Green & Generation Deutschland will die Zukunft. Frankreich liefert den Strom

Deutschland will die Zukunft. Frankreich liefert den Strom

Frankreich verlängert die Laufzeit seiner Atomkraftwerke. Der Strom, der unabhängig von Wind und Sonne kommt, ist für deutsche KI-Hubs unverzichtbar.

Deutschland will Weltspitze sein. Bei KI. Bei Digitalisierung. Bei „Zukunft“. Leider fehlt dafür die eine oder andere Kleinigkeit: Zum Beispiel Strom, der zuverlässig da ist, wenn man ihn braucht – und bezahlbar ist, wenn die Rechnung kommt.

Während hierzulande energiepolitische Freiheit dank Wind- und Sonnenenergie gefeiert wird wie ein Wellness-Retreat für Gewissen und Ideologie, macht Frankreich etwas radikal Uncooles: Es verlängert die Laufzeit seiner Atomkraftwerke. Erst auf 50 Jahre, bald auf 60. Nüchtern, sachlich, ohne Instagram-Story. Man nennt das dort Pragmatismus. In Deutschland heißt das: undenkbar, gefährlich, völlig von gestern.

Frankreich steckt rund 100 Milliarden Euro in die Modernisierung alter Reaktoren und fängt in diesem Monat gerade damit an, das Geld für die Sanierung auszugeben. Die Franzosen bekommen dafür stabilen, CO₂-armen Strom für rund 60 Euro pro Megawattstunde. Sechzig. In Deutschland bekommt man dafür drei Gutachten und einen Workshop zum Thema „Akzeptanz“. Strom kostet extra.

Die Pointe ist bitter: Unser Land, das Atomkraft moralisch verbannt hat, lebt energiepolitisch weiterhin von ihr. Wenn hierzulande die Windräder stillstehen wie Mahnmale der Hoffnung und Solarpanels melancholisch in den grauen Himmel blicken, dann kommt der Strom aus Frankreich. Leise. Zuverlässig. Nuklear. Ohne Ideologie-Update. Ohne französischen Atomstrom sähe das deutsche Netz bei Dunkelflaute schneller alt aus, als eine Wirtschaftsministerin „Brückentechnologie“ sagen kann. Frankreich hat Grundlast. Deutschland hat Hoffnung. Frankreich hat Reaktoren. Deutschland hält Reden. Frankreich rechnet Kosten. Deutschland Gefühle.

Und jetzt kommt der Teil, den man in Berlin besonders ungern hört: KI braucht Strom. Viel Strom. Billigen Strom. Stabilen Strom. Rund um die Uhr. Keine Algorithmen mit Mittagspause, keine Rechenzentren, die auf Wind warten. Wer KI-Fabriken bauen will, braucht Energie wie Stahlwerke früher Kohle. Dauerhaft. Berechenbar. Skalierbar.

Deutschland will KI-Hub werden – aber mit Strompreisen, bei denen selbst Rechenzentren nervös zu rechnen beginnen. Frankreich dagegen könnte morgen zehn neue KI-Fabriken anschließen und würde fragen: „Quelqu’un d’autre?“ „Noch jemand?“

Während Deutschland Milliarden in Subventionen steckt, um Strom zu produzieren, wenn gerade der Wind weht oder die Sonne scheint, produziert Frankreich einfach. Immer. Genau deshalb rettet französische Atomkraft nicht nur das Klima, sondern auch Deutschlands Energiewende – und demnächst vielleicht die deutsche KI-Strategie gleich mit. Die Wahrheit ist simpel und unangenehm: Deutschlands Energieversorgung funktioniert nur, solange Frankreich liefert. Umgekehrt gilt das nicht. Frankreich kann ohne Deutschland leben. Deutschland ohne Frankreich nicht. Das ist keine Provokation. Das ist keine Polemik.
Das ist Physik.

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