AnlagePunk Flugtaxis: China geht an die Börse – Deutschland geht baden

Flugtaxis: China geht an die Börse – Deutschland geht baden

Flugtaxis sollten die Mobilität revolutionieren – in Deutschland revolutionierten sie vor allem die Insolvenzstatistik. Während hier Start-ups scheitern und Großkonzerne auf Pause drücken, bereitet China den Börsengang vor. XPeng macht aus Zukunftsvisionen Fabriken, Taktzeiten und Kapitalmarktstorys. Der Rest diskutiert Genehmigungen – und bleibt am Boden.

Flugtaxis waren mal der feuchte Traum der Mobilitätszukunft: elektrisch, leise, über den Stau hinweg. In Deutschland wurde diese Vision jahrelang gefeiert, gefördert und am Ende totgeplant. In China wird jetzt geliefert. Willkommen im Echtzeitvergleich zwischen Mut und Mutlosigkeit.

China macht Ernst – mit Geld, Tempo und Ansage

Der chinesische Elektroautohersteller XPeng zieht das nächste Zukunftsprojekt hoch – nicht als PowerPoint, sondern als potenziellen Börsengang. Laut Insiderberichten hat XPeng Banken mit der Vorbereitung eines Listings seiner Flugauto-Sparte XPeng AeroHT beauftragt, die international unter dem Namen Aridge auftritt. JPMorgan und Morgan Stanley stehen bereit, der IPO-Antrag wurde vertraulich eingereicht. Ein Börsengang könnte noch in diesem Jahr erfolgen – sofern Märkte und Aufseher mitspielen. Das Ziel ist klar: Kapital einsammeln, Serienproduktion hochziehen, Markt besetzen. Punkt. Das Fundament steht längst. In Guangzhou betreibt AeroHT eine 120.000 Quadratmeter große Fabrik, ausgelegt darauf, langfristig alle 30 Minuten ein Fluggerät vom Band laufen zu lassen. Sieben Prototypen-Generationen, mehr als 750 Millionen Dollar Entwicklungskosten und externe Finanzierungen – darunter 150 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 – zeigen: Hier läuft kein Start-up-Gebastel mehr, sondern Industrieplanung. Die erste Auslieferung eines serienreifen Flugautos ist für Ende 2026 vorgesehen. Flugtaxis sind dabei nur ein Baustein. Robotaxis, humanoide Roboter, eigene KI-Chips: Firmengründer He Xiaopeng will XPeng zu einem Konzern für „verkörperte KI“ formen – passgenau zur chinesischen Strategie der politisch gewollten „Low-Altitude-Economy“. Scheitern wird einkalkuliert. Stillstand nicht.

Deutschland: Große Vision, harter Aufschlag

Und dann Deutschland. Einst Vorzeigeland der Flugtaxi-Hoffnung. Lilium wollte den Regionalflug revolutionieren, Volocopter den urbanen Verkehr neu definieren. Die Politik träumte von Teststrecken, Modellstädten und flächendeckendem Betrieb. Heute träumt man von rettenden Investorendeals – und wartet, dass das Geld wirklich ankommt. Lilium meldete im Oktober 2024 Insolvenz an, nachdem staatliche Bürgschaften scheiterten und mehr als 1,5 Milliarden Euro Investorengeld verbrannt waren. Kurz vor Weihnachten wurde ein Rettungsdeal über rund 200 Millionen Euro verkündet – doch die Mittel flossen zunächst nicht, im Januar 2025 blieben Gehälter unbezahlt. Die Folge: ausgesetzter Betrieb, erneute Insolvenzsorgen, rund 1000 Arbeitsplätze im Feuer. Volocopter meldete Ende 2024 ebenfalls Insolvenz an und sucht seither unter Aufsicht eines vorläufigen Insolvenzverwalters nach einer Restrukturierung. Zeitpläne und Olympia-Träume? Geschichte.

Airbus zieht die Reißleine

Selbst der Luft- und Raumfahrt-Riese Airbus hat beim Thema Flugtaxis abgebremst. Das Programm CityAirbus NextGen wird vorerst pausiert. Offizieller Grund: Batterien und zentrale Teilsysteme haben noch nicht die technologische Reife für den Sprung in die Serie. Nach Jahren von Ankündigungen und Demonstratoren ist das ein klares Signal: Technische Realität schlägt PowerPoint-Fantasie – ausgerechnet in dem Moment, in dem andere Märkte Tempo machen. Experten verweisen zudem auf strukturelle Hürden. Aktuelle Batterien reichen oft nur für 50 bis 60 Kilometer Reichweite, Infrastruktur und Genehmigungen fehlen, das Geschäftsmodell bleibt elitär. Ein 12-Kilometer-Flug für mehrere Hundert Euro macht Flugtaxis vorerst zum Nischenprodukt: denkbar als Helikopter-Ersatz oder für Rettungseinsätze, kaum als Verkehrsmittel für jedermann.

Tempo schlägt Perfektion

Der Unterschied ist brutal simpel: China fliegt, Deutschland diskutiert die Startbahn. XPeng verkauft Investor:innen Skalierung, Fabriken und politischen Rückenwind. Deutsche Anbieter verkaufen die Hoffnung, dass Rettungsdeals greifen und Programme irgendwann genehmigt werden. Während in Guangzhou der Börsengang vorbereitet und die Serienproduktion terminiert wird, friert man hier Projekte ein und sortiert Förderkulissen neu. Flugtaxis werden kommen. Aber die ersten großen Geschichten werden sehr wahrscheinlich nicht in deutschen Hangars geschrieben. China geht mit XPeng an den Kapitalmarkt und setzt auf Geschwindigkeit. Deutschland bleibt beschäftigt mit Projektpausen und juristischen Rettungsversuchen. Punktiert gesagt: Wer zu lange prüft, verpasst den Abflug.

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