Green & Generation Zölle statt Zusammenarbeit? Dieser deutsche Unternehmer erklärt in Davos, warum Trumps Kurs Naturprojekte bedroht

Zölle statt Zusammenarbeit? Dieser deutsche Unternehmer erklärt in Davos, warum Trumps Kurs Naturprojekte bedroht

Daniel Pfeifer ist Unternehmer und Ingenieur und Absolvent der RWTH Aachen. Er leitet mit NatureRe Capital ein Unternehmen für Investitionen in die Renaturierung von Ökosystemen, das stark in den USA engagiert ist. Was denkt er über Trump?

Herr Pfeifer, hier in Davos wird über globale Zusammenarbeit gesprochen, aber Trump droht mit Strafzöllen. Was bedeutet das für Sie?

Für uns sind Strafzölle weniger eine klassische Lieferkettenfrage, wie sie etwa die produzierende Industrie betrifft, sondern vor allem ein Signalproblem. Natural Climate Solutions leben von internationaler Kooperation, von Kapitalflüssen über Grenzen hinweg und von Vertrauen in stabile Rahmenbedingungen. Wenn protektionistische Maßnahmen diskutiert oder umgesetzt werden, steigt die Unsicherheit bei Investoren – und Unsicherheit ist der größte Feind langfristiger Naturprojekte. Großflächige Renaturierung oder Biodiversitätsschutz sind Investitionen mit Zeithorizonten von 30 oder mehr Jahren. Jede handelspolitische Eskalation erhöht die Risikoaufschläge und kann Projekte verzögern oder verteuern.

Arbeiten Sie mit den USA zusammen? Haben Sie bereits Notfallpläne, falls die Zölle tatsächlich kommen?

Ja, wir arbeiten mit US-amerikanischen Investoren, Projektpartnern und Abnehmern von Klimazertifikaten zusammen. Die USA sind ein zentraler Markt dafür. Wir haben in den letzten Jahren gelernt, geopolitische Risiken stärker zu diversifizieren. Das heißt konkret: breitere Investorenbasis, mehrere Absatzmärkte und Projektstandorte in unterschiedlichen Rechtsräumen. Notfallpläne bestehen weniger aus hektischen Umzügen, sondern aus Szenarien – was passiert, wenn Kapital teurer wird, wenn regulatorische Anerkennung verzögert wird oder wenn Märkte temporär wegfallen. Resilienz ist heute Teil jeder seriösen Geschäftsstrategie, so auch für uns.

Wie sehr hängt der Erfolg Ihres Unternehmens von politischen Entscheidungen ab, die Sie überhaupt nicht beeinflussen können?

Für die Lösung des Gesamtproblems im Klimaschutz natürlich sehr stark – aber für uns als Firma gleichzeitig weniger, als man denken könnte. Politische Entscheidungen setzen den Rahmen: CO₂-Preise, Offenlegungspflichten, Anerkennung von Naturkapital. Ohne diesen Rahmen wird es schwer, Renaturierungen in ganz großem Stil zu monetarisieren. Für die aktuellen Abnehmer entscheidet aber vor allem die Qualität der Projekte. Wir investieren nur dort, wo unsere Arbeit auch ohne kurzfristige politische Moden ökologisch und ökonomisch Sinn ergeben. Natur folgt keinen Legislaturperioden. Unser Anspruch ist, Modelle zu entwickeln, die auch dann Bestand haben, wenn politische Mehrheiten wechseln.

Viele Unternehmer klagen über „Politikversagen“ und Bürokratie – was frustriert Sie an der aktuellen Lage am meisten?

Mich frustriert weniger die Bürokratie an sich, sondern ihre Widersprüchlichkeit. Wir reden politisch ständig über Klimaschutz, Biodiversität und nachhaltige Finanzmärkte – und gleichzeitig scheitern Projekte an unnötigen Ausschlusskriterien, Genehmigungsfristen oder uneinheitlichen Standards. Wer Natur schützen will, braucht Geschwindigkeit und Klarheit. Unglücklicherweise erleben wir oft Misstrauen gegenüber Unternehmungen, die genau diese Ziele umsetzen wollen. Das kostet Zeit, Geld und manchmal auch Motivation.

Sie treffen hier in Davos auf Politiker und Banker – haben Sie das Gefühl, Ihre Sorgen als Mittelständler werden gehört, oder bleiben Sie ein Feigenblatt für schöne Reden über „Wirtschaftsnähe“?

Davos ist ein Ort der Gespräche, aber nicht immer der Entscheidungen. Man wird gehört, ja – aber zwischen Zuhören und Handeln liegt oft eine große Lücke. Mittelständische Unternehmen wie unseres sind keine Schlagzeilenproduzenten, dabei setzen wir vieles konkret um. Mein Eindruck ist: Das Verständnis wächst, aber der politische Übersetzungsprozess in konkrete Maßnahmen dauert zu lange. Für viele Unternehmen ist das ein echtes Standortproblem.

Was sagen Sie Ihren Mitarbeitern, wenn sie zurückkommen und Sie fragen, ob ihre Jobs sicher sind, falls die internationale Lage weiter eskaliert?

Ich sage ihnen die Wahrheit: Absolute Sicherheit gibt es nicht – aber es gibt Sinn, Qualität und Nachfrage. Und wir haben schon einen großen Teil der Strecke geschafft. Der Schutz und die Wiederherstellung von Natur ist nicht nice-to-have, sondern eine globale Notwendigkeit. Unsere Projekte schaffen reale Werte: sauberes Wasser, fruchtbare Böden, stabile Ökosysteme. Solange wir diese Qualität liefern, wird es Arbeit geben. Und ich erlebe ein Team, das genau deshalb bei uns ist.

Sehen Sie Ihre Zukunft in Europa oder denken Sie über eine Verlagerung nach? Ein großer Teil Ihres Teams sitzt bereits in Südamerika.

Ich möchte unbedingt, dass ein großer Teil des Know-hows, der Verantwortung und des Investment Managements in Europa bleiben. Wir sind jetzt bereits ein globales Team – und Kapital, Talente und Innovation sind mobil. Aber wir sehen Europa für viele Bereiche unserer Arbeit als starken und sicheren Standort. Generell sind nature-based-solutions auf das Funktionieren globaler Lieferketten angewiesen wie jede andere Industrie auch. Die Wachstumsraten in feuchtwarmen Gebieten sind zum Beispiel um ein vielfaches höher als in Deutschland oder der Schweiz. Zudem sind die Flächen, die wir für einen nennenswerten Beitrag zum globalen Klimaschutz brauchen, hier nicht ansatzweise verfügbar. Dann ist die Technologie zur Vermessung solcher Projekt überall in der Welt im Aufbau. Es wäre aus meiner Sicht extrem wichtig, dass Europa den Anschluss bei der Entwicklung hält.

Abseits der Schlagzeilen: Was müsste Deutschland oder ein Land wie die Schweiz jetzt tun, um Unternehmer langfristig zu halten – und Ihnen wieder Vertrauen geben?

Erstens: Verlässlichkeit. Klare Regeln ohne Berührungsängste vor globalen Lieferketten – viel mehr die Absicherung genau dieser internationalen Zusammenarbeit. Zweitens: Geschwindigkeit. Genehmigungen und Anerkennungsverfahren müssen drastisch schneller werden. Drittens: Vertrauen in unternehmerische Lösungen. Wer messbar Natur schützt und Risiken übernimmt, sollte als Partner gesehen werden, nicht als Bittsteller. Dann, davon bin ich überzeugt, können Unternehmen wie unseres einen entscheidenden Beitrag leisten – für Klima, Biodiversität und soziale Stabilität zugleich.

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