstjahr für alle jungen Menschen. Der Grund: Die Bundeswehr braucht 80.000 zusätzliche Soldaten – mit massiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft.

Deutschland steht vor einem wirtschaftspolitischen Kraftakt. 80.000 Soldaten fehlen der Bundeswehr, um die Nato-Zusagen zu erfüllen. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat nun einen Plan vorgelegt, der den Arbeitsmarkt grundlegend verändern könnte: ein verpflichtendes Dienstjahr für alle jungen Menschen – unabhängig vom Geschlecht.

Verfassungsänderung für Pflichtdienst nötig

In der ARD-Sendung „Caren Miosga“ machte Merz seine Position deutlich. „Ich vermute, es wird bei Freiwilligkeit allein nicht bleiben“, erklärte der Kanzler dort.

Die Bundeswehr benötigt etwa 80.000 zusätzliche aktive Soldaten, um die von der Nato geforderte Truppenstärke von 260.000 zu erreichen. Für dieses ambitionierte Ziel müsste das Grundgesetz geändert werden, denn aktuell dürfen Frauen nicht zum Wehrdienst verpflichtet werden.

Wirtschaftliche Folgen für den Arbeitsmarkt

Die ökonomischen Konsequenzen wären erheblich. Pro Jahrgang gibt es in Deutschland etwa 350.000 junge Männer und ebenso viele Frauen. Ein verpflichtendes Jahr würde bedeuten, dass dem Arbeitsmarkt jährlich 700.000 potenzielle Arbeitskräfte temporär entzogen werden – in Zeiten des Fachkräftemangels ein signifikanter Einschnitt.

Die Idee hinter dem Pflichtjahr sei mehr gesellschaftliche Verantwortung und Zusammenhalt, berichtet „Bild“. Abgeleistet werden könnte das Jahr in der Bundeswehr, im sozialen Bereich oder bei zivilen Einrichtungen.

Konfliktpotenzial in der Regierung

Der Vorstoß sorgt für Spannungen in der Regierung. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) setzt bislang auf Freiwilligkeit mit finanziellen Anreizen. Die Bundestagsberatung über das neue Wehrdienstgesetz wurde kürzlich verschoben und soll nun in der übernächsten Woche stattfinden.

Parallel dazu kündigte Merz Änderungen beim Bürgergeld an. Der Name soll verschwinden und durch „Grundsicherungsgesetz“ ersetzt werden, wie „Bild“ berichtet. Die Union will zudem stärkere Regeln gegen Missbrauch und mehr Anreize für die Arbeitsaufnahme durchsetzen.

Business Punk Check

Der Pflichtdienst-Vorstoß ist mehr als nur Sicherheitspolitik – er ist ein massiver Eingriff in den Arbeitsmarkt. Jährlich 700.000 junge Menschen dem Arbeitsmarkt zu entziehen, würde den Fachkräftemangel dramatisch verschärfen. Besonders Startups und mittelständische Unternehmen, die ohnehin um Talente kämpfen, müssten mit weiteren Engpässen rechnen.

Die volkswirtschaftlichen Kosten durch entgangene Wertschöpfung könnten in die Milliarden gehen. Gleichzeitig könnte der Pflichtdienst aber auch Chancen bieten: Junge Menschen erwerben Soft Skills wie Teamfähigkeit und Resilienz. Für Unternehmen bedeutet das: Personalplanung neu denken, Ausbildungskonzepte anpassen und flexible Einstiegsmodelle für Rückkehrer entwickeln. Die Wirtschaft braucht jetzt einen klaren Fahrplan, keine politischen Überraschungsmanöver.

Häufig gestellte Fragen

  • Wie können Unternehmen sich auf den drohenden Pflichtdienst vorbereiten?
    Unternehmen sollten jetzt Personalstrategien entwickeln, die flexible Ein- und Ausstiegsszenarien für junge Mitarbeiter ermöglichen. Ausbildungsprogramme könnten um Vorab-Praktika erweitert werden, um Talente frühzeitig zu binden. Zudem lohnt es sich, Kooperationen mit Bundeswehr und sozialen Einrichtungen zu prüfen, um Synergien während des Pflichtdienstes zu schaffen.
  • Welche Branchen wären besonders vom Pflichtdienst betroffen?
    Besonders hart träfe es Branchen mit hohem Anteil junger Berufseinsteiger: IT-Startups, Handwerk, Gastronomie und Pflegesektor. Diese müssten mit Verzögerungen bei Ausbildungsbeginn und Berufseinstieg rechnen. Gleichzeitig könnten Dienstleister für Bundeswehr und soziale Einrichtungen profitieren.
  • Gibt es wirtschaftliche Vorteile durch den Pflichtdienst?
    Langfristig könnten Unternehmen von besser ausgebildeten Soft Skills profitieren: Teamfähigkeit, Belastbarkeit und Organisationsvermögen werden im Pflichtdienst gefördert. Zudem entstünden neue Geschäftsfelder in der Ausrüstung und Versorgung der zusätzlichen 80.000 Soldaten – ein Milliardenmarkt für die Verteidigungsindustrie und deren Zulieferer.
  • Wie realistisch ist die Umsetzung aus wirtschaftspolitischer Sicht?
    Die notwendige Verfassungsänderung erfordert eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag. Wirtschaftsverbände dürften massiven Widerstand leisten, da der Fachkräftemangel bereits jetzt das Wachstum bremst. Realistisch erscheint ein schrittweises Modell mit wirtschaftlichen Ausgleichsmechanismen und Übergangsfristen für besonders betroffene Branchen.

Quellen: „Bild“

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