Startup & Scaling Personalisierung entscheidet: Altman erklärt OpenAIs KI-Strategie

Personalisierung entscheidet: Altman erklärt OpenAIs KI-Strategie

Sam Altman enthüllt OpenAIs Strategie gegen Google, warum er 1,4 Billionen Dollar für Rechenleistung ausgibt und weshalb KI-Personalisierung der entscheidende Wettbewerbsvorteil wird.

OpenAI hat 1,4 Billionen Dollar für Rechenleistung reserviert, während das aktuelle Umsatzziel bei „nur“ 20 Milliarden Dollar liegt. Ein Wahnsinnsverhältnis? Nicht für Sam Altman. Der OpenAI-Chef sieht in der massiven Rechenpower den Schlüssel zur Marktdominanz – und zur wissenschaftlichen Revolution. In einem ausführlichen Interview mit „bigtechnology.com“ gibt er Einblicke in die Strategie des KI-Pioniers, der trotz wachsender Konkurrenz durch Google Gemini seine Führungsposition behaupten will.

Persönliche Beziehungen zu KI-Systemen

Altman hat eine überraschende Entdeckung gemacht: Menschen wollen persönliche Beziehungen zu ihren KI-Assistenten aufbauen. „Es gibt definitiv mehr Menschen als ich dachte, die eine enge Verbindung mit KI haben wollen“, erklärt er. Was anfangs als seltsam galt, zeigt sich nun als klarer Nutzerwunsch: Menschen möchten, dass ihr KI-Chatbot sie kennt, warmherzig und unterstützend ist. Diese Personalisierung erweist sich als extrem „sticky“ – also nutzerbildend.

Während OpenAI bestimmte Grenzen ziehen will (keine KI, die Menschen zu exklusiven romantischen Beziehungen überredet), sieht Altman die Personalisierung als entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Die Fähigkeit der KI, sich an Nutzer zu erinnern und auf ihre Vorlieben einzugehen, wird immer wichtiger. „Wir befinden uns noch in der GPT-2-Ära der Erinnerung“, so Altman lim Interview. Das wahre Potenzial werde sich erst 2026 entfalten, wenn KI-Systeme jedes Detail aus dem Leben der Nutzer erinnern und personalisieren können.

Der Kampf gegen Google und die Enterprise-Strategie

Obwohl ChatGPT inzwischen 800 Millionen wöchentlich aktive Nutzer hat (Verdopplung seit Anfang des Jahres), sieht Altman Google weiterhin als ernsthafte Bedrohung. „Wenn Google uns 2023 wirklich ernst genommen hätte, wären wir in einer sehr schlechten Lage gewesen“, gibt er zu. Doch er identifiziert eine Schwäche des Suchgiganten: „KI in die Websuche einzubauen – ich denke nicht, dass das so gut funktionieren wird wie eine komplette Neugestaltung.“ Für 2026 plant OpenAI einen massiven Vorstoß ins Unternehmensgeschäft. Bereits jetzt wächst das API-Geschäft schneller als ChatGPT selbst.

„Wir haben mehr als eine Million Enterprise-Nutzer“, betont Altman. Besonders im Bereich Coding, Finanzen und Wissenschaft sieht er enormes Potenzial. Die GDPval-Kennzahl, die misst, wie gut KI bei Wissensarbeit abschneidet, zeigt beeindruckende Fortschritte: GPT-5.2 Pro übertrifft menschliche Wissensarbeiter bei 74,1% der Aufgaben.

Rechenleistung als Lebensader

Die 1,4 Billionen Dollar für Infrastruktur werden über einen langen Zeitraum investiert. „Vom letzten Jahr bis jetzt haben wir unsere Rechenleistung etwa verdreifacht. Nächstes Jahr werden wir sie wieder verdreifachen, hoffentlich danach wieder“, erklärt Altman laut „bigtechnology.com“.

Das Geschäftsmodell: Massive Investitionen in Trainingskosten, die durch steigende Einnahmen aus der Inferenz (Anwendung der Modelle) ausgeglichen werden. Altman ist überzeugt: „Wenn wir die doppelte Rechenleistung hätten, würden wir jetzt den doppelten Umsatz erzielen.“ Die Nachfrage sei so groß, dass OpenAI 2026 erneut nicht in der Lage sein werde, sie zu befriedigen. Besonders spannend findet er den Einsatz von KI für wissenschaftliche Entdeckungen: „Wenn wir riesige Rechenleistung auf wissenschaftliche Probleme werfen und neues Wissen entdecken können – das Kleinste beginnt jetzt zu passieren.“.

Neue Geräte und Cloud-Strategie

OpenAI arbeitet an einer „kleinen Familie von Geräten“ – nicht nur an einem einzelnen Produkt. Altman glaubt, dass aktuelle Geräte nicht für eine KI-zentrierte Welt geeignet sind: „Ich bin ein großer Verfechter der Idee, dass wir an den Grenzen unserer Geräte arbeiten.“ Er sieht eine Verschiebung von „dummen reaktiven Dingen“ zu „sehr intelligenten, proaktiven Dingen“, die den gesamten Lebenskontext verstehen.

Parallel baut OpenAI eine Cloud-Infrastruktur auf. „Die meisten Unternehmen scheinen zu einem Unternehmen wie uns kommen und sagen zu wollen: ‚Ich möchte mein Unternehmen mit KI ausstatten'“, erklärt Altman laut „bigtechnology.com“. Er sieht dies als Ergänzung zu traditionellen Cloud-Diensten: Unternehmen werden weiterhin ihre „Web-Cloud“ haben, aber zusätzlich eine „KI-Plattform für alles“.

Business Punk Check

Der 1,4-Billionen-Wette von OpenAI liegt eine simple Erkenntnis zugrunde: Wer die meiste Rechenpower hat, gewinnt das KI-Rennen. Doch während Altman von exponentieller Umsatzsteigerung spricht, offenbart sich ein fundamentales Problem: Die Welt nutzt nur einen Bruchteil der KI-Fähigkeiten, die bereits existieren. Diesen „Capability Overhang“ – die Kluft zwischen KI-Potenzial und tatsächlicher Nutzung – unterschätzen die meisten Analysten dramatisch.

Selbst wenn die Modelle nicht besser würden, steckt in GPT-5.2 genug ungenutztes Potenzial für Jahre. Das wahre Risiko für OpenAI ist nicht technologischer Stillstand, sondern menschliche Trägheit: Unternehmen brauchen zu lange, um ihre Arbeitsabläufe umzustellen. Während OpenAI Billionen in Hardware pumpt, könnte der eigentliche Engpass bei der Implementierung liegen.

Häufig gestellte Fragen

  • Warum investiert OpenAI so massiv in Rechenleistung, wenn die meisten Unternehmen KI noch kaum effektiv nutzen?
    OpenAI wettet auf den „Capability Overhang“ – während Unternehmen langsam ihre Prozesse umstellen, will man für den Moment gerüstet sein, wenn die Nachfrage explodiert. Wer dann nicht genug Rechenleistung hat, verliert den Markt.
  • Welche KI-Funktionen bringen Unternehmen aktuell den größten ROI?
    Coding-Unterstützung zeigt die höchsten Renditen, gefolgt von Kundenservice-Anwendungen. Laut GDPval-Metrik übertrifft GPT-5.2 Pro menschliche Wissensarbeiter bei 74,1% der Aufgaben – besonders bei gut definierten, kürzeren Projekten wie Präsentationen oder Analysen.
  • Wie sollten Unternehmen mit dem „Capability Overhang“ umgehen?
    Statt auf noch bessere Modelle zu warten, sollten Unternehmen jetzt systematisch identifizieren, welche Aufgaben bereits heute an KI delegiert werden können. Der Wettbewerbsvorteil liegt nicht im Zugang zu den besten Modellen, sondern in der schnellsten Integration in Arbeitsabläufe.
  • Wird KI-Personalisierung wirklich der entscheidende Wettbewerbsvorteil?
    Ja, aber mit Einschränkungen. Während Consumer-Anwendungen stark von persönlichen Beziehungen profitieren, brauchen Unternehmensanwendungen vor allem Datensicherheit und Zuverlässigkeit. Die ideale Strategie kombiniert emotionale Bindung für Endnutzer mit strenger Governance für Unternehmen.

Quellen: „bigtechnology.com“

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