Drive & Dreams Wenn die Karre nicht läuft, baut Musk halt ein Superhirn: Wer ist Dojo 3?

Wenn die Karre nicht läuft, baut Musk halt ein Superhirn: Wer ist Dojo 3?

Während Teslas Autoverkäufe um 48% einbrechen, reaktiviert Musk sein Supercomputer-Projekt Dojo 3. Ein geschickter Schachzug, der die Aufmerksamkeit von der Autokrise auf KI-Visionen lenken soll.

Tesla erweckt sein 2025 eingestelltes Supercomputer-Projekt Dojo 3 wieder zum Leben – ausgerechnet in dem Moment, in dem die Verkaufszahlen der Elektroautos dramatisch einbrechen. Laut „Computer Base“ vermeldet der Konzern einen Durchbruch beim hauseigenen KI-Chip AI5, der die Wiederaufnahme des ambitionierten Rechenprojekts ermöglichen soll.

Die Timing-Frage drängt sich auf: Ist die Wiederbelebung des KI-Supercomputers ein technologischer Durchbruch oder ein geschicktes Ablenkungsmanöver von den schwindenden Autoverkäufen?

Teslas Verkaufskrise trifft auf KI-Offensive

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Teslas E-Auto-Verkäufe sind 2025 weltweit um 8,6 Prozent auf 1,6 Millionen Fahrzeuge gesunken. In Deutschland fiel der Einbruch mit 48 Prozent besonders drastisch aus, wie „t3n.de“ berichtet. Besonders bitter: Der einst als Verkaufsschlager gehandelte Cybertruck enttäuscht mit einem Rückgang von 39.000 auf nur noch 20.200 verkaufte Einheiten – weit entfernt von Musks Vision der 250.000 Verkäufe pro Jahr.

Parallel dazu verkündet Musk auf X: „Das AI5-Chip-Design ist jetzt in guter Verfassung, Tesla wird die Arbeit an Dojo 3 wieder aufnehmen.“ Der Konzern sucht bereits nach Spitzeningenieuren für die Entwicklung der „weltweit meistproduzierten KI-Chips“. Die Botschaft ist klar: Tesla will nicht mehr nur als Autobauer, sondern als KI-Powerhouse wahrgenommen werden.

Was steckt hinter Dojo 3?

Dojo ist Teslas proprietäre Supercomputer-Architektur, die seit ihrer ersten Vorstellung 2021 für Aufsehen sorgt. Anders als die meisten Tech-Unternehmen, die auf Nvidia-Chips setzen, entwickelt Tesla seine eigene KI-Hardware. Der Supercomputer soll die massiven Datenmengen aus Millionen Tesla-Fahrzeugen verarbeiten, um das autonome Fahren und den humanoiden Roboter Optimus voranzutreiben.

Die neue Strategie setzt auf eine vereinheitlichte Chip-Architektur: Die AI5- und künftigen AI6-Chips sollen sowohl in Fahrzeugen und Robotern arbeiten als auch zu Rechenclustern in Rechenzentren skalierbar sein. Dieser Ansatz unterscheidet sich grundlegend von der Industrienorm: während die Konkurrenz auf spezialisierte Chips für unterschiedliche Anwendungen setzt, verfolgt Tesla eine All-in-One-Strategie.

Die KI-Story als Börsenwert-Booster

Für Tesla geht es um mehr als nur technologische Innovation. Bei stagnierendem Wachstum im Kerngeschäft hängt die Bewertung des Unternehmens zunehmend von seinen KI-Ambitionen ab. Analysten sehen in Teslas KI- und Robotik-Projekten bereits heute eine Schlüsselbegründung für die hohe Marktkapitalisierung.

Die Investition in eigene Supercomputer unterstreicht Teslas strategischen Shift. Die Entwicklung des Optimus-Roboters und ein vollautonomes Robotaxi-Netzwerk stehen im Mittelpunkt des „KI-Kapitels“ von Tesla. Langfristig könnten diese Geschäftsfelder wertvoller werden als das Kerngeschäft mit Automobilen – zumindest wenn es nach Musks Vision geht.

Business Punk Check

Der Dojo-Relaunch ist ein klassisches Musk-Manöver: Während das Kerngeschäft schwächelt, wird die nächste große Vision ausgerollt. Die harten Fakten bleiben: Tesla verliert Marktanteile im E-Auto-Segment, während chinesische Hersteller wie BYD aufholen. Der Cybertruck floppt mit gerade mal 20.000 verkauften Einheiten – bei einer Produktionskapazität von 125.000. Die KI-Strategie könnte dennoch aufgehen.

Teslas Datenvorteil durch Millionen vernetzter Fahrzeuge ist real und wertvoll. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Nvidia dominiert den KI-Chip-Markt mit gutem Grund, und selbst Tech-Giganten wie Google und Meta haben bei eigenen Chip-Entwicklungen schmerzhafte Lektionen gelernt. Für Investoren bleibt die Frage: Kauft man Teslas KI-Story oder die ernüchternden Auto-Verkaufszahlen?

Häufig gestellte Fragen

Kann Teslas Dojo 3 wirklich mit Nvidia-Chips konkurrieren?

Teslas AI5-Chip verspricht laut Unternehmensangaben die Leistung von Nvidias Hopper-Architektur bei geringerer Größe und Stromverbrauch. Die Realität wird sich erst zeigen, wenn unabhängige Benchmarks vorliegen. Entscheidend ist weniger die Rohleistung als die Optimierung für Teslas spezifische Anwendungsfälle.

Wie sollten Investoren Teslas KI-Fokus bewerten?

Betrachten Sie Tesla als Technologie-Wette mit Autogeschäft, nicht umgekehrt. Die KI-Strategie könnte langfristig aufgehen, birgt aber erhebliche Risiken. Vergleichen Sie die tatsächlichen KI-Fortschritte (Autonomie-Level, Robotik-Fähigkeiten) mit den Ankündigungen und behalten Sie die Konkurrenz durch spezialisierte KI-Firmen im Blick.

Welche Auswirkungen hat Dojo 3 auf Teslas autonomes Fahren?

Dojo 3 könnte das Training der autonomen Fahrsysteme beschleunigen, indem es die Verarbeitung der Flottendaten optimiert. Erwarten Sie jedoch keine sofortigen Durchbrüche – der Weg zum vollautonomen Fahren (Level 5) bleibt komplex und langwierig. Achten Sie auf inkrementelle Verbesserungen bei FSD-Updates als Indikator für echten Fortschritt.

Ist Teslas vertikale Integration bei KI-Hardware ein Vorteil oder Risiko?

Die Eigenentwicklung von Chips ermöglicht Tesla maßgeschneiderte Lösungen und Unabhängigkeit von Lieferanten wie Nvidia. Gleichzeitig bindet sie erhebliche Ressourcen und Expertise, die andere Hersteller in ihre Kernprodukte investieren können. Der Erfolg hängt davon ab, ob der Spezialisierungsvorteil die höheren Entwicklungskosten rechtfertigt.

Quellen: Computer Base, t3n

Das könnte dich auch interessieren