Business & Beyond Deutschlands Wirtschaft lebt wieder. Aber sie trägt noch Jogginghose

Deutschlands Wirtschaft lebt wieder. Aber sie trägt noch Jogginghose

Das Statistische Bundesamt mists 0,2 Prozent Wachstum. Damit ist der Abwärtstrend beendet. Immerhin.

Totgesagte leben länger. Auch die deutsche Wirtschaft. Nach zwei Jahren Wachkoma bewegt sich was. Kein Aufschrei, kein Konfetti, kein Gründer-Meme auf LinkedIn. Sondern: plus 0,2 Prozent BIP, teilt das Statistische Bundesamt jetzt amtlich für 2025 mit. Klingt nach Tippfehler, ist aber ein Richtungswechsel. Das ist kein Boom. Aber das ist ein Herzschlag. Und nach der Dauerbeschallung vom „kranken Mann Europas“ reicht das schon für eine klare Diagnose: Der Patient stirbt nicht. Er steht langsam auf. Er hat sich schon die Jogginghose hochgezogen und schlurft gleich auf den Flur.

Wir haben uns kollektiv eingeredet, dass jede schlechte Laune gleich eine Strukturkrise ist. Dass jede Delle der Anfang vom Ende sein muss. Dabei war vieles einfach Erschöpfung. Inflation im Gesicht, Energiepreise im Nacken, Zinsen wie ein Eishammer. Jetzt flacht das ab. Preise beruhigen sich. Reallöhne steigen. Energie ist kein Existenzrisiko mehr, sondern wieder das, was sie früher war: nervig, aber kalkulierbar. Keine Euphorie. Aber Stabilität. Und Stabilität ist das, was Wirtschaft laufen lässt wie einen alten Diesel.

Das Wachstum kommt nicht aus großen Export-Gesten oder Investitionsfeuerwerken. Es kommt von unten. Vom Alltag. Vom Konsum. Von Leuten, die wieder Dinge ersetzen statt sie zu verschieben. Kein Champagner-Moment. Eher Mineralwasser mit Kohlensäure. Aber genau so fangen Aufschwünge an. Leise. Unsexy. Unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle von Talkshows und Untergangs-Threads.

Der Staat spielt diesmal mit. Nicht agil, nicht elegant, aber wirksam genug. Investitionen greifen. Verteidigungsausgaben landen in echten Aufträgen. Zinsen sind wieder berechenbar. Der Inflationsspuk ist vorbei. Das stoppt den Absturz. Mehr nicht. Aber genau das war nötig.

Natürlich bleibt Deutschland schwierig. Bürokratie wie Beton. Abgaben wie Blei. Demografie wie ein langsamer Countdown. Das Endgegner-Level ist nicht gelöst. Aber die Krise ist nicht mehr explosiv, sondern zäh. Und das ist ein Unterschied.

2026 wird kein Jahr der großen Schlagzeilen. Aber es wird besser. Spürbar besser. Weil wir uns an Null gewöhnt hatten – und deshalb fühlt sich schon ein Prozent an wie Frühling. Vielleicht ist das der deutsche Trick: Wir feiern spät. Aber wenn es dreht, dann richtig. Work hard. Play hard.

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