Business & Beyond Silicon Valley tanzt wieder mit Trump: 300 Millionen Dollar für Einfluss und Immunität

Silicon Valley tanzt wieder mit Trump: 300 Millionen Dollar für Einfluss und Immunität

Trump lässt den Ostflügel des Weißen Hauses abreißen und baut einen luxuriösen Ballsaal – finanziert von Tech-Giganten, Rüstungskonzernen und Krypto-Milliardären. Ein Deal mit klaren Erwartungen.

Donald Trump schafft Fakten im Eiltempo. Während Bagger bereits den historischen Ostflügel des Weißen Hauses abtragen, wird die Liste der Geldgeber für den neuen Prachtbau immer länger.

Die Spenderliste liest sich wie das Who’s Who der amerikanischen Wirtschaftselite – mit auffälliger Dominanz der Tech-Branche. Ausgerechnet jene Unternehmen, die Trump in seiner ersten Amtszeit noch kritisch gegenüberstanden, überbieten sich jetzt mit Millionenbeträgen.

Silicon Valley kauft sich Einfluss

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Statt der ursprünglich veranschlagten 200 Millionen Dollar soll der neue Ballsaal nun 300 Millionen Dollar kosten, wie Trump selbst bestätigte. Laut „Business Insider“ hat das Weiße Haus eine Liste mit 37 Spendern veröffentlicht, darunter Schwergewichte wie Apple, Amazon, Meta und Microsoft. Auch die US-Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile, findet sich unter den Geldgebern. Besonders pikant: Google steuert 22 Millionen Dollar bei – als Teil einer außergerichtlichen Einigung nach einem Rechtsstreit.

Der Konzern hatte Trumps YouTube-Kanal nach dem Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 gesperrt, wie „t3n“ berichtet. Nun fließt das Geld in einen „Restaurierungsfonds“, der den neuen Ballsaal mitfinanziert.

Krypto-Milliardäre und Rüstungskonzerne mischen mit

Nicht nur Big Tech, auch die Krypto-Szene ist prominent vertreten. Die Bitcoin-Pioniere Tyler und Cameron Winklevoss gehören ebenso zu den Spendern wie Unternehmen aus dem Blockchain-Bereich: Coinbase, Ripple und Tether America.

Laut „fr“ ergänzen Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin und Palantir sowie Einzelspender wie der Milliardär Stephen Schwarzman die illustre Runde. Der neue Ballsaal soll mit über 8.000 Quadratmetern Platz für bis zu 1.000 Gäste bieten. Architektonisch orientiert sich Trump offenbar am pompösen Stil seines Privatanwesens Mar-a-Lago – ein deutlicher Bruch mit der zurückhaltenden Ästhetik des Weißen Hauses.

Gegenleistung erwünscht: Kartellverfahren und KI-Regulierung

Die plötzliche Spendenbereitschaft der Tech-Branche kommt nicht von ungefähr. Unter Bidens Regierung sah sich Silicon Valley mit verschärften Kartellverfahren konfrontiert. Trump positioniert sich deutlich industriefreundlicher und verspricht Bürokratieabbau, besonders bei der KI-Entwicklung.

Für Tech-Unternehmen steht viel auf dem Spiel – von Kartellverfahren bis zur Regulierung neuer Technologien. Die Transformation ist bemerkenswert: Meta, das für Trumps erste Präsidentschaftskandidatur nichts spendete, gab für die zweite eine Million Dollar. Amazon steigerte seine Unterstützung von 58.000 auf eine Million Dollar, wie „Business Insider“ dokumentiert. Die Spenden für den Ballsaal setzen diesen Trend fort.

Ethische Bedenken und fehlende Genehmigungen

Der Umbau erfolgt im Eiltempo und ohne die üblichen Genehmigungsverfahren. Die zuständige National Capital Planning Commission ist wegen des Regierungs-Shutdowns geschlossen. Ethikexperten schlagen Alarm: Richard Painter, ehemaliger Ethikberater im Weißen Haus, bezeichnet das Projekt laut „fr“ als „ethischen Albtraum“, da Unternehmensspenden direkten Zugang zur Macht verschaffen könnten.

Für die Deutsche Telekom ist die Beteiligung ihrer US-Tochter besonders heikel. T-Mobile US ist auf regulatorische Entscheidungen der amerikanischen Regierung angewiesen und bezeichnet die Spende als „Ehre“ – ohne konkrete Summen zu nennen.

Business Punk Check

Das Weiße Haus als Handelsobjekt – Trump verkauft Einfluss im Premium-Segment. Die 300-Millionen-Dollar-Spendenliste offenbart ein perfektes Beispiel für modernen Lobbyismus: Statt diskreter Hinterzimmer-Deals gibt es jetzt öffentliche Spenderlisten mit Namensplaketten. Besonders clever: Die Gelder fließen über eine gemeinnützige Stiftung, was steuerliche Vorteile bringt.

Für Tech-Giganten ist das ein Schnäppchen – Google zahlt lieber 22 Millionen für Trumps Ballsaal als Milliarden für Kartellstrafen. Die Telekom-Beteiligung zeigt, wie global dieses Spiel funktioniert. Unternehmen, die nicht auf der Liste stehen, müssen sich fragen: Werden wir bei der nächsten Regulierungswelle benachteiligt? Der wahre Preis dieser Transaktionen wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen – in Form von aufgeweichten Kartellverfahren, Tech-freundlicher Regulierung und lukrativen Regierungsaufträgen.

Häufig gestellte Fragen

  • Welche konkreten Vorteile erhoffen sich Tech-Unternehmen von ihren Spenden an Trumps Ballsaal?
    Die Unternehmen zielen auf regulatorische Erleichterungen ab – besonders bei Kartellverfahren, Datenschutzregulierungen und KI-Entwicklung. Google konnte bereits einen Rechtsstreit mit einer 22-Millionen-Dollar-Spende beilegen. Für andere Tech-Giganten geht es um Milliardenwerte bei drohenden Kartellstrafen und Unternehmensaufspaltungen.
  • Wie können mittelständische Unternehmen ohne Millionenbudgets politischen Einfluss sichern?
    Mittelständler sollten auf Branchenverbände setzen, die kollektiv mehr Gewicht haben. Alternativ bieten sich strategische Partnerschaften mit größeren Playern an, die bereits Zugang zur Politik haben. Wichtig ist auch die Spezialisierung auf Nischen, die für die Administration relevant sind – etwa im Bereich Cybersecurity oder kritische Infrastruktur.
  • Welche Branchen könnten als nächstes von Trumps wirtschaftsfreundlicher Politik profitieren?
    Neben Tech und Rüstung dürften besonders Energie (fossile Brennstoffe), Finanzdienstleister und Pharmaunternehmen von Deregulierung profitieren. Die Krypto-Branche positioniert sich bereits strategisch mit Spenden der Winklevoss-Zwillinge und Unternehmen wie Coinbase – hier könnte eine deutlich lockerere Regulierung als unter Biden folgen.
  • Wie wirkt sich die Telekom-Beteiligung auf das Deutschlandgeschäft aus?
    Für die Deutsche Telekom ist die Spende ihrer US-Tochter ein Balanceakt. Einerseits sichert sie sich Wohlwollen in den USA, andererseits riskiert sie Kritik in Deutschland. Unternehmen mit transatlantischem Geschäft müssen künftig verstärkt mit solchen Zielkonflikten rechnen und klare Compliance-Strategien entwickeln.

Quellen: „t3n“, „fr“, „Business Insider“

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