Business & Beyond VWs Batterie-Offensive in Salzgitter: Spätzünder mit Milliardenplan

VWs Batterie-Offensive in Salzgitter: Spätzünder mit Milliardenplan

Während andere Autobauer ihre Batteriepläne einfrieren, wagt VW mit PowerCo den Alleingang. Zwei Milliarden Euro für die Unabhängigkeit vom asiatischen Batteriemarkt – ein mutiger Schritt oder verzweifelter Versuch?

Volkswagen setzt alles auf eine Karte: Mit dem offiziellen Produktionsstart der hauseigenen Batteriezellenfabrik in Salzgitter wagt der Konzern, woran andere europäische Autobauer scheiterten. Aus dem ehemaligen Motorenwerk wird ein High-Tech-Standort für die Elektromobilität – komplett mit weißen Reinräumen und strengsten Produktionsbedingungen. Zwei Milliarden Euro investiert VW laut „Zeit“ in den Standort, um die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern zu reduzieren.

Die Einheitszelle als Kostenbremse

Die VW-Tochter PowerCo produziert in Salzgitter die sogenannte Einheitszelle – ein standardisiertes Batterieformat, das künftig in 80 Prozent aller Elektrofahrzeuge des Konzerns verbaut werden soll.

Damit will VW die Kosten deutlich senken, denn laut „volkswagen-group.com“ entfallen bis zu 40 Prozent der Gesamtkosten eines E-Autos auf die Batterie. Die Produktion startet mit wenigen hundert Zellen täglich, soll aber auf bis zu 60.000 Einheiten hochgefahren werden – genug für etwa 500 Elektrofahrzeuge pro Tag.

Spätzünder mit Aufholbedarf

Der Einstieg in die eigene Batterieproduktion kommt spät. Während asiatische Konkurrenten wie CATL, BYD und LG den Markt dominieren und einen Vorsprung von 10 bis 15 Jahren haben, musste VW erst umdenken. „Nur leider viel zu spät“, kommentiert Automobilexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management die VW-Pläne im „ndr.de“.

Noch 2016 hatte Ex-VW-Chef Matthias Müller eine eigene Batterieproduktion als „Blödsinn“ abgetan.

Globale Expansion trotz Sparkurs

Trotz eines konzernweiten Sparkurses hält VW an der Batteriestrategie fest. Das ursprüngliche Budget wurde zwar von 15 auf 10 Milliarden Euro gekürzt, wie „Zeit“ berichtet, doch neben Salzgitter entstehen weitere Werke in Valencia (Spanien) und St. Thomas (Kanada).

Dort soll die Produktion 2026 und 2027 starten. PowerCo-Chef Frank Blome sucht bereits nach externen Investoren, auch ein Börsengang steht im Raum.

Industrialisierung als Trumpfkarte

VW setzt auf seine Kernkompetenz: Massenproduktion. „Wir haben heute schon Hunderte Beschäftigte aus Salzgitter, die den Hochlauf fachlich unterstützen. Und was VW neben der Technologie noch auszeichnet, ist die Fähigkeit zu industrialisieren“, erklärt Technikvorstand Thomas Schmall laut „ndr.de“.

Die ersten Einheitszellen werden in den neuen Kleinwagen VW ID. Polo und Cupra Raval verbaut. „Dort gehen sie für finale Tests in die Fahrzeuge“, so Schmall laut „ndr.de“.

Business Punk Check

VW wagt den teuren Alleingang in einem Markt, den asiatische Hersteller längst dominieren. Die Rechnung ist riskant: Während BMW und Mercedes ihre Batteriepläne einstampfen, verbrennt VW Milliarden für den Aufbau eigener Kapazitäten. Der wahre Knackpunkt: Selbst wenn die Produktion reibungslos läuft, bleibt VW bei der Zelltechnologie im Hintertreffen. Die aktuellen Lithium-Ionen-Batterien sind bereits Mainstream, während die Konkurrenz an Festkörperzellen arbeitet.

VWs Strategie gleicht einem Marathon, bei dem der Läufer erst startet, wenn die Spitzengruppe bereits mehrere Kilometer Vorsprung hat. Die Hoffnung auf einen Börsengang von PowerCo wirkt wie der verzweifelte Versuch, die Kosten des Experiments auszulagern. Für den Standort Deutschland ist die Initiative dennoch wertvoll – sie sichert Know-how und Arbeitsplätze in einer Schlüsseltechnologie.

Häufig gestellte Fragen

  • Kann VW den technologischen Rückstand von 10-15 Jahren wirklich aufholen?
    Realistisch betrachtet wird VW bei der Batterietechnologie mittelfristig Nachzügler bleiben. Der Fokus liegt eher auf Kosteneffizienz durch Skaleneffekte als auf technologischen Durchbrüchen. Unternehmen, die jetzt in die Batterieproduktion einsteigen, sollten Kooperationen mit Technologieführern priorisieren.
  • Was bedeutet VWs Batteriestrategie für den deutschen Mittelstand?
    Zulieferer sollten sich auf neue Wertschöpfungsketten einstellen. Die Batterieproduktion schafft Chancen für Spezialisten in Bereichen wie Automatisierung, Materialwissenschaft und Qualitätssicherung. Mittelständler können durch frühe Positionierung als Partner für PowerCo profitieren.
  • Welche wirtschaftspolitischen Konsequenzen hat die Entscheidung für den Standort Deutschland?
    Die Investition sichert industrielles Know-how und hochqualifizierte Arbeitsplätze. Gleichzeitig zeigt sie die Grenzen europäischer Industriepolitik: Trotz massiver Förderung bleibt der technologische Rückstand bestehen. Für Wirtschaftspolitiker bedeutet dies, Fördergelder künftig stärker auf Zukunftstechnologien zu konzentrieren.
  • Ist VWs Batteriestrategie angesichts der Diskussion um das Verbrenner-Aus noch zeitgemäß?
    Ja. Unabhängig von politischen Debatten wird der Elektroanteil im Automobilmarkt weiter steigen. Unternehmen mit eigener Batteriekompetenz sichern sich strategische Vorteile bei Kosten und Lieferketten – selbst wenn der Verbrennerausstieg später kommt als geplant.

Quellen: „Zeit“, „volkswagen-group.com“, „ndr.de“

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