Work & Winning 75 Millionen Patienten unter Aufsicht: Die neue Hausarzt-Ordnung

75 Millionen Patienten unter Aufsicht: Die neue Hausarzt-Ordnung

Gesundheitsministerin Nina Warken plant die verbindliche Hausarztpflicht für 75 Millionen Kassenpatienten. Ab 2028 wird der Hausarzt zur Pflichtstation vor jedem Facharztbesuch – mit Sanktionen für Verweigerer.

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) startet die größte Strukturreform im deutschen Gesundheitswesen seit Jahrzehnten. Das Primärarztsystem macht den Hausarzt zur obligatorischen ersten Anlaufstelle für 75 Millionen gesetzlich Versicherte. Wer künftig zum Orthopäden oder Hautarzt will, braucht eine Überweisung. Die Reform soll 2028 greifen – und wer nicht mitmacht, zahlt drauf.

Pflichtstation Hausarzt: So funktioniert das neue System

Das Konzept ist simpel: Kassenpatienten müssen sich verbindlich bei einer Hausarztpraxis registrieren. Diese Praxis steuert dann sämtliche Facharztbesuche durch Überweisungen – telefonisch, digital oder klassisch. Ausnahmen gibt es nur für Kinder-, Augen- und Frauenarztpraxen sowie für chronisch Kranke. Laut Bild plant das Ministerium einen „digitalen Versorgungseinstieg“, der Ersteinschätzung per App, elektronische Überweisungen und Terminbuchung kombiniert.

Die Bundesärztekammer unterstützt das Vorhaben. Präsident Klaus Reinhardt argumentiert, viele Patienten landeten heute an der falschen Stelle im System. Eine hausärztliche Steuerung könne unnötige Facharztbesuche vermeiden und Ressourcen für diejenigen freimachen, die tatsächlich spezialisierte Hilfe benötigen. Die Ressource Arzt rund um die Uhr kann es so nicht weiter geben, heißt es aus der Ärzteschaft.

Digitale Triage und App-Steuerung

Neben der klassischen Hausarztüberweisung setzt Warken auf digitale Ersteinschätzung. Versicherte sollen Symptome in Krankenkassen-Apps eingeben oder die Kassenärzte-Hotline 116 117 nutzen. Ein Algorithmus entscheidet dann: Hausarzt, Facharzt oder Notaufnahme. Die Co-Chefin des Krankenkassen-Spitzenverbandes, Stefanie Stoff-Ahnis, verspricht eine verlässliche Einschätzung des medizinischen Behandlungsbedarfs.

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