Business & Beyond Grönland, Zölle, Rückzieher: Wie Trump in Davos einknickt

Grönland, Zölle, Rückzieher: Wie Trump in Davos einknickt

Trump wollte Grönland kaufen, drohte mit Zöllen – und ruderte nach einem Treffen mit NATO-Chef Rutte komplett zurück. Was steckt hinter dem Davos-Deal, der die Märkte jubeln ließ?

In Davos zeigte sich, wie schnell geopolitische Machtspiele kippen können. Donald Trump betrat das Weltwirtschaftsforum mit der Forderung, Grönland zu annektieren – und verließ es mit einem Kompromiss, der ihm alles gibt, außer den Besitz der Insel. Die Börsen feierten: Der Dow Jones schoss um 588 Punkte nach oben. Doch was genau wurde da eigentlich verhandelt? Und wer hat Trump wirklich umgestimmt?

Der Mann, der Trump entwaffnete

NATO-Generalsekretär Mark Rutte wird plötzlich als „Held von Davos“ gefeiert. Der Niederländer hatte Trump zuvor schon mal „Daddy“ genannt – eine Schmeichelei, die offenbar funktionierte. Ruttes Strategie: Trump alles versprechen, was er will, nur nicht den formellen Besitz Grönlands. Die Botschaft lautete schlicht: Kontrolle ist wichtiger als Eigentum.

Laut Bild waren auch Blackrock-CEO Larry Fink und WEF-Chef Børge Brende bei den entscheidenden Gesprächen dabei. Die Verhandlungen drehten sich um militärische Präsenz, Investitionskontrollen und das 175 Milliarden Dollar teure Raketenabwehrsystem „Golden Dome“. Washington soll nach dem Zypern-Modell Souveränität über bestimmte Militärzonen erhalten – ohne dass Grönland offiziell US-Territorium wird.

Was Europa wirklich einkaufte

Trump kassierte seine Zolldrohungen gegen acht EU-Staaten ein – darunter Deutschland, das ab Februar mit 10 Prozent Strafzöllen hätte rechnen müssen. Ab Juni wären es 25 Prozent gewesen. Wie die Zeit aus Teilnehmerkreisen erfuhr, soll das Stationierungsabkommen von 1951 zwischen den USA und Dänemark neu gefasst werden.

Zusätzlich bekommen die USA ein Mitspracherecht bei Investitionen in Grönland – vor allem, um China und Russland rauszuhalten. Die NATO verspricht verstärktes Engagement in der Arktis. Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen zeigte sich erleichtert: „Der Tag endete besser, als er begonnen hat.“ Doch die Souveränitätsfrage wurde laut Rutte bewusst ausgeklammert – ein geschickter Schachzug, um Trump das Gesicht zu wahren.

Trumps Rückzieher: Taktik oder Panik?

Ex-Trump-Berater John Bolton erklärte gegenüber Bild, Trump sei mit der Überzeugung nach Davos gereist, Europa werde nachgeben. Stattdessen musste er selbst zurückrudern – möglicherweise auch wegen drohendem innenpolitischem Druck in den USA. Trump verkündete das Rahmenabkommen auf Truth Social als „großartige Lösung für alle Ewigkeit“. Konkrete Details? Fehlanzeige.

Die weiteren Verhandlungen sollen Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und Sondergesandter Steve Witkoff führen. Ein geplantes Treffen mit Kanzler Friedrich Merz fiel wegen Trumps verspäteter Ankunft aus. Die Märkte reagierten dennoch euphorisch – offenbar reicht schon die Aussicht auf Deeskalation, um Investoren zu beruhigen.

Was der Deal verschweigt

Das Rahmenabkommen klingt nach Kompromiss, ist aber vor allem eines: vage. Trump behauptet, die USA bekämen „alles, was sie wollten“. Doch die Frage bleibt: Was genau wurde Grönlands 57.000 Einwohnern versprochen? Die Insel verfügt über strategisch wichtige Rohstoffe und liegt geopolitisch zentral zwischen Nordamerika und Europa.

Laut Tagesschau soll das Abkommen auch Investitionskontrollen beinhalten – ein Hebel, um chinesische und russische Aktivitäten zu blockieren. Doch ob Dänemark und Grönland langfristig mit dieser Lösung leben können, ist offen. Der EU-Sondergipfel am Donnerstag findet trotz Trumps Rückzieher statt – offenbar traut Brüssel dem Frieden noch nicht ganz.

Business Punk Check

Rutte hat Trump nicht besiegt – er hat ihm einen gesichtswahrenden Ausweg verkauft. Das Davos-Abkommen ist kein Friedensvertrag, sondern ein taktisches Manöver. Trump bekommt militärische Kontrolle, Investitionsveto und die Bühne für einen „historischen Deal“. Europa zahlt den Preis: erweiterte US-Militärpräsenz in der Arktis, Abhängigkeit von Washingtons Sicherheitsgarantien und null Garantie, dass Trump nicht nächste Woche wieder mit Zöllen droht. Die Börsen feiern, weil Deeskalation kurzfristig gut fürs Geschäft ist. Langfristig bleibt die Botschaft: Europäische Unternehmen sind Geiseln amerikanischer Launenpolitik. Wer jetzt nicht in Lieferketten-Resilienz investiert, hat nichts aus Davos gelernt. Grönlands Rohstoffe bleiben das eigentliche Ziel – und China schaut zu, wie der Westen sich selbst zerlegt. Der Deal ist keine Lösung, sondern ein Aufschub. Und Aufschübe sind im Business das Gegenteil von Strategie.

Häufig gestellte Fragen

Warum hat Trump seine Grönland-Forderung zurückgezogen?

Trump ruderte zurück, weil NATO-Chef Mark Rutte ihm eine Alternative bot: militärische Kontrolle ohne formellen Besitz. Das Rahmenabkommen sichert den USA erweiterte Militärpräsenz, Mitsprache bei Investitionen und strategische Dominanz in der Arktis – ohne den diplomatischen Kollateralschaden einer Annexion. Zusätzlich drohte Trump innenpolitischer Druck wegen seines kompromisslosen Kurses.

Was bedeutet der Davos-Deal konkret für deutsche Unternehmen?

Die Rücknahme der Zolldrohungen verschafft deutschen Exporteuren Planungssicherheit – vorerst. Unternehmen, die in die USA liefern, müssen weiterhin mit 15 Prozent Zöllen rechnen, aber nicht mit den angekündigten 25 Prozent. Langfristig bleibt Trumps Handelspolitik unberechenbar. Firmen sollten Lieferketten diversifizieren und Worst-Case-Szenarien durchspielen.

Welche Rolle spielt Grönland wirklich in der Geopolitik?

Grönland ist der Jackpot der Arktis: Seltene Erden, strategische Militärbasen und Kontrolle über Schifffahrtsrouten, die durch die Klimakrise eisfrei werden. China und Russland haben längst Interesse signalisiert. Die USA wollen verhindern, dass Konkurrenten dort Fuß fassen – der Davos-Deal sichert Washington Einfluss, ohne Grönland formal zu übernehmen.

Wie stabil ist das Rahmenabkommen langfristig?

Das Abkommen ist bewusst vage formuliert und noch nicht final ausgehandelt. Trump spricht von „Ewigkeit“, doch Details fehlen. Dänemark und Grönland müssen zustimmen, und die grönländische Bevölkerung hat ein Mitspracherecht. Sollte Trump erneut Druck ausüben oder innenpolitische Widerstände wachsen, könnte das Konstrukt schnell wackeln. Der EU-Sondergipfel findet nicht ohne Grund trotzdem statt.

Was können europäische Startups und Mittelständler aus dem Davos-Drama lernen?

Geopolitische Risiken sind keine Randnotiz mehr, sondern Geschäftsrisiko. Unternehmen müssen Handelsbarrieren, Zollschwankungen und politische Volatilität in ihre Strategie einpreisen. Wer nur auf den US-Markt setzt, spielt russisches Roulette. Diversifikation, lokale Partnerschaften und Szenario-Planung sind keine Kür mehr, sondern Pflicht. Trumps Zickzackkurs zeigt: Verlässlichkeit ist in der transatlantischen Wirtschaftspolitik Geschichte.

Quellen: Bild, Zeit, Tagesschau

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