Tech & Trends Vom KI-Tool zur Werbeplattform: OpenAIs neuer ChatGPT-Kurs

Vom KI-Tool zur Werbeplattform: OpenAIs neuer ChatGPT-Kurs

OpenAI führt Werbung in ChatGPT ein – zunächst in den USA, später global. Die kostenlose Version und das neue Go-Abo werden betroffen sein. Mit 800 Millionen wöchentlichen Nutzern sucht das KI-Unternehmen neue Einnahmequellen.

OpenAI macht ernst mit der Monetarisierung von ChatGPT. Der KI-Gigant wird in den kommenden Wochen erstmals Werbung in seinem Flaggschiff-Produkt testen. Zunächst nur in den USA, später dann weltweit. Für die 800 Millionen wöchentlichen Nutzer markiert dies einen Wendepunkt – und für OpenAI selbst einen bemerkenswerten Strategiewechsel. Denn Firmengründer Sam Altman positionierte sich lange Zeit klar gegen Werbung im KI-Chatbot.

Monetarisierung trifft auf Datenschutzversprechen

Die Werbung wird ausschließlich in der kostenlosen Version sowie im neuen Einsteiger-Abo „ChatGPT Go“ erscheinen, das für acht Euro monatlich zu haben ist. Nutzer der teureren Abonnements – Plus (23 Euro monatlich), Pro, Business und Enterprise – bleiben verschont, wie „t-online.de“ berichtet. Die Anzeigen sollen in separaten, klar gekennzeichneten Kästen unterhalb der ChatGPT-Antworten erscheinen.

OpenAI betont dabei seine Datenschutzprinzipien: „Werbung beeinflusst niemals die Antworten von ChatGPT“, so das Unternehmen in einem Blogeintrag. Außerdem verspricht der KI-Entwickler: Wir halten Unterhaltungen mit ChatGPT strikt vor Werbetreibenden geschützt und verkaufen keine Daten.. „Anzeigen sind immer getrennt und klar gekennzeichnet.“.

Nutzerwachstum und Finanzierungsdruck

Die Zahlen sprechen für sich: Laut „tagesschau.de“ verzeichnet ChatGPT inzwischen 800 Millionen wöchentliche Nutzer – ein massiver Anstieg gegenüber den 300 Millionen Ende des Vorjahres. Nur wenige Monate nach dem Start Ende 2022 hatte OpenAI bereits die 100-Millionen-Marke geknackt. Doch dieses Wachstum kostet.

OpenAI und andere KI-Unternehmen investieren derzeit Hunderte Milliarden Dollar in neue Rechenzentren. Die Werbeeinnahmen sollen helfen, diese enormen Ausgaben zu finanzieren. Gleichzeitig entsteht für Nutzer ein Anreiz, auf werbefreie, aber teurere Abonnements umzusteigen.

Technische Umsetzung der Werbung

Wie „Wired“ berichtet, wird OpenAI für die Werbeschaltung Gesprächsthemen mit relevanten Anzeigen abgleichen. Wenn ein Nutzer beispielsweise nach Reisetipps für New York fragt, könnte darunter Werbung für Hotels erscheinen. Werbetreibende erhalten dabei nur aggregierte Leistungskennzahlen – etwa wie oft eine Anzeige angezeigt oder angeklickt wurde.

Obwohl für die Anzeigenausspielung möglicherweise einige Personalisierungsdaten verwendet werden, betont OpenAI, dass Nutzer die für Werbung genutzten Daten jederzeit löschen können, ohne andere Personalisierungsfunktionen zu beeinträchtigen. Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber „Wired“, dass Werbetreibende keine Informationen über Alter, Standort oder Interessen der Nutzer erhalten – anders als bei vielen anderen Internetdiensten.

Business Punk Check

Die Werbe-Integration bei ChatGPT ist weniger revolutionär als pragmatisch. OpenAI muss die Milliarden-Investments irgendwie refinanzieren – und die meisten Nutzer zahlen bisher keinen Cent. Der Schritt war unvermeidbar. Interessanter ist die Frage, ob OpenAI langfristig seine Datenschutzversprechen halten kann, wenn der Druck von Investoren steigt.

Die Werbeindustrie hungert nach Nutzerdaten, und ChatGPT sitzt auf einem Datenschatz aus Millionen persönlicher Konversationen. Die wahre Innovation wäre ein Werbemodell, das tatsächlich ohne Tracking auskommt. Für Unternehmen bedeutet dies: Wer sensible Daten mit KI verarbeitet, sollte jetzt genau prüfen, welche Abo-Variante wirklich notwendig ist – und ob Alternativen mit klarerem Geschäftsmodell existieren.

Häufig gestellte Fragen

  • Wie stark wird die Werbung das ChatGPT-Nutzererlebnis beeinträchtigen?
    Die Anzeigen erscheinen in separaten, klar gekennzeichneten Kästen unter den Antworten und sollen laut OpenAI die Antworten nicht beeinflussen. Für intensive Nutzer lohnt sich möglicherweise der Umstieg auf ein werbefreies Premium-Abo ab 23 Euro monatlich.
  • Welche Daten nutzt OpenAI für die Werbung und wie kann man sich schützen?
    OpenAI gleicht Gesprächsthemen mit relevanten Anzeigen ab, verspricht aber keine individuellen Nutzerdaten an Werbetreibende weiterzugeben. Nutzer können die für Werbung verwendeten Daten jederzeit löschen, ohne andere Personalisierungsfunktionen zu beeinträchtigen.
  • Ist dieser Strategiewechsel ein Zeichen für finanzielle Probleme bei OpenAI?
    Nicht zwangsläufig. Der Schritt spiegelt vielmehr die Realität wider, dass KI-Infrastruktur Milliarden kostet und nachhaltige Geschäftsmodelle entwickelt werden müssen. Unternehmen sollten dies als Indikator sehen, dass auch andere KI-Dienste künftig verstärkt nach Monetarisierungswegen suchen werden.
  • Welche Alternativen gibt es für Unternehmen, die keine Werbung in ihren KI-Tools wollen?
    Neben den werbefreien Premium-Abos von ChatGPT sollten Unternehmen Open-Source-Alternativen oder lokale KI-Lösungen prüfen, die zwar höhere Initialkosten verursachen können, aber langfristig mehr Kontrolle und Datensicherheit bieten.
  • Wie wird sich der KI-Werbemarkt entwickeln?
    KI-Tools werden zu einem neuen Werbemarkt mit enormem Potenzial. Unternehmen sollten jetzt Expertise aufbauen, wie kontextbezogene Werbung in KI-Umgebungen funktioniert, um früh von diesem neuen Kanal zu profitieren – besonders in Bereichen, wo Nutzer aktiv nach Lösungen suchen.

Quellen: „Wired“, „t-online.de“, „tagesschau.de“

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