Work & Winning Exit-Signale: Diese Chef-Codes zeigen dir, dass du das Unternehmen verlassen solltest

Exit-Signale: Diese Chef-Codes zeigen dir, dass du das Unternehmen verlassen solltest

Der Arbeitsmarkt wandelt sich, autoritäre Führungsstile kehren zurück. Ein Anwalt erklärt die versteckten Zeichen einer drohenden Kündigung und wie Arbeitnehmer strategisch reagieren sollten.

Der deutsche Arbeitsmarkt erlebt eine stille Transformation. Während Arbeitnehmer noch immer häufiger kündigen als Arbeitgeber, zeichnet sich ein Comeback autoritärer Führungsmethoden ab. Hinter den weißen Sneakern und Hoodies moderner Manager verbergen sich zunehmend klassische Hierarchiedenker, die Mitarbeiter in Leistungsklassen einteilen. Wer die Zeichen einer drohenden Kündigung frühzeitig erkennt, kann strategisch reagieren – oder rechtzeitig das sinkende Schiff verlassen.

Die drei Kündigungsarten und ihre Vorboten

Betriebsbedingt, personenbedingt oder verhaltensbedingt – so lauten die drei offiziellen Kündigungsgründe im Arbeitsrecht. „Häufig erfahren Arbeitnehmer gar nicht die wahren Gründe für eine Kündigung“, erklärt Rechtsanwalt Philipp Hammerich gegenüber „BuzzFeed News“. Unternehmen suchten vielmehr nach der rechtlich sichersten Methode, um unliebsame Mitarbeiter loszuwerden.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 158.000 Kündigungsverfahren landeten 2023 vor deutschen Arbeitsgerichten. Besonders betriebsbedingte Kündigungen dürften laut Hammerich in den kommenden Jahren zunehmen – nicht zuletzt durch den verstärkten KI-Einsatz, der bestimmte Jobprofile besonders gefährdet. Selbst profitable Unternehmen schließen oder verkleinern Abteilungen mit unterdurchschnittlicher Performance. „Unternehmen kennen die Schlupflöcher ganz genau“, so der Anwalt, wie „Merkur“ zitiert.

Alarmsignale richtig deuten

Bei betriebsbedingten Kündigungen gibt es typische Warnsignale. Meetings über sinkende Umsätze oder notwendige Umstrukturierungen sollten die Alarmglocken läuten lassen. Auch Abmahnungen sind ein deutliches Warnsignal – selbst wenn sie auf den ersten Blick banal erscheinen. Viele Mandanten hielten Abmahnungen für lächerlich, wenn sie beispielsweise nur fünf Minuten zu spät gekommen seien.

Tatsächlich werden sie jedoch oft gezielt eingesetzt, um spätere Kündigungen rechtlich abzusichern. Besonders kritisch wird es bei längeren Krankheitszeiten. Wer mehrfach länger als sechs Wochen ausfällt, sollte sich „vorsorglich für eine Kündigung wappnen“, rät der Anwalt. Nach mehreren betrieblichen Eingliederungsmanagements stellen sich viele Unternehmen die Frage, ob eine Trennung sinnvoll wäre. Auch bei kürzeren, aber häufigen Krankheitszeiten steigt das Risiko – vor allem für leicht ersetzbare Positionen.

Strategische Optionen nach der Kündigung

Wer die Anzeichen einer drohenden Kündigung erkennt, steht vor einer strategischen Entscheidung: Bleiben und kämpfen oder gehen und neu starten? Laut „BuzzFeed News“ rät Hammerich Arbeitnehmern mit guten Jobaussichten, genau abzuwägen, ob der emotionale und organisatorische Stress einer Klage den potenziellen Nutzen rechtfertigt. Die Statistik zeigt: 80 bis 90 Prozent aller Kündigungsschutzklagen enden in einem Vergleich. Durchschnittlich erhalten Kläger dabei ein halbes Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr als Abfindung.

„Es hängt immer davon ab, wie wichtig es dem Arbeitgeber ist, den Mitarbeiter loszuwerden. Ist dieser Wunsch sehr hoch, bekommen wir meist viel höhere Abfindungen hin“, erklärt der Rechtsanwalt. Entscheidend ist die Dreiwochenfrist für Kündigungsschutzklagen. „Wer merkt, dass es im Betrieb ‚hakelig‘ wird, sollte den Briefkasten daher regelmäßig checken und auch im Urlaub eine Person dafür beauftragen“, empfiehlt der Anwalt. Nicht selten würden Kündigungen strategisch während der Urlaubszeit zugestellt.

Business Punk Check

Die Realität des Arbeitsmarkts 2024 ist härter als die Hochglanzrhetorik vom „War for Talents“ suggeriert. Während HR-Manager öffentlich über New Work philosophieren, kehren hinter verschlossenen Türen alte Machtstrukturen zurück. Die Wahrheit: In wirtschaftlich angespannten Zeiten werden Mitarbeiter wieder zur austauschbaren Ressource. Besonders gefährdet: Standardisierbare Tätigkeiten, die durch KI ersetzbar sind.

Wer überleben will, muss seine Alleinstellungsmerkmale schärfen und Netzwerke pflegen. Die klügste Strategie ist nicht der Kampf um den alten Job, sondern die strategische Neupositionierung – idealerweise bevor die Kündigung im Briefkasten liegt. Der Arbeitsmarkt bleibt in Bewegung, aber die Machtverhältnisse verschieben sich subtil zugunsten der Arbeitgeber.

Häufig gestellte Fragen

  • Welche Mitarbeiterprofile sind besonders von KI-bedingten Kündigungen bedroht?
    Standardisierbare Tätigkeiten in Verwaltung, Buchhaltung und Kundenservice stehen besonders unter Druck. Auch mittleres Management könnte durch automatisierte Entscheidungsprozesse gefährdet sein. Sicherer sind kreative Berufe, hochspezialisierte Fachkräfte und Positionen mit intensivem Kundenkontakt.
  • Wie kann man sich gegen eine betriebsbedingte Kündigung absichern?
    Entwickeln Sie Spezialkompetenzen, die im Unternehmen selten vorhanden sind. Dokumentieren Sie Ihre Erfolge und Alleinstellungsmerkmale kontinuierlich. Pflegen Sie strategische Beziehungen zu Entscheidern und Kunden. Bleiben Sie über Restrukturierungspläne informiert und positionieren Sie sich frühzeitig in zukunftssicheren Abteilungen.
  • Lohnt sich der Rechtsweg bei einer Kündigung wirtschaftlich?
    Die reine Kosten-Nutzen-Rechnung spricht oft dagegen. Mit durchschnittlich einem halben Monatsgehalt pro Jahr als Abfindung und hohem emotionalen Aufwand ist der Return on Investment begrenzt. Ausnahmen: Bei offensichtlich rechtswidriger Kündigung, kurz vor Erreichen besonderer Schutzrechte oder wenn die Verhandlungsposition besonders stark ist.
  • Wie erkennt man frühzeitig, dass das eigene Jobprofil gefährdet ist?
    Achten Sie auf sinkende Investitionen in Ihre Abteilung, Ausschluss von strategischen Meetings, veränderte Kommunikationsmuster der Führungskräfte und plötzliche Dokumentationsanforderungen. Auch die verstärkte Einbindung externer Berater oder Pilotprojekte zur Prozessautomatisierung sind Warnsignale.

Quellen: „Merkur“ „BuzzFeed News“

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