briefing · EU-USA-Handelsbeziehungen

Zoll & Roll: Warum deine Harley jetzt mehr kostet als ein Mittelklassewagen

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Mehr als 50.000 Euro für eine neue Harley sind kein Lifestyle-Gag, sondern das Ergebnis des Zollstreits zwischen USA und EU. Der Konflikt um Grönland bringt Strafzölle zurück auf die Agenda – und macht den Motorrad-Mythos aus Milwaukee zum Spielball der Geopolitik.

Man stelle sich vor: Du willst dir den Traum von Freiheit auf zwei Rädern erfüllen. Du steigst bei deinem Harley-Händler in Deutschland auf eine neue Street Glide und merkst: Das kostet dich mittlerweile mehr als ein gebrauchter Mittelklassewagen. Mehr als 50 000 Euro musst Du blechen, und das liegt nicht nur an der Lederjacke, von der Dir die alte in den Hüften zu klein geworden war.

Es liegt am Zoll-Zoff zwischen Brüssel und Washington. Und jetzt kommt Grönlandins Spiel – der neueste Plot-Twist in diesem transatlantischen Drama, bei dem Harley-Davidson wie ein ungeschliffener Kolben im Getriebe knarzt.

Was als beleidigtes PR-Manöver zwischen den USA und Europa begonnen hat, ist jetzt ein echter Handelskrieg: US-Präsident Donald Trump hat im Streit um Grönland Strafzölle von zunächst 10 Prozent ab 1. Februar und bis zu 25 Prozent ab 1. Juni 2026 auf Importe aus Deutschland, Frankreich, Schweden, den Niederlanden und anderen NATO-Partnern angekündigt. Sie sollen als Druckmittel im geopolitischen Poker um die arktische Insel wirken.

Das sind keine hypothetischen Papierzölle mehr, sondern politisch verknüpfte Abgaben mit echtem Biss. Brüssel allerdings knurrt zurück: Die EU könnte ab dem 6. Februar automatisch Gegenzölle im Wert von rund 93 Milliarden Euro auf US-Waren wie Bourbon, Jeans und Harley-Davidson-Motorräder aktivieren, wenn die Lage sich nicht deeskaliert und jetzt zum Beispiel beim Treffen der Mächtigen in Davos eine Einigung gefunden wird.

Für Harley-Davidson, dem Motorrad-Mythos aus Milwaukee für alle die, die sich aus der Midlife-Crisis herauskaufen wollen, ist das wie ein Hammerschlag in den Motorblock. Schon zuvor war der transatlantische Zollstreit ein Dauerbrenner: Nachdem die USA begonnen hatten, mit Zöllen auf EU-Stahl und Aluminium zu antworten, legte die EU Strafzölle auf US-Produkte drauf, darunter Motorräder – offiziell bis zu satten 50 Prozent zusätzlich zum regulären EU-Zoll. Diese wurden bisher ausgesetzt, aber sie hängen wie ein Damoklesschwert über jeder Preisstrategie.

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.