Finance & Freedom Riester-Reform 2027: Jetzt bloß nicht kündigen!

Riester-Reform 2027: Jetzt bloß nicht kündigen!

Die Riester-Rente bekommt 2027 ein radikales Update mit ETF-Optionen und flexibleren Auszahlungen. Wer jetzt falsch reagiert, verliert Hunderte Euro. Hier sind die smarten Alternativen.

Millionen Deutsche haben einen Riester-Vertrag in der Schublade – und viele davon sind unzufrieden. Zu Recht: Hohe Kosten, magere Renditen und ein bürokratisches Fördersystem haben das einst als Rentenretter gepriesene Modell zum Problemfall gemacht.

Jetzt plant die Bundesregierung einen kompletten Neustart ab 2027. Für Vertragsinhaber stellt sich die Frage: Abwarten, wechseln oder aussteigen?

Die Riester-Baustelle

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von einst rund 20 Millionen abgeschlossenen Riester-Verträgen sind laut „merkur.de“ nur noch knapp 15 Millionen übrig. Mehr als fünf Millionen Sparer haben bereits das Handtuch geworfen. Bei den verbliebenen Verträgen liegt laut „gegen-hartz.de“ etwa ein Viertel brach – die Besitzer zahlen nichts mehr ein, haben aber auch nicht gekündigt.

Das Problem: Die Riester-Konstruktion ist kompliziert und fehleranfällig. Wer den Mindesteigenbeitrag von vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens (maximal 2.100 Euro) nicht erreicht, bekommt die Zulagen nur anteilig. Gleichzeitig fressen Abschluss- und Verwaltungskosten sowie teure Garantien einen erheblichen Teil der ohnehin mageren Renditen auf.

Das ändert sich ab 2027

Der Kabinettsbeschluss vom Dezember 2025 sieht einen grundlegenden Umbau vor. Wie „it-boltwise.de“ berichtet, stechen vier Kernelemente heraus:

1. Ein neues „Altersvorsorgedepot“ ohne Garantiezwang ermöglicht Investments in ETFs und Fonds mit höheren Renditechancen.

2. Ein Standardprodukt mit gesetzlich begrenzten Kosten (maximal 1,5 Prozent Renditeminderung pro Jahr) soll für mehr Transparenz sorgen.

3. Die Auszahlungsphase wird flexibler: Neben lebenslangen Renten sind künftig auch Auszahlpläne bis mindestens zum 85. Lebensjahr möglich.

4. Die Förderung wird umgebaut: Statt starrer Zulagen gibt es künftig bis zu 30 Cent pro eingezahltem Euro – maximal 480 Euro jährlich plus Kinderzulagen.

Bestehende Verträge laufen weiter, können aber in die neue Welt übertragen werden. Nach fünf Jahren soll dieser Wechsel kostenfrei möglich sein, davor mit maximal 150 Euro Gebühr.

Warum Kündigen meist die schlechteste Option ist

Der größte Fehler, den Riester-Sparer jetzt machen können: vorschnell kündigen. Bei einer förderschädlichen Kündigung müssen sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden. Zudem haben die hohen Abschlusskosten das Kapital in den ersten Jahren stark belastet – ein Effekt, der sich erst über lange Laufzeiten ausgleicht.

Laut „merkur.de“ ist eine Beitragsfreistellung oft die bessere Alternative: Das angesparte Kapital bleibt erhalten, neue Einzahlungen werden gestoppt. Die bereits erhaltenen Zulagen müssen nicht zurückgezahlt werden, und später kann die Besparung oft wieder aufgenommen werden.

Für wen sich Weitersparen noch lohnt

Familien mit mehreren Kindern und niedrigem bis mittlerem Einkommen profitieren weiterhin überdurchschnittlich von Riester. Bei ihnen macht der staatliche Förderanteil einen so großen Teil der Gesamteinzahlung aus, dass selbst magere Renditen kompensiert werden. Wie „gegen-hartz.de“ erläutert, können Kinderzulagen von 185 Euro oder 300 Euro pro Kind und Jahr den Unterschied machen. Vorsicht ist dagegen geboten, wenn ein Vertrag dauerhaft ohne volle Zulagen läuft oder die Kostenstruktur besonders ungünstig ist.

Hier lohnt ein nüchterner Blick auf die Zahlen: Wie hoch sind die laufenden Kosten? Wie ist das Kapital angelegt? Welche realistischen Erträge sind zu erwarten?

Business Punk Check

Die Riester-Reform ist kein Heilsbringer, sondern ein überfälliger Realitätscheck. Die Wahrheit ist: Das deutsche Altersvorsorge-System bleibt ein Flickenteppich aus Pflicht, Förderung und Eigenverantwortung. Die neuen ETF-Optionen ohne Garantiezwang könnten zwar endlich vernünftige Renditen ermöglichen, kommen aber für viele Bestandskunden zu spät. Besonders bitter: Die Politik hat 20 Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass Garantien in der Langzeitanlage teuer erkauft werden.

In dieser Zeit haben internationale Aktienindizes trotz mehrerer Krisen im Schnitt 7-8% pro Jahr erwirtschaftet, während deutsche Riester-Sparer mit Mini-Renditen abgespeist wurden. Der smarte Move für Verbraucher ist jetzt nicht blinde Loyalität zum bestehenden Vertrag, sondern knallhartes Durchrechnen: Wer über 50 ist und bereits nennenswerte Summen angespart hat, sollte bis zur Reform durchhalten. Jüngere mit teuren Policen fahren oft besser mit Beitragsfreistellung plus parallelem ETF-Sparplan – und warten dann auf günstige Wechselmöglichkeiten in die neue Produktwelt.

Häufig gestellte Fragen

  • Sollte ich meinen bestehenden Riester-Vertrag jetzt kündigen?
    Nein, eine Kündigung ist meist die teuerste Option. Sie müssen alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Prüfen Sie stattdessen eine Beitragsfreistellung, bei der das angesparte Kapital bestehen bleibt, ohne dass weitere Einzahlungen nötig sind.
  • Wie kann ich herausfinden, ob mein Riester-Vertrag zu teuer ist?
    Fordern Sie eine aktuelle Kostenübersicht an und achten Sie besonders auf die Effektivkosten (Reduction in Yield). Liegt dieser Wert über 1,5% jährlich, ist Ihr Vertrag im Vergleich zum künftigen Standardprodukt zu teuer. Lassen Sie sich auch die Anlagestruktur und historische Rendite offenlegen.
  • Für welche Sparer lohnt sich Riester trotz aller Kritik weiterhin?
    Familien mit mehreren Kindern und niedrigem bis mittlerem Einkommen profitieren überdurchschnittlich, da die Kinderzulagen (185-300 Euro pro Kind und Jahr) einen großen Teil der Gesamteinzahlung ausmachen können. Auch wer kurz vor der Rente steht und bereits viel angespart hat, sollte durchhalten.
  • Was passiert mit meinem Riester-Vertrag, wenn ich nichts unternehme?
    Bestehende Verträge laufen unverändert weiter. Ab 2027 können Sie freiwillig in die neue Produktwelt wechseln, müssen es aber nicht. Nach fünf Jahren Vertragslaufzeit soll dieser Wechsel kostenfrei möglich sein.
  • Wie kann ich mich optimal auf die Riester-Reform 2027 vorbereiten?
    Prüfen Sie Ihren bestehenden Vertrag auf Kosten und Rendite. Vermeiden Sie vorschnelle Kündigungen. Bei teuren Verträgen kann eine Beitragsfreistellung plus paralleler ETF-Sparplan bis 2027 sinnvoll sein. Wer kurz vor der Rente steht, sollte Auszahlungsentscheidungen möglichst verschieben, bis die neuen flexibleren Optionen verfügbar sind.

Quellen: „merkur.de“, „gegen-hartz.de“, „it-boltwise.de“

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