Tech & Trends Zalandos Scayle US-Offensive: Mit KI-Power und Googles UCP-Protokoll

Zalandos Scayle US-Offensive: Mit KI-Power und Googles UCP-Protokoll

Während der Moderiese an der Börse schwächelt, wagt Zalando den Tech-Sprung über den Atlantik. Mit KI und dem neuen UCP-Protokoll soll die B2B-Plattform Scayle den amerikanischen Markt erobern.

Zalando transformiert sich vom Modehändler zum Technologieunternehmen – und das mit Blick auf den US-Markt. Der erste amerikanische Kunde für die B2B-Plattform Scayle steht kurz vor Vertragsabschluss, wie Co-CEO David Schröder kürzlich ankündigte. Während der Aktienkurs seit 2021 über 20 Milliarden Dollar an Wert verloren hat, könnte die Expansion in die USA einen strategischen Wendepunkt markieren. Teams vor Ort sondieren bereits aktiv die Bedürfnisse amerikanischer Marken und Händler, laut „retail-news.de“.

Vom Fashion-Shop zum Tech-Anbieter

Die B2B-Plattform Scayle bildet das Herzstück der US-Strategie. Nach der Übernahme von About You im Jahr 2025 hat Zalando ein umfassendes E-Commerce-Ökosystem aufgebaut, das weit über den klassischen Modemarktplatz hinausgeht. „Die Software unterstützt Marken beim kanalübergreifenden Management von Lagerbeständen und Markenauftritt“, berichtet „ad-hoc-news.de“. Referenzkunden wie NETTO und die britische Kaufhauskette Harrod’s nutzen bereits die Technologie.

Schröder beziffert das Gesamtpotenzial des B2B-Segments auf mehrere Milliarden Euro. Allein durch Softwareangebote sollen künftig Umsätze im dreistelligen Millionenbereich generiert werden. Mit der Scayle-Plattform positioniert sich Zalando in direkter Konkurrenz zu etablierten Anbietern wie SAP und Salesforce – allerdings mit dem Vorteil eines tiefen Branchenverständnisses aus der Praxis des eigenen Modehandels.

KI und UCP: Die digitalen Türöffner

Über 80 Prozent des Traffics auf der Zalando-Plattform stammen bereits aus organischen Quellen, wie „retail-news.de“ weiß. Nur ein kleiner Teil entfällt auf bezahlte Werbung über Plattformen wie Google oder Meta. Besonders bemerkenswert: Ein niedriger einstelliger Prozentbereich des Traffics wird inzwischen über KI-gesteuerte Tools wie Chatbots oder digitale Agenten generiert.

Die Teilnahme am kürzlich gestarteten Universal Commerce Protocol (UCP) von Google könnte zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Zalando ist bislang der einzige europäische Online-Händler als offizieller Supporter des neuen Google-Protokolls. Dieses wurde gemeinsam mit Branchengrößen wie Shopify, Walmart und Target entwickelt und soll Händlern ermöglichen, besser mit Kunden in KI-gesteuerten Shoppingprozessen zu interagieren.

Transformation unter Investorendruck

Trotz solider Quartalsergebnisse zweifeln viele Investoren an Zalandos Fähigkeit, Margen nachhaltig zu steigern. Der Fokus auf profitablere B2B-Dienste kommt den Wünschen nach nachhaltigerem Wachstum entgegen. Im März will das Unternehmen klare Prioritäten kommunizieren – inklusive einer vereinfachten strategischen Ausrichtung.

Die „headless“ Architektur von Scayle trennt das Frontend der Kundenoberfläche von den Backend-Prozessen. Dies gibt Marken maximale Flexibilität für maßgeschneiderte Online-Shops und Multi-Channel-Strategien. Die integrierte Unterstützung für mehrere Sprachen, Währungen und Steuersysteme macht die Plattform zum idealen Kandidaten für den komplexen US-Markt.

Business Punk Check

Zalandos Tech-Offensive ist mehr als ein verzweifelter Rettungsversuch für den schwächelnden Aktienkurs. Die Transformation zum Technologieanbieter folgt einer klaren Logik: Während der klassische Modehandel unter Margendruck leidet, bieten B2B-Softwarelösungen höhere Renditen bei geringerem Kapitaleinsatz. Doch der Erfolg in den USA ist alles andere als garantiert.

Etablierte Anbieter wie Shopify und Salesforce dominieren den Markt, und amerikanische Händler sind notorisch skeptisch gegenüber europäischen Tech-Lösungen. Die wahre Herausforderung liegt nicht in der Technologie, sondern im Aufbau eines funktionierenden Partnernetzwerks und lokaler Vertriebsstrukturen. Für Zalando könnte die US-Expansion entweder zum Befreiungsschlag oder zum teuren Lehrstück werden.

Häufig gestellte Fragen

  • Warum setzt Zalando auf B2B-Software statt auf klassischen Modehandel? B2B-Softwarelösungen bieten deutlich höhere Margen als der klassische Modehandel. Während der Fashion-Retail unter Preisdruck und hohen Logistikkosten leidet, ermöglicht die Skalierung von Technologielösungen wie Scayle profitableres Wachstum mit geringerem Kapitaleinsatz.
  • Welche Vorteile bietet das Universal Commerce Protocol (UCP) für Händler? Das UCP von Google ermöglicht Händlern, direkt in KI-gesteuerte Shoppingprozesse eingebunden zu werden. Unternehmen können ihre Produkte so positionieren, dass sie von KI-Assistenten wie Google Gemini in Kaufempfehlungen berücksichtigt werden – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil in einer Zukunft, in der KI-Assistenten Kaufentscheidungen beeinflussen.
  • Welche Hürden muss Zalando im US-Markt überwinden? Die größten Herausforderungen sind der Aufbau lokaler Vertriebsstrukturen, die Konkurrenz durch etablierte Anbieter wie Shopify und Salesforce sowie die kulturellen Unterschiede im B2B-Vertrieb. Erfolg wird maßgeblich davon abhängen, ob Zalando ein funktionierendes Partnernetzwerk mit US-Systemintegratoren aufbauen kann.
  • Was bedeutet Zalandos Strategiewechsel für den deutschen E-Commerce-Markt? Der Strategiewechsel signalisiert einen breiteren Trend: Deutsche E-Commerce-Unternehmen müssen über den reinen Handel hinausdenken und Technologiekompetenzen aufbauen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Für den Mittelstand bedeutet dies, dass reine Handelsmodelle ohne technologische Differenzierung zunehmend unter Druck geraten werden.

Quellen: „retail-news.de“, „ad-hoc-news.de“

Das könnte dich auch interessieren