Tech & Trends Die Hardware-Wette: OpenAI will mit Jony Ive das nächste iPhone-Moment schaffen

Die Hardware-Wette: OpenAI will mit Jony Ive das nächste iPhone-Moment schaffen

Sam Altman und Apple-Legende Jony Ive entwickeln eine neue Geräteklasse, die unsere Beziehung zur Technologie grundlegend verändern soll. Parallel baut OpenAI ein App-Ökosystem direkt in ChatGPT.

Die KI-Revolution bekommt ein Gesicht – oder besser gesagt: eine Form. OpenAI-CEO Sam Altman und Ex-Apple-Designchef Jony Ive arbeiten gemeinsam an einer „Gerätefamilie“, die weder Smartphone noch Computer sein wird.

Auf der Entwicklerkonferenz in San Francisco sprachen beide über ihre Vision einer völlig neuen Gerätekategorie, die unser Verhältnis zur Technologie neu definieren soll.

Die Hardware-Vision: Mehr als nur Produktivität

„So großartig Smartphones und Computer auch sind, es gibt etwas Neues zu entwickeln“, erklärte Altman laut „Wired“ auf der Bühne. Das Duo bestätigte, dass mehrere Hardware-Produkte in Arbeit sind, hielt sich aber mit konkreten Details zurück. „Hardware ist schwierig. Neue Computing-Formfaktoren zu entwickeln ist schwierig“, räumte Altman ein.

Ive und sein Team haben bereits „15 bis 20 wirklich überzeugende Produktideen“ entwickelt, wie „Wired“ berichtet. Dabei geht es dem Designer nicht primär um Effizienzsteigerungen. Seine Vision: Geräte, die „uns glücklicher, erfüllter und friedlicher machen, weniger ängstlich und weniger isoliert“. Eine bemerkenswerte Abkehr vom typischen Silicon-Valley-Mantra der Produktivitätssteigerung.

Die neue Hardware-Kategorie: Screenless und umgebungsbewusst

Frühere Berichte deuten darauf hin, dass OpenAI eine völlig neue Hardware-Kategorie plant, die weder Smartphone noch Laptop ähnelt. Das Gerät könnte ohne Display auskommen und stattdessen auf Kameras und Mikrofone als Eingabemethoden setzen.

Laut „Wired“ soll es die Umgebung und täglichen Erfahrungen des Nutzers wahrnehmen können. Die Markteinführung ist offenbar für Ende 2026 anvisiert, wobei technische Herausforderungen die Entwicklung verzögern. Ive betonte, dass wir aktuell „keine einfache Beziehung zu unserer Technologie“ haben – ein Problem, das er mit den neuen KI-Geräten lösen möchte.

ChatGPT als App-Plattform: Die Software-Strategie

Parallel zur Hardware-Offensive baut OpenAI ChatGPT zur App-Plattform aus. Auf der Entwicklerkonferenz präsentierte das Unternehmen, wie Drittanbieter-Apps direkt in ChatGPT eingebettet werden können. „Dies wird eine neue Generation adaptiver, interaktiver und personalisierter Apps ermöglichen, mit denen man chatten kann“, erklärte Altman laut „Wired“. In einer Live-Demo zeigte OpenAI, wie Apps von Spotify, Canva und Zillow nahtlos in ChatGPT-Konversationen funktionieren.

Ein Entwickler erstellte mit wenigen Befehlen Poster für ein Hundesitter-Unternehmen über die Canva-App, ließ sich von ChatGPT eine ideale Expansionsstadt vorschlagen und durchsuchte dann über die Zillow-App Immobilienangebote in dieser Stadt. Altman kündigte zudem an, dass OpenAI bald ein „agentenbasiertes Handelsprotokoll“ mit direkter Checkout-Funktion innerhalb von ChatGPT einführen wird. Dies würde Entwicklern neue Monetarisierungsmöglichkeiten eröffnen.

Business Punk Check

Die Vision klingt revolutionär, aber der Zeitplan bis 2026 offenbart: Hier wird mehr versprochen als kurzfristig geliefert. OpenAIs Hardware-Offensive ist ein klassischer Moonshot – hochriskant mit ungewissem Ausgang. Die Erfolgsbilanz bei ChatGPT-Apps ist zudem durchwachsen: Von den 3 Millionen erstellten GPTs seit Januar 2024 haben sich nur wenige durchgesetzt.

Die eigentliche Revolution liegt nicht im Hardware-Hype, sondern in der Plattformstrategie: Wer das App-Ökosystem für KI kontrolliert, dominiert den nächsten Computing-Zyklus. Für Unternehmen heißt das: Nicht auf die Hardware-Utopie warten, sondern jetzt die ChatGPT-Plattform als Vertriebskanal testen – bevor die Konkurrenz es tut.

Häufig gestellte Fragen

  • Lohnt es sich für Unternehmen, auf OpenAIs Hardware-Pläne zu warten?
    Nein. Der Zeithorizont bis 2026 ist zu lang für operative Geschäftsentscheidungen. Stattdessen sollten Unternehmen die bestehenden ChatGPT-Integrationen nutzen und die App-Plattform als potenziellen Vertriebskanal evaluieren.
  • Welche ChatGPT-Apps bieten aktuell den größten Business-Mehrwert?
    Produktivitätstools wie Canva für schnelle Designlösungen und datengetriebene Anwendungen wie Zillow zeigen das größte Potenzial. Erfolgreiche Apps lösen konkrete Probleme in Echtzeit und sparen Wechsel zwischen verschiedenen Plattformen.
  • Wie können Unternehmen vom neuen ChatGPT-App-Ökosystem profitieren?
    Entwickeln Sie schlanke, fokussierte Apps, die einen spezifischen Workflow optimieren. Nutzen Sie die Vorschauversion des SDK, um früh Erfahrungen zu sammeln. Wichtig ist ein klares Monetarisierungsmodell, das die angekündigte Checkout-Funktion nutzt.
  • Was unterscheidet Ives und Altmans Vision von bisherigen KI-Hardware-Ansätzen?
    Der Fokus auf emotionales Wohlbefinden statt reiner Effizienz ist einzigartig. Während Google, Meta und andere primär auf Produktivität setzen, zielt das OpenAI/Ive-Projekt auf eine fundamentale Verbesserung unserer Technologiebeziehung – ein Ansatz, der eher Apple-typisch ist.

Quellen: „Wired“

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