Business & Beyond Bahn will profitable Auslandssparte verkaufen – Berlin lässt sie hängen

Bahn will profitable Auslandssparte verkaufen – Berlin lässt sie hängen

Die Deutsche Bahn will ihre profitable Auslandssparte DB International Operations abstoßen. Während Züge in Indien und Ägypten laufen, fehlt die politische Rückendeckung aus Berlin. 8.500 Jobs auf der Kippe.

Die Deutsche Bahn räumt auf – und wirft dabei ausgerechnet das weg, was funktioniert. Während im Inland Züge ausfallen und Bahnsteige bröckeln, erwirtschaftet die Auslandssparte DB International Operations solide Gewinne. Doch unter Bahnchefin Evelyn Palla steht genau dieses Geschäft zum Verkauf. Die Botschaft: Konzentration auf Europa, koste es, was es wolle. Nur – ist das wirklich die Lösung?

Profitable Sparte wird geopfert

DB International Operations betreibt Züge in Indien, Uruguay und seit Kurzem in Ägypten. Zusammen mit der Schwestergesellschaft DB Engineering and Consulting, die Strecken in Katar, Abu Dhabi und Kanada plant, erwirtschaftete die Sparte zuletzt knapp eine Milliarde Euro Umsatz. Das Betriebsergebnis: 35 Millionen Euro. Profitabel, solide, erfolgreich – eigentlich genau das, was ein kriselnder Konzern braucht. Doch laut Handelsblatt prüft die Bahn den Verkauf dieser außereuropäischen Aktivitäten ernsthaft.

Die Begründung klingt nach Konzernstrategie-Bullshit: Fokussierung auf Kernmärkte. Übersetzt heißt das: Berlin hat keine Lust mehr auf globale Ambitionen. Das Bundesverkehrsministerium erteilt keine Genehmigungen mehr für neue Auslandsgesellschaften. Die politische Rückendeckung fehlt komplett. „Unsere Tätigkeit hat für Palla keine Priorität mehr“, sagt ein Manager der Auslandstochter gegenüber Handelsblatt, der anonym bleiben will. „Wir rechnen damit, dass wir im derzeit laufenden Konzernumbau zum Verkauf gestellt werden.“.

Politisches Desinteresse trifft Wirtschaftslogik

Die DB E.C.O. Group beschäftigt 8.500 Menschen. Was mit der Planungsgesellschaft DB Engineering and Consulting passieren soll, bleibt unklar – ein Teil arbeitet auch für deutsche Infrastrukturprojekte, darunter die Sanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Eine Bahnsprecherin erklärt laut Bahnblogstelle, dass „Projekte und Geschäfte so weiterlaufen wie unter der bisherigen Zuordnung“. Das klingt nach Durchhalteparole, nicht nach Strategie.

Die Ironie: Während die Bahn im Inland mit Verspätungen, Ausfällen und maroder Infrastruktur kämpft, laufen die Auslandsprojekte vergleichsweise reibungslos. In Ägypten feierte man kürzlich die Jungfernfahrt, in Indien rollen die Züge planmäßig. Doch statt diese Erfolge als Referenz für künftige Aufträge zu nutzen, zieht sich die Bahn zurück. Der Grund ist weniger betriebswirtschaftlich als politisch: Berlin will die Bahn auf Deutschland trimmen – koste es Umsatz, Gewinne und internationale Reputation.

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