Startup & Scaling Physical AI greift an: Der nächste große KI-Machtkampf beginnt

Physical AI greift an: Der nächste große KI-Machtkampf beginnt

Die dritte KI-Welle rollt: Physical AI verlässt den digitalen Raum und erobert die physische Welt. Von Hyundais Roboter-Offensive bis zu Milliardendeals – der Kampf um die Schnittstelle zwischen KI und Realität hat begonnen.

Die CES 2026 markiert einen Wendepunkt: Statt Autos dominieren plötzlich humanoide Roboter, autonome Fahrzeuge und intelligente Maschinen die Messehallen. US-Autobauer? Fehlanzeige. An ihrer Stelle präsentieren Technologieunternehmen und asiatische Hersteller, was Nvidia-CEO Jensen Huang als „Physical AI“ bezeichnet – KI-Systeme, die in der realen Welt agieren und mit ihr interagieren.

Die dritte KI-Revolution

Nach generativer und agentenbasierter KI erleben wir nun die dritte Welle der künstlichen Intelligenz. Physical AI verbindet KI-Modelle mit Sensoren, Kameras und Motorsteuerungen, um physische Objekte – vom Roboter bis zum autonomen Fahrzeug – in die Lage zu versetzen, ihre Umgebung zu erfassen und selbstständig zu handeln.

„Diese Technologien können Arbeit fundamental verbessern, Effizienz steigern und das Bruttoinlandsprodukt von Nationen erheblich beeinflussen“, erklärt Drew Henry, Leiter der neuen Physical-AI-Division bei Arm, laut „ad-hoc-news.de“. Der britische Chipdesigner Arm reagiert auf diesen Trend mit einer strategischen Neuausrichtung. Das Unternehmen bündelt seine Automobil- und Robotikaktivitäten in einer eigenen Geschäftseinheit, um Synergien zu nutzen. Beide Bereiche stellen ähnliche Anforderungen an Prozessoren: maximale Energieeffizienz, höchste Sicherheit und Echtzeitfähigkeit.

Milliardeninvestitionen und Übernahmen

Der Markt kommt in Bewegung. Mobileye, Spezialist für Fahrassistenzsysteme, übernahm kürzlich das Robotik-Startup Mentee für 900 Millionen Dollar. Auf die Frage, ob humanoide Roboter nur ein Hype seien, antwortet Mobileye-Mitgründer Amnon Shashua bei „TechCrunch“: Das Internet war auch ein Hype, erinnern Sie sich an 2000, die Krise des Internets. Das bedeutete nicht, dass das Internet keine reale Sache ist. Hype bedeutet, dass Unternehmen für eine bestimmte Zeit überbewertet sind und dann abstürzen.

Das bedeutet nicht, dass der Bereich nicht real ist. Ich glaube, dass der Bereich der Humanoiden real ist.. Auch Hyundai setzt voll auf die neue Technologie. Der koreanische Konzern präsentierte auf der CES nicht etwa Autos, sondern verschiedene Roboter – darunter den humanoiden Atlas-Roboter seiner Tochtergesellschaft Boston Dynamics. Zusätzlich zeigte Hyundai einen Roboter zum Laden elektrischer autonomer Fahrzeuge und eine vierrädrige elektrische Plattform namens Mobile Eccentric Droid (MobEd), die noch 2026 in Produktion gehen soll.

Konvergenz der Industrien

Die Grenzen zwischen Automobilbau und Robotik verschwimmen zunehmend. Autohersteller wie Hyundai und Tesla expandieren aktiv in die Entwicklung humanoider Roboter. Gleichzeitig drängen Tech-Unternehmen in den Mobilitätssektor: Uber stellte auf der CES seinen neuen Robotaxi-Prototypen vor, entwickelt in Zusammenarbeit mit Lucid und Nuro.

Kay Schiebur, Konzernvorstand Services der Otto Group, erwartet von Physical AI eine Disruption, die weit über die Logistik hinausgeht. Als einer der ersten Händler beschäftigt sich die Otto Group intensiv mit den Potenzialen dieser Technologie.

Im Rennen um die Vorherrschaft bei Physical AI positionieren sich neben Arm weitere Schwergewichte. Nvidia präsentierte auf der CES seine Alpamayo-Plattform – offene KI-Modelle, die autonomen Fahrzeugen ermöglichen sollen, „wie ein Mensch zu denken“. Die Zeitpläne der Industrie werden dabei immer ambitionierter: Hyundai plant den Einsatz der nächsten Generation des Atlas-Roboters in US-Fabriken bereits ab 2028, wie „TechCrunch“ dokumentiert.

Business Punk Check

Der Hype um Physical AI erinnert an die Blockchain-Euphorie 2018 – viel Potenzial, noch mehr heiße Luft. Fakt ist: Die technologischen Hürden sind gewaltig. Während Nvidia, Arm und Co. beeindruckende Demos zeigen, bleiben entscheidende Fragen offen: Wie zuverlässig funktionieren diese Systeme in unvorhersehbaren Umgebungen? Wie steht es um Energieeffizienz und Wartungskosten?

Die 900-Millionen-Dollar-Übernahme von Mentee durch Mobileye zeigt, dass Big Player bereit sind, auf dieses Pferd zu setzen. Doch für Unternehmen gilt: Statt blindem Technologie-Enthusiasmus braucht es klare Use Cases mit messbarem ROI. Wer jetzt investiert, sollte auf modulare Systeme setzen, die sich schrittweise skalieren lassen – und einen langen Atem mitbringen. Die wahren Gewinner werden nicht die sein, die am lautesten trommeln, sondern jene, die pragmatische Lösungen für reale Probleme liefern.

Häufig gestellte Fragen

  • Ist Physical AI nur ein Hype oder eine echte Revolution?
    Physical AI ist mehr als ein Hype, aber weniger als die versprochene Revolution – zumindest kurzfristig. Die Technologie hat enormes Potenzial, steht aber vor massiven Herausforderungen bei Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit. Unternehmen sollten mit konkreten, begrenzten Anwendungsfällen beginnen, statt auf komplexe Gesamtlösungen zu setzen.
  • Welche Branchen werden zuerst von Physical AI profitieren?
    Logistik und Fertigung sind die Vorreiter. Hier existieren bereits klar definierte, repetitive Aufgaben in kontrollierten Umgebungen. Konkret: Automatisierte Lagersysteme, Qualitätskontrolle und Montagelinien bieten die besten ROI-Chancen in den nächsten 2-3 Jahren.
  • Wie hoch sind die Implementierungskosten für Physical AI-Systeme?
    Die Investitionskosten variieren stark: Einfache autonome Transportroboter starten bei 50.000 Euro, komplexe humanoide Systeme können mehrere Millionen kosten. Entscheidend sind jedoch die versteckten Kosten für Integration, Training und Wartung – sie machen oft 60-70% der Gesamtkosten aus.
  • Welche Fähigkeiten brauchen Unternehmen, um Physical AI erfolgreich einzusetzen?
    Erfolgreiche Implementierung erfordert interdisziplinäre Teams: Robotik-Ingenieure, KI-Spezialisten und Domänenexperten müssen zusammenarbeiten. Wichtiger als technisches Know-how ist jedoch die Fähigkeit, bestehende Prozesse für die Automatisierung zu optimieren – bevor die erste Maschine gekauft wird.
  • Wie realistisch sind die Zeitpläne der Hersteller?
    Die Branche ist notorisch optimistisch. Hyundais Plan, humanoide Roboter bis 2028 in Fabriken einzusetzen, dürfte sich auf Nischenanwendungen beschränken. Realistische Massenanwendungen in komplexen Umgebungen liegen eher im Zeitraum 2030-2035. Unternehmen sollten mit 2-3 Jahren Entwicklungszeit für maßgeschneiderte Lösungen rechnen.

Quellen: „TechCrunch“, „Zeit“, „ad-hoc-news.de“

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