Business & Beyond 118-Prozent-Bluff: Wie China-E-Autos in Europa Luxusmargen erzielen

118-Prozent-Bluff: Wie China-E-Autos in Europa Luxusmargen erzielen

Während die EU Schutzmaßnahmen gegen angebliches Dumping chinesischer E-Autos ergreift, enthüllen neue Zahlen: Die Hersteller verlangen in Europa massive Aufschläge statt Kampfpreise.

Die europäische Autoindustrie fürchtet die Billig-Invasion aus China – doch die Realität sieht völlig anders aus. Statt mit Dumpingpreisen den Markt zu fluten, verkaufen chinesische Hersteller ihre E-Autos in Europa mit satten Aufschlägen. Während die EU-Kommission Schutzwälle gegen vermeintlich unfaire Subventionen errichtet, zeigen aktuelle Daten: Von Preisdruck fehlt jede Spur.

Der große Preisaufschlag

Die Zahlen sind geradezu absurd. Eine Studie des Center Automotive Research (CAR) belegt, dass chinesische Hersteller ihre Fahrzeuge in Europa mit einem durchschnittlichen Aufschlag von 118 Prozent anbieten.

Konkret: 13 untersuchte Modelle kosten in China netto durchschnittlich 14.936 Euro – in Europa verlangen die Händler für dieselben Autos im Schnitt 32.573 Euro plus Mehrwertsteuer. „Beim aktuellen Preisniveau in Europa dürfte es für die chinesischen Hersteller noch deutliche Spielräume für Preissenkungen geben“, so Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer laut „t-online.de“. Die Marken könnten ihre Preise massiv senken und lägen trotzdem noch weit über den EU-Mindestpreisen.

Warum keine Preisschlacht?

Trotz der enormen Preisaufschläge planen die chinesischen Konzerne aktuell keine Rabattoffensiven. „Hohe Werbe- und Vertriebskosten erlauben bei den kleinen Verkaufszahlen derzeit keinen Preiskrieg“, erklärt Dudenhöffer. Marken wie BYD oder MG positionieren sich in Europa bewusst als Premium-Anbieter – und nicht als Billigheimer.

Für die EU-Kommission stellt sich damit eine unbequeme Frage: Warum Schutzmaßnahmen gegen ein Problem, das gar nicht existiert? Seit Herbst 2024 hatte Brüssel auf chinesische E-Fahrzeuge bis zu 35 Prozent Zoll erhoben, wie „tagesschau.de“ dokumentiert. Die USA gingen sogar noch weiter und setzten einen Zollsatz von 100 Prozent an.

Neue Mindestpreise als Kompromiss

Die Fronten zwischen Brüssel und Peking scheinen sich nun zu entspannen. Die EU-Kommission hat einen Leitfaden für Mindestpreise vorgelegt, der die bisherigen Strafzölle ersetzen könnte,. Ein Sprecher der Kommission betonte, dass weitere Schritte folgen müssten.

Das deutsche Kfz-Gewerbe (ZDK) begrüßt diese Entwicklung. Nach Jahren des Preis-Chaos durch wechselnde Zollregelungen sieht ZDK-Präsident Thomas Peckruhn in den Mindestpreisen einen Rettungsanker für die Planungssicherheit, wie „FAZ“ meldet. Die neuen Regeln könnten Stabilität schaffen, ohne den Wettbewerb grundsätzlich auszuschalten.

Business Punk Check

Der vermeintliche Handelskrieg um E-Autos entpuppt sich als politisches Theater ohne Substanz. Während Politiker von unfairen Subventionen sprechen, kassieren chinesische Hersteller in Europa Luxus-Margen. Der wahre Verlierer? Der europäische Verbraucher, der weder von chinesischen Kampfpreisen profitiert noch von echter Innovation europäischer Hersteller.

Die EU schützt mit ihren Maßnahmen nicht den Wettbewerb, sondern zementiert die Trägheit etablierter Autobauer. Die Mindestpreis-Regelung ist letztlich ein Eingeständnis: Europa hat im E-Auto-Rennen technologisch den Anschluss verloren und versucht nun, Zeit zu kaufen. Für zukunftsorientierte Unternehmen bedeutet das: Wer auf echte Transformation setzt statt auf politischen Schutz, wird langfristig gewinnen.

Häufig gestellte Fragen

  • Warum sind chinesische E-Autos in Europa so viel teurer als in China?
    Chinesische Hersteller nutzen die Premiumwahrnehmung ihrer Marken in Europa und kalkulieren hohe Markteinführungskosten ein. Laut Experten spielen auch Logistikkosten, Zölle und unterschiedliche Marktpositionierungen eine Rolle – die Aufschläge von 118 Prozent gehen jedoch weit darüber hinaus.
  • Welche Auswirkungen haben die EU-Mindestpreise auf den Mittelstand?
    Für mittelständische Autohändler bedeuten die Mindestpreise mehr Planungssicherheit nach Jahren des Zoll-Chaos. Allerdings bleiben die Preise für Endkunden künstlich hoch, was das Wachstumspotenzial des E-Auto-Marktes bremst und Investitionen in Ladeinfrastruktur und Service weniger attraktiv macht.
  • Werden chinesische E-Autos in Europa bald billiger werden?
    Mit steigenden Verkaufszahlen und etablierter Marktpräsenz könnten chinesische Hersteller ihre Preise mittelfristig senken. Die aktuellen Aufschläge von 118 Prozent bieten enormen Spielraum für Preissenkungen, selbst unter Einhaltung der EU-Mindestpreise.
  • Wie sollten europäische Autohersteller auf die chinesische Konkurrenz reagieren?
    Statt auf politischen Schutz zu setzen, sollten europäische Hersteller in Technologieführerschaft und Kosteneffizienz investieren. Die Entwicklung eigener, wettbewerbsfähiger E-Auto-Plattformen und Batterietechnologien ist entscheidend, um langfristig gegen chinesische Konkurrenten bestehen zu können.

Quellen: „t-online.de“, „tagesschau.de“, „FAZ“, „Handelsblatt“

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