Business & Beyond Auto-Krieg um Europa: Chinas Verbrenner setzen deutsche Hersteller unter Druck

Auto-Krieg um Europa: Chinas Verbrenner setzen deutsche Hersteller unter Druck

Trumps Zölle blockieren den US-Markt, also flutet China Europa mit Autos. Der Clou: Während im Heimatmarkt Elektroautos dominieren, exportieren chinesische Hersteller massenhaft Verbrenner – und umgehen so EU-Strafzölle.

Der Marktanteil chinesischer Autobauer in Deutschland liegt bei mageren drei Prozent, doch die Zulassungszahlen haben sich binnen eines Jahres verdoppelt. Allein im November rollten über 8.100 Neuwagen chinesischer Marken auf deutsche Straßen – ein Rekordwert.

Was wie ein langsames Herantasten wirkt, ist tatsächlich Teil einer massiven globalen Umverteilungsstrategie. Denn während in China selbst bereits 62 Prozent aller Neuwagen von heimischen Herstellern stammen, laut „nzz.ch“, suchen die Konzerne händeringend nach neuen Absatzmärkten für ihre gewaltigen Überkapazitäten.

Die Trump-Falle und Europas offene Flanke

Donald Trumps Handelspolitik hat den US-Markt für chinesische Autobauer praktisch verschlossen. Die Folge: Eine massive Umlenkung der Exportströme nach Europa. „Wenn es nun dazu kommt, dass die USA als Markt nahezu geschlossen sind, dann müssen sie die Fahrzeuge umdisponieren“, erklärt Autoanalyst Julian Litzinger gegenüber „n-tv.de“.

Besonders pikant: Während in China selbst der Elektroauto-Anteil bei über 50 Prozent liegt, exportieren die chinesischen Hersteller vorwiegend Verbrenner und Plug-in-Hybride. Die Zahlen sind alarmierend: Laut „nzz.ch“ wurden 2024 bereits 35 Prozent aller neuen Autos weltweit in chinesischen Fabriken gefertigt, während Europa nur noch auf 19 Prozent kam. Sechs der zwanzig größten Autobauer weltweit stammen mittlerweile aus China – Tendenz steigend.

Die Überkapazitäten-Strategie

Die chinesische Autoindustrie sitzt auf massiven Überkapazitäten. Nach Schätzungen könnte China jährlich 20 Millionen Elektro- und Hybridfahrzeuge sowie zusätzlich 30 Millionen Verbrenner produzieren. Zum Vergleich: Der gesamte weltweite Autoabsatz lag 2024 bei 75 Millionen Fahrzeugen. „Die chinesischen Hersteller haben große Produktionskapazitäten, die sie auslasten wollen und müssen“, so Litzinger laut „n-tv.de“.

Diese Überkapazitäten werden nun gezielt in Märkte gelenkt, wo der Preisdruck funktioniert. In Spanien und Italien erreichen chinesische Marken bereits Anteile von 9,6 bzw. 7,6 Prozent, in Großbritannien sogar 9,7 Prozent. Norwegen führt mit 13 Prozent. Deutschland bleibt mit drei Prozent noch ein harter Markt. „Deutschland ist als Markt eher schwierig, da heimische Marken schwer zu verdrängen sind“, bestätigt Litzinger gegenüber „n-tv.de“.

Die Verbrenner-Hintertür

Besonders clever: Die EU hat Strafzölle auf chinesische Elektroautos verhängt, um staatliche Subventionen auszugleichen. Doch die chinesischen Hersteller reagieren flexibel – sie exportieren verstärkt Verbrenner und Plug-in-Hybride, die von diesen Zusatzzöllen nicht betroffen sind. Wie „deraktionaer.de“ berichtet, setzen chinesische Hersteller auf extrem schnelle Innovationszyklen und aggressive Preisgestaltung.

Die Folgen treffen vor allem europäische Massenhersteller wie Stellantis (Peugeot, Fiat, Opel), die selbst noch stark vom Verbrennergeschäft abhängig sind. Laut UBS-Analysten, so „nzz.ch“, werden diese am stärksten unter dem chinesischen Vormarsch leiden. Premiumhersteller wie BMW und Mercedes genießen noch eine Gnadenfrist, da chinesische Marken bei Statussymbolen, Wiederverkaufswert und Leasingraten noch nicht konkurrenzfähig sind.

Die Förderungsfalle

Die deutsche Bundesregierung plant Förderungen für Plug-in-Hybride – genau jene Fahrzeugkategorie, die chinesische Hersteller vermehrt nach Europa exportieren. „Die Chinesen werden diese Förderprogramme mitnehmen, aber abhängig sind sie davon nicht“, erklärt Litzinger laut „n-tv.de“. Stattdessen nutzen sie gezielt die Lücken in der europäischen Handelspolitik.

Während in China selbst die Elektromobilität boomt – laut einer Bloomberg-Umfrage bevorzugen über 50 Prozent der chinesischen Neuwagenkäufer E-Autos – werden die Verbrenner massenhaft exportiert. Eine Recherche von Reuters, auf die „nzz.ch“ verweist, zeigt, dass in Märkten wie Südafrika oder Chile fast alle verkauften chinesischen Autos Verbrenner sind.

Business Punk Check

Die europäische Autoindustrie sitzt in einer selbstgebauten Falle: Während man jahrelang auf Verbrenner-Rendite setzte, hat China die Elektromobilität perfektioniert – und nutzt nun die Überkapazitäten, um Europa mit genau jenen Verbrennern zu fluten, an denen europäische Hersteller noch hängen. Die EU-Zölle auf E-Autos verpuffen wirkungslos, weil China einfach die Antriebsart wechselt.

Besonders bitter: Während Europa noch über Verbrenner-Verbote diskutiert, werden wir zum Absatzmarkt für genau diese Technologie. Die wahre Disruption findet nicht beim Antrieb statt, sondern bei der strategischen Flexibilität. Europäische Autobauer müssen ihre Fixierung auf einzelne Technologiepfade aufgeben und schneller auf Marktverschiebungen reagieren. Wer jetzt nicht radikal umdenkt und agiler wird, für den werden die aktuellen drei Prozent Marktanteil chinesischer Marken bald wie die gute alte Zeit erscheinen.

Häufig gestellte Fragen

  • Welche europäischen Autohersteller sind am stärksten von der chinesischen Verbrenner-Offensive betroffen?
    Am härtesten trifft es die Massenhersteller wie Stellantis (Peugeot, Fiat, Opel), die noch stark vom Verbrennergeschäft abhängig sind. Premium-Hersteller wie BMW und Mercedes genießen noch eine Gnadenfrist, da chinesische Marken bei Statussymbolen und Wiederverkaufswert noch nicht konkurrenzfähig sind.
  • Wie können europäische Autobauer auf die chinesische Strategie reagieren?
    Europäische Hersteller müssen ihre Produktionsflexibilität drastisch erhöhen, um schneller zwischen verschiedenen Antriebsarten wechseln zu können. Gleichzeitig sollten sie ihre Kostenstrukturen radikal überdenken und in Märkten mit geringerer chinesischer Präsenz (wie Deutschland) ihre Heimvorteile stärker ausspielen.
  • Welche Rolle spielt die EU-Handelspolitik in diesem Konflikt?
    Die aktuellen EU-Strafzölle auf chinesische E-Autos greifen zu kurz, da sie nur einen Teil des Problems adressieren. Eine effektive Handelspolitik müsste die gesamte Wertschöpfungskette betrachten und flexibler auf Strategiewechsel der chinesischen Hersteller reagieren können.
  • Was bedeutet der chinesische Vormarsch für den Mittelstand in der Automobilzulieferindustrie?
    Zulieferer müssen sich auf eine Zweiteilung des Marktes einstellen: Premiumkomponenten für europäische Hersteller und kostengünstigere Standardteile für chinesische Volumenhersteller. Wer sich nicht klar positioniert und Alleinstellungsmerkmale entwickelt, wird zwischen beiden Welten zerrieben.

Quellen: „nzz.ch“, „deraktionaer.de“, „n-tv.de“

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