Business & Beyond Standort im Schneckentempo: Deutschland bleibt Europas Wachstums-Bremse

Standort im Schneckentempo: Deutschland bleibt Europas Wachstums-Bremse

Die deutsche Wirtschaft wächst 2026 um 1,2 Prozent – besser als erwartet, aber weiter unter EU-Durchschnitt. Während Malta und Polen boomen, kämpft der einstige Wirtschaftsmotor mit strukturellen Problemen.

Deutschland kommt nicht in die Gänge. Die größte Volkswirtschaft Europas bleibt auch 2026 unter dem EU-Durchschnitt – trotz leicht verbesserter Prognosen. Während Länder wie Malta mit 3,8 Prozent oder Polen mit 3,5 Prozent regelrecht boomen, schleppt sich die deutsche Wirtschaft mit mageren 1,2 Prozent Wachstum durch das kommende Jahr, wie aktuelle Zahlen aus Brüssel zeigen.

Minimal-Wachstum statt Stillstand

Immerhin: Die EU-Kommission korrigiert ihre Prognose für Deutschland leicht nach oben. Statt der im Frühjahr vorhergesagten 1,1 Prozent soll das BIP nun um 1,2 Prozent zulegen, wie „tagesschau.de“ berichtet. Für das laufende Jahr 2025 rechnen die Brüsseler Experten mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent – nach einer zunächst befürchteten Stagnation. Damit bleibt Deutschland allerdings weiterhin eines der Schlusslichter in Europa.

Nur Finnland mit 0,1 Prozent Wachstum und Irland mit prognostizierten 0,2 Prozent für 2026 schneiden noch schlechter ab. Der EU-Durchschnitt liegt laut „Spiegel“ bei 1,4 Prozent, während der Euroraum insgesamt auf 1,2 Prozent kommen soll. Die Bundesregierung zeigt sich mit einer Erwartung von 1,3 Prozent für 2026 etwas optimistischer als die EU-Kommission.

Geopolitische Risiken bremsen Aufschwung

Die Gründe für die anhaltende Schwäche sind vielfältig. Strukturelle Probleme wie hohe Energiepreise, steigende Sozialabgaben und zu viel Bürokratie belasten den Standort, analysiert die „Süddeutsche Zeitung“. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, die den wirtschaftlichen Ausblick trüben.

Besonders die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und die Handelskonflikte mit China stellen Risikofaktoren dar. Weltweit haben Handelsbarrieren historische Höchststände erreicht, wie „tagesschau.de“ berichtet. Die EU sieht sich mit höheren durchschnittlichen Zöllen auf Exporte in die USA konfrontiert als noch in der Frühjahrsprognose 2025 angenommen.

Lichtblicke am Horizont

Trotz aller Herausforderungen gibt es auch positive Signale. Aktuelle Unternehmensindikatoren und Umfragedaten deuten laut „Spiegel“ auf eine anhaltend positive Dynamik in den kommenden Quartalen hin. Ein robuster Arbeitsmarkt, steigende Kaufkraft und günstige Finanzierungsbedingungen stützen ein moderates Wirtschaftswachstum.

Die Binnennachfrage dürfte über den gesamten Prognosezeitraum hinweg der wichtigste Wachstumstreiber bleiben. Der private Verbrauch wird voraussichtlich kontinuierlich zulegen – auch gestützt durch einen allmählichen Rückgang der Sparquote, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.

Andere Experten noch pessimistischer

Während die EU-Kommission ihre Prognose leicht anhebt, bleiben andere Wirtschaftsinstitute deutlich zurückhaltender. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für Deutschland 2026 nur mit einem Zuwachs von 0,9 Prozent, wie „tagesschau.de“ meldet. Mit dem gleichen minimalen Wachstum rechnet auch der Sachverständigenrat der „Wirtschaftsweisen“.

Damit würde Deutschland nach derzeitiger EU-Prognose auch im kommenden Jahr wieder zu den Schlusslichtern in der EU zählen, aber immerhin mit Frankreich gleichziehen und leicht vor Italien liegen.

Business Punk Check

Der Standort Deutschland steckt in einer strukturellen Krise – und niemand packt die Probleme wirklich an. Während Polen mit Bürokratieabbau und Digitalisierung punktet, verheddern sich deutsche Unternehmen in Regulierungsdschungeln und Energiepreisdebatten. Die Wahrheit ist: Deutschland hat sein Geschäftsmodell nicht rechtzeitig modernisiert.

Statt auf Zukunftstechnologien zu setzen, klammert sich die Wirtschaftspolitik an alte Erfolgsrezepte. Für Startups und Mittelstand bedeutet das: Wer wachsen will, muss entweder gegen den Standortnachteil ankämpfen oder gleich international denken. Die Mini-Wachstumsraten sind kein Konjunkturproblem, sondern Symptom einer tieferen Krise des deutschen Wirtschaftsmodells.

Häufig gestellte Fragen

  • Was bedeuten die schwachen Wachstumszahlen für den deutschen Mittelstand?
    Mittelständische Unternehmen müssen mit anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen rechnen. Wer nicht ins Ausland expandiert oder digitale Geschäftsmodelle entwickelt, wird es schwer haben, überdurchschnittlich zu wachsen. Besonders energieintensive Branchen sollten ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren.
  • Welche Branchen können trotz schwachem Gesamtwachstum profitieren?
    Vor allem Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien, Digitalisierung und Gesundheitswesen haben gute Wachstumschancen. Auch Anbieter von Effizienzlösungen, die Unternehmen helfen, Kosten zu senken, können gegen den Trend wachsen.
  • Wie sollten Unternehmen auf die geopolitischen Risiken reagieren?
    Diversifizierung ist das Gebot der Stunde. Wer zu abhängig von einzelnen Märkten wie USA oder China ist, sollte alternative Absatzmärkte erschließen. Gleichzeitig lohnt es sich, Lieferketten zu überprüfen und resilientere Strukturen aufzubauen.
  • Welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen könnten Deutschland wieder auf Wachstumskurs bringen?
    Ein konsequenter Bürokratieabbau, beschleunigte Digitalisierung der Verwaltung und eine Reform der Unternehmensbesteuerung wären wichtige Schritte. Zudem braucht es massive Investitionen in Bildung und digitale Infrastruktur, um den Standort zukunftsfähig zu machen.

Quellen: „Spiegel“, „tagesschau.de“, „Süddeutsche Zeitung“

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