Business & Beyond Ashes to Space: Sterben im All ab 249 Dollar

Ashes to Space: Sterben im All ab 249 Dollar

Wer im Leben von SpaceX, Star Trek und Sci-Fi gepusht wurde, soll im Tod nicht auf dem 08/15-Friedhof landen. Ein US-Startup verspricht jetzt Weltraum-Gedenken ab 249 Dollar – per Mini-Satellit, inklusive „Sternschnuppen-Finale“. Klingt nach Meme, ist aber knallhartes Business im Bestattungsmarkt. Willkommen im Zeitalter der Space-Burials: letzte Ruhestätte Low Earth Orbit.

Der Ingenieur, der den Tod in den Orbit schickt

Todesanzeigen waren gestern. Heute heißt es: letzter Flug, Low Earth Orbit, Rückkehr als Sternschnuppe. Was wie ein halbgarer Meme-Pitch aus der Tech-Bubble klingt, ist reales Geschäft – und ein gezielter Angriff auf eine Branche, die Trauer seit Jahrzehnten als Margenhebel benutzt. Gründer Ryan Mitchell, Ingenieur mit Vergangenheit im Space-Shuttle-Programm und bei Blue Origin, kam auf die Idee irgendwo zwischen Camping unter Sternenhimmel und einer ernüchternd nüchternen Familien-Aschezeremonie. Der Gedanke war simpel und radikal zugleich: Warum die Asche in der Vitrine lagern, wenn sie auch die Erde umrunden kann? Größer, technischer, ehrlicher – ohne Weihrauch, ohne sakrale Kulisse.

Weltraum-Beerdigung zum Discounter-Preis

Das Produkt heißt „Ashes to Space“ und ist erstaunlich unromantisch umgesetzt. Ein standardisierter CubeSat, ein kleiner Würfel-Satellit, nimmt bis zu 1.000 Kapseln auf, jede mit rund einem Gramm Asche. Keine Verteilung im All, kein kosmischer Feinstaub, sondern saubere Ingenieurslogik. Gestartet wird als Rideshare-Nutzlast auf einer SpaceX-Falcon-9, integriert von Arrow Science & Technology. Der Erstflug ist aktuell für Oktober 2027 geplant – genau in jener Phase, in der Weltraumtourismus als Buzzword langsam ausfranst, aber noch genug Glanz hat, um zu verkaufen.

Der eigentliche Punk-Move ist der Preis: ab 249 Dollar. Kremation und formale Bestattung laufen weiterhin klassisch, Space Beyond verkauft nur den Platz im Orbit. Mitchell hört regelmäßig, dass er viel zu billig sei – aber genau das ist der Punkt. Statt Luxusritualen setzt er auf Standardisierung: ein Satellit, eine Orbit-Höhe, eine Missionsdauer von etwa fünf Jahren, keine Sonderwünsche. Ein Gramm Asche ist logistisch einfach, kalkulierbar und skalierbar. Genau diese radikale Limitierung macht das Modell massentauglich.

Fünf Jahre im Orbit, dann Sternschnuppe

Technisch bleibt das Ganze nüchtern. Der CubeSat fliegt in einen sonnensynchronen Orbit in rund 550 Kilometern Höhe, umrundet die Erde alle anderthalb Stunden und wird durch die dünne Restatmosphäre langsam abgebremst. Nach etwa fünf Jahren tritt er wieder ein und verglüht vollständig – zusammen mit den Kapseln. Marketing nennt das „letzte Sternschnuppe“, physikalisch ist es kontrollierter Reentry ohne Weltraumschrott.

Wichtig: Die Asche bleibt während der gesamten Mission im Satelliten. Nichts wird freigesetzt, nichts bleibt oben. Für Angehörige bedeutet das einen Kompromiss: Ein symbolischer Teil ist im All, der Rest kann klassisch beigesetzt oder verwahrt werden. Kein Entweder-oder, sondern ein Hybrid aus Ritual und Technik.

Der kleine Friedhof im All – und seine Konkurrenz

Ganz neu ist die Idee nicht. Space Beyond ist eher der Discounter in einem bislang elitären Segment. Celestis verkauft seit den 1990er-Jahren sogenannte Memorial Spaceflights – von suborbitalen Kurztrips über Erdorbits bis hin zu Mond- und Deep-Space-Missionen. Prominente Asche inklusive, Preise entsprechend. Elysium Space setzt ebenfalls auf Kleinstsatelliten als „Space-Mausoleum“, meist im mittleren vierstelligen Dollarbereich. Dazu kommen Anbieter, die Asche mit Ballons in die Stratosphäre bringen und das Ganze als „Near Space“-Erlebnis verkaufen – technisch obere Atmosphäre, emotional maximaler Star-Wars-Filter. Allen gemeinsam ist die Inszenierung: Mini-Mengen Asche, große Worte, Tracking-Apps, Zertifikate und das Versprechen, dass Trauer heute bitteschön instagrammable sein darf.

Luxusritual oder Demokratisierung des Todes?

Kritik gibt es reichlich: Weltraum als Spielplatz der Wohlhabenden, Kommerzialisierung des Orbits, religiöse Fragen, ob menschliche Überreste überhaupt von der Erde weggehören. Klassische Anbieter reagieren mit noch mehr Pathos, VIP-Narrativen und Hochglanzbildern.

Space Beyond geht bewusst in die Gegenrichtung. Gleiche Grundidee, aber nüchtern, billig, fast respektlos. Kein Mondgrab, keine Deep-Space-Poesie, sondern: fünf Jahre Orbit, Tracking inklusive, dann Reentry. Punkt. In einer Branche, in der Särge, Grabsteine und Blumenschmuck absurde Margen tragen, wirkt das fast subversiv – oder wie sehr cleveres Value-Branding für eine Generation, die auch im Tod lieber eine Umlaufbahn als eine Kirchenbank will.

Wenn der letzte Statuspost im Himmel hängt

Am Ende ist eine Space-Beerdigung vor allem eins: Storytelling. Statt „Reihengrab, Feld 7“ heißt es dann: „Umkreiste die Erde alle 90 Minuten und kam als Sternschnuppe zurück.“ Ob man das kitschig findet oder großartig, ist Geschmackssache. Der Markt dafür ist real und wächst. Space Beyond versucht, ihn aus der Nerd- und Luxusnische zu holen und in ein Produkt zu pressen, das sich eher wie ein Abo anfühlt als wie ein Kirchenritual. Vielleicht ist genau das der beunruhigende Punkt: Wenn selbst der Tod irgendwann nur noch eine weitere Option im Katalog der Consumer Experience ist – nur diesmal mit Blick auf die Sterne.

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